BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Anne Douglas Headshot

Lieber Donald Trump, ich habe das Nazi-Regime miterlebt - lassen Sie nicht zu, dass sich die Geschichte wiederholt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHARLOTTESVILLE PROTESTS
getty
Drucken

Der Präsident der vereinigten Staaten muss mit deutlichen Worten klarmachen, dass Hassgruppen in Amerika keinen Platz haben.

Ich habe 1941 im nazibesetzten Paris gelebt, als Präsident Roosevelt seine Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress hielt. Er sprach voller Begeisterung über die grundlegenden amerikanischen Werte - die "vier Freiheiten", Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit von Not und Freiheit von Furcht.

In meinem Heimatland Deutschland und in Frankreich war ― wie in allen anderen Ländern, die Hitler erobert hatte ― jede einzelne dieser grundlegenden Freiheiten komplett abgeschafft worden.

Mein Mann glaubt, dass ich mein Wahlheimatland so liebe, weil ich so lange unter einem faschistischem Regime leben musste

Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Freude in Paris herrschte, als die Amerikaner uns 1944 befreiten. Es war ein Gefühl der Wiedergeburt. Zehn Jahre später erhielt ich die amerikanische Staatsbürgerschaft, weil ich Kirk Douglas heiratete.

Mein Mann glaubt, dass ich mein Wahlheimatland deshalb so liebe, wie es sich nur wenige gebürtige Staatsbürger überhaupt vorstellen können, weil ich so lange unter einem faschistischem Regime leben musste.

"Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern, was du für dein Land tun kannst", sagte John F. Kennedy, als er zum 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Schon bald danach schaffte er für die Bürger vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Gründung des Friedenskorps.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Außerdem schlug er meinem Mann vor, dass er als amerikanischer Filmstar die USA als Sonderbotschafter vertreten könnte, um dadurch zur besseren Verständigung mit anderen Ländern beizutragen.

Kirk traf eine feste Vereinbarung mit dem Auswärtigen Amt und so reisten wir beide in den folgenden 20 Jahren auf eigene Kosten in mehr als 40 Länder, um dort über die USA zu sprechen.

In manchen dieser Länder waren totalitäre oder militärische Regime an der Macht. Wir waren froh, dass wir nach unserer Rückkehr stets berichten konnten, dass überall Wohlwollen und Respekt gegenüber den USA herrschten, sogar hinter dem Eisernen Vorhang.

Kirk weiß, was Diskriminierung bedeutet

Kirk ist jetzt 100 Jahre alt, und es gibt so gut wie nichts, was er noch nicht erlebt hat. Er ist ewig dankbar, dass seine Eltern vor dem Antisemitismus des zaristischen Russlands geflohen sind, damit alle ihre Kinder in den USA zur Welt kommen konnten.

Er weiß, wie großartig unser Land ist, doch er kennt auch dessen Schattenseite, nämlich die Diskriminierung von Minderheiten, von Einwanderern und von amerikanischen Ureinwohnern. Er setzte sich für die Abschaffung der Schwarzen Liste ein.

Mehr zum Thema: Wie Donald Trump Diskriminierung legalisieren will

Die war aus Anhörungen vor dem Kongress entstanden und zerstörte die Leben der Menschen, die früher einmal der kommunistischen Partei angehört hatten - eine Partei, die niemals offiziell verboten worden war.

Kirk kannte Menschen, die in der ständigen Angst lebten, dass ihre sexuelle Orientierung aufgedeckt werden könnte. Er hat miterlebt, wie leicht es für Machthaber wie den Senator Joseph McCarthy war, andere zu schikanieren, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Am Ende brachte ihn ein mutiger Armeeanwalt namens Joseph Welch ihn mit diesen vernichtenden Worten zu Fall: "Haben Sie denn überhaupt keinen Sinn für Anstand?"  

Ich musste mich der Hitlerjugend anschließen

Ich wünschte, unsere Kongressabgeordneten hätten dieses Zitat dem derzeitigen Bewohner des Weißen Hauses um die Ohren gehauen, als er "beide Seiten" für die tragischen Ereignisse bei der "Unite the Right"-Kundgebung in Charlottesville, Virginia, verantwortlich machte.

Die in den USA geborenen Rassisten und Neonazis, die in Charlottesville aufmarschiert sind, mussten niemals am eigenen Leib erfahren, was ein totalitäres Regime seinem Volk antut, wenn es erst einmal an der Macht ist.

Ich hingegen habe es selbst erlebt. Diese Menschen durften ihr ganzes Leben in einem Land verbringen, das ihr Recht auf freie Meinungsäußerung schützt, selbst wenn ihre Äußerungen voller Hass sind.

Da ich meine Kindheit in Deutschland verbrachte, musste ich mich der Hitlerjugend anschließen. Dort wurden wir mit nationalsozialistischem Gedankengut indoktriniert und dazu aufgefordert, unsere Eltern und Nachbarn auszuspionieren.

Mehr zum Thema: Nordkorea vergleicht Donald Trump mit Hitler

Als ich später in Paris vom Verfassen deutscher Untertitel für Filme lebte, wurde ich von meinem Dienstmädchen bei der Gestapo angeschwärzt. Sie war ganz scharf darauf, die Gestapo über die merkwürdigen Sätze zu informieren, die sie auf den Arbeiten sah, die ich mit nach Hause brachte.

Ich wurde um 5 Uhr morgens abgeholt und stundenlang verhört. Schließlich konnte ich den Polizisten überzeugen, dass ich keine Spionin war - aber nur deshalb, weil ich Deutsch sprach.

Das war einer der schlimmsten Momente, die ich neben vielen anderen schrecklichen Dingen während des Zweiten Weltkriegs erleben musste.

Unser Präsident muss klarmachen, dass es in Amerika keinen Platz für Hassgruppen gibt

"Unser Präsident, unsere Abgeordneten, unser Militär und die Vorsitzenden der Exekutive müssen ihnen in deutlichen Worten klarmachen, dass es in Amerika keinen Platz für Hassgruppen gibt."

Die Neonazis und der Ku-Klux- Klan scheinen überzeugt davon zu sein, dass Präsident Trump auf ihrer Seite ist. Und bisher hat er nur wenig gesagt, um sie von dieser Überzeugung abzubringen.

Mehr zum Thema: Trump und der Klan: Drei der wichtigsten Magazine der Welt behandeln den rechten Hass in den USA

Trumps erste Frau Ivana hat erzählt, dass ihr Mann stets ein Buch mit Hitler-Reden auf seinem Nachttisch liegen hatte. Und deshalb frage ich mich, wo seine Sympathien wirklich liegen.

Solche Bewegungen stehen ganz offen zu ihrem Ziel, die Regierung zu stürzen. Unser Präsident, unsere Abgeordneten, unser Militär und die Vorsitzenden der Exekutive müssen ihnen in deutlichen Worten klarmachen, dass es in Amerika keinen Platz für Hassgruppen gibt.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');