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20 Prozent aller Mütter sollten sofort eine Kur beantragen

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MOTHER TIRED SERIOUS
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Ich bin seit 15 Jahren Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks in Berlin. Mir lagen Themen rund um das Frauenwohl schon immer am Herzen, deswegen habe ich diesen Weg eingeschlagen. Für Mütter zu arbeiten, mich für sie einzusetzen, ist eine unglaublich spannende und bereichernde Aufgabe. Deswegen liebe ich meine Arbeit.

Seit vielen Jahren steigt bei Müttern die Diagnose Erschöpfung bis zum Burn-out. Über 80 Prozent der Frauen, die zu uns kommen, leiden darunter. Dabei kommen immer mehrere Gesundheitsprobleme zusammen.

Die Mütter leiden häufig unter Schlaflosigkeit, depressiven Verstimmungen, Gereiztheit oder Ängsten. Sie haben zudem Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeiten, auch Stoffwechselerkrankungen oder Allergien.

Oft ist es der Tropfen auf den heißen Stein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Mütter sind unter Zeitnot und organisieren den Familienalltag. Sie kommen an ihre Grenzen, wenn dann noch eine zusätzliche Belastung wie zum Beispiel ein Konflikt mit dem Partner oder ein Trauerfall dazu kommt.

20 Prozent aller Mütter könnten sofort eine Kur beantragen

Nach einer Bedarfsstudie des Bundesfamilienministeriums könnten 20 Prozent aller Mütter mit Kindern unter 18 Jahren sofort eine Kurbeantragen. Das sind 2,1 Millionen Mütter.

Das sind Mütter, denen wir täglich begegnen. Nach außen hin scheint alles in Ordnung. Sie versuchen die Fassade aufrecht zu erhalten. Es sind Mütter, die alles perfekt machen und die hohen Erwartungen an Mütter erfüllen wollen.

Mehr zum Thema: Bekenntnis einer erschöpften Mutter

Die Mütter von heute wollen funktionieren. Und sie ignorieren lange all die Anzeichen, die sagen, dass sie überlastet sind. Viele Frauen empfinden es als persönliches Versagen, wenn sie sich eingestehen: Ich schaffe das nicht. Viele haben das Gefühl, dass alle anderen Mütter es schaffen, nur sie nicht.

Sie stellen ihre Bedürfnisse hinten an und denken, dass sie keine „gute" Mutter sind, wenn sie etwas für sich tun und das Kind oder die Familie einmal nicht an erster Stelle steht. Oft befinden sie sich in einer Spirale der ständigen Überforderung. Und das kann krank machen.

Umfragen zeigen: Junge Frauen und Männer wünschen sich eine Familie, Kinder und beide formulieren: Wir teilen uns die Familienarbeit gerecht auf.

Doch wenn das Kind dann da ist, gibt es oft eine traditionelle Rollenaufteilung. Und oft wirken alte Muster. Die Gesellschaft erwartet von Müttern immer noch die ständige Verfügbarkeit und die Zurückstellung eigener Bedürfnisse und gleichzeitig die moderne, aktive, erfolgreiche und erwerbstätige Frau.

Frauen machen 80 Prozent der Hausarbeit alleine

Dazu hat sich der Anspruch an Kindererziehung geändert. Mütter sind zuständig für die Förderung und den Bildungserfolg ihrer Kinder und sie leisten in der Regel 80 Prozent der Hausarbeit alleine, unabhängig vom Anteil ihrer Erwerbstätigkeit.

Diese verschiedenen Rollen zu vereinen, ist unglaublich schwer. Mütter sind heute vielfach belastet und stehen unter einem großen Druck.

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Wenn Frauen mit starken Erschöpfungssyndromen zu uns kommen, ermutigen wir sie, eigene Ansprüche zu reduzieren und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Denn die Bedürfnisse einer Mutter sind genauso wichtig wie die ihrer Kinder.

Sie lernen, bewusst Zeit für sich einzuplanen, damit sie gesund bleiben: Jeder Mensch braucht Kraftquellen - und Mütter ganz besonders. Viele Mütter nehmen Impulse mit, ihren Alltag zu verändern und Verantwortung neu zu verteilen.

Der Text wurde von Katharina Pichler aufgezeichnet.

Mehr Informationen über das Müttergenesungswerk:

www.muettergenesungswerk.de

facebook.com/muettergenesungswerk

http://www.muettergenesungswerk.de/spenden.html

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

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