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Kurz angebunden: So revolutionieren Smartphone und Internet unsere Kommunikation

03/07/2015 16:50 CEST | Aktualisiert 03/07/2016 11:12 CEST
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Es ist schon erstaunlich, wie sich unsere Schreib- und Kommunikationskultur verändert hat. Früher wurden ausschließlich Briefe geschrieben, vielmehr Telefonate geführt und miteinander sprechen, war mit Treffen verbunden. Heute haben das Internet und die Smartphones das Ganze revolutioniert.

Es werden Emails, SMS und Whats App Nachrichten geschrieben, die in wenigen Sekunden die Empfänger erreichen. Wir leben schließlich in einer sich schnell verändernden Welt, in der Informationen sofort bearbeitet werden.

Und das ist eine wichtige Entwicklung. Auffällig ist dabei, wie sehr sich die Art und Weise der Kommunikation gewandelt hat. Nehmen wir nur mal das Beispiel von persönlichen Nachrichten. Damals legte man alles Herzblut in den Brief, wie in einem Liebesbrief. Seitenlang wurden die Gefühle und Gedanken in Worte gefasst, es wurden Formulierungen gesucht, die das wiedergeben sollten, was der andere für einen bedeutet.

Nach dem Abschicken, hoffte man, der Brief möge schnell denjenigen oder diejenige erreichen. Und vor allem dass er oder sie das Ausmaß der Gefühle verstand und es auch so empfand.

Gedanken werden heute anders geteilt

Heute läuft das anders. Geschrieben werden Emails oder Nachrichten, was den Vorteil des schnellen Erreichens hat. Um den Gedanken besonderen Ausdruck zu verleihen, werden Smileys hinzugefügt, die entweder einen Kuss oder leichtes Erröten darstellen.

Praktisch ist das durchaus und die Entwicklung der verschiedenen Stimmungen schreitet immer weiter voran. Ich will mich nicht als veraltete Romantikerin outen, denn das bin ich wirklich nicht. Aber wo bleiben die mühevolle Findung der richtigen Worte, das lange Nachdenken und vor allem der Krampf in der Hand, wenn man viel geschrieben oder getippt hat?

Diese Anstrengung gilt aber nicht nur in der Liebe, auch bei Freundschaften oder persönlichen Angelegenheiten, in denen die richtige Wortwahl über das Verhältnis der Personen bestimmt.

An dieser Stelle frage ich mich, sind wir zu faul und zu bequem geworden, um die Macht der Wörter einzusetzen? Fügen wir lieber Smileys und Abkürzungen ein, anstatt eine Gefühlslage genauer zu beschreiben.

Sicher geht es schneller und bei vielen Nachrichten muss es einfach fix gehen, das will ich gar nicht bestreiten, aber bei den wichtigen Dingen des Lebens muss man sich doch die Zeit nehmen, oder? Und das tun auch viele, wie ich in meiner Umgebung schon festgestellt habe. Das Problem liegt dann aber nicht am Versender, sondern am Empfänger.

Kurze Antwort auf lange Nachricht: Frustrierend!

Nehmen wir mal an, eine lange, sich erklärende und ausführliche Nachricht wird verschickt und als Antwort bekommt man zwei Sätze zurück oder nur ein Ok. Wie frustrierend ist das denn? Heißt das dann, die Message wurde registriert, der Empfänger freut oder ärgert sich darüber? Was bedeutet das anschließende Schweigen oder die kurze und knappe Antwort? Man weiß es nicht und ein Gespräch unter vier Augen löst das Rätsel.

Doch die schriftliche Kommunikation bleibt auf der Strecke. Sicher sind der Schriftverkehr und das Reden gleichwertig wichtig für uns, aber warum wird der eine Teil manchmal so vernachlässigt, obwohl zwischen den Zeilen oft mehr steckt, als manch einer überhaupt ausdrücken kann.

Wenn sich zwei gefunden haben, die sich mit wenigen Worten verständigen können, ist das toll. Dazu bedurfte es aber sicherlich einer ausführlicheren Auseinandersetzung, die sowohl auf schriftlicher und direkter Ebene stattfand. Und bei vielen, da bin ich mir sicher, war viel Mühe mit den entsprechenden Worten dabei.

Ich will nicht die heutige Entwicklung unserer Kommunikation verteufeln, das liegt mir sehr fern. Doch es gibt leider so ein paar Defizite, die sich mit der Zeit eingeschlichen haben. Wie das Verständnis für knappe Nachrichten oder das fehlende Bemühen für das Ausdrücken der simpelsten Empfindungen.

Schreiben kann befreien

Wir sind doch denkende Menschen, die ihre Gedanken ordnen und mitteilen können. Warum muss das dann in Kurzform erfolgen, sobald Buchstaben im Spiel sind? Schließlich kann es doch entspannend und befreiend sein, etwas nieder zu schreiben, weil man sich in Ruhe alles überlegen und vielleicht das ausdrücken kann, was man sich sonst nicht laut sagen kann. Und Smileys können durchaus den Text ergänzen und bestimmte Dinge unterstreichen.

So gesehen kann das Schreiben, egal wie, eine Vorstufe zur tieferen Kommunikation sein. Es kommen neue Gedanken auf, etwas wird konkretisiert oder man hat einfach eine Grundlage für ein besseres Miteinander. Eines ist jedoch bis heute gleich geblieben: Das Warten auf die Antwort.

Früher hat man den Postboten aufgelauert und heute starrt man den Bildschirm oder das Handy an. Wenn dann auch noch die Häkchen blau aufleuchten, dann ist die Spannung groß. Also keine Scheu vor dem Schreiben, denn man könnte was zurück bekommen und das zu lesen, ist mehr wert als ein LOL oder ROFL.


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