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Trampen für den guten Zweck

Veröffentlicht: Aktualisiert:
THUMB STREET
Hitoshi Nishimura via Getty Images
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Daumen raus für Flüchtlinge
Ein Mensch am Straßenrand, herausgestreckter Daumen, ein Pappschild mit einem Stadtnamen in der Hand - das typische Bild eines Trampers. Wäre da nicht das orangefarbene T-Shirt mit einem bestimmten Logo: ein Männchen, geschützt von zwei Händen, darum ein Kranz - das Zeichen der UNO-Flüchtlingshilfe.

Weit, weit weg

Trampen für Menschen in Not. Anhalten für den guten Zweck. Dieses Ziel verfolgt etwa der Spendenmarathon BreakOut, der 2014 zum ersten Mal in Deutschland startete.

Bei BreakOut geht es darum, ohne Geld innerhalb von 36 Stunden so weit wie möglich auszureißen. Weg, weit weg, egal wie. Gestartet wird in München oder Berlin. Vorher suchen sich die Zweierteams Sponsoren, die je nach zurückgelegter Strecke Geld an die UNO-Flüchtlingshilfe spenden.

Von Studenten organisiert

Im letzten Jahr „erreisten" die 158 Ausbrecher eine Spendensumme von 68.987 Euro für das DAFI-Programm, das Stipendien an begabte Flüchtlinge vergibt. Diese Spendensumme geht zu 100 Prozent an das unterstützte Programm, da BreakOut ehrenamtlich von Studenten organisiert und durch das Förderprogramm Think Big unterstützt wird.

Ebenfalls für den guten Zweck reisen die Teilnehmer des Tramprennens. Sie trampen innerhalb von 2 Wochen zu einem bestimmten Zielort und haben Unterstützer, die Geld für Viva con Agua und Pro Asyl spenden. Die 160 Teilnehmer im letzten Jahr konnten am Ende eine Spendensumme von 13.000 Euro überreichen.

Trampen: umweltschonend und kommunikativ
Generell ist Trampen wieder im Kommen. Es schont den Geldbeutel, die Umwelt, man lernt neue Leute kennen, schließt Freundschaften.

Dennoch gibt es Sicherheitsbedenken. Wir haben die beiden Tramper John und Julia rund ums Trampen befragt. John ist bereits seit seiner Jugend bei den Pfadfindern durch Teile Mittel- und Lateinamerikas sowie einige europäische Länder wie Großbritannien, Polen und Bulgarien getrampt. Julia ist neu dabei.

Zwei Tramper geben Antworten

„Was magst Du am Trampen besonders?"

John: „Es ist eine viel persönlichere Art zu reisen in unserer heutigen, anonymeren Welt. Gerade wenn man etwas Zeit hat, kann man einfach lostrampen, sich treiben lassen und man kommt garantiert zu einem coolen, aufregenden Ort. Es gibt einfach ein gewisses Gefühl von Freiheit. In fremden Ländern trampe ich besonders gerne, weil man sofort in Kontakt mit den Einheimischen kommt. Es passiert häufig, dass man gleich zu den Fahrern zum Essen nach Hause eingeladen wird oder sogar, um dort zu übernachten."

„Was sind Deine Tipps fürs Trampen?"

John: „Es gibt 2 Strategien fürs erfolgreiche Trampen. Strategie Nummer eins ist das klassische Daumen nach oben halten. Als wichtigste Regel dabei gilt: niemals auf Autobahnen stehen. Das ist in vielen Ländern sowieso verboten. Wenn möglich, sollte man sich einen gut sichtbaren Ort suchen, an dem die Autos sicher anhalten können, beispielsweise einen Seitenstreifen oder Tankstellenausfahrten. Außerdem halten Autos viel eher an, wenn „Frankreich" oder „Norden" statt des Zielorts auf den Tramschildern stehen! Als kleiner Tipp: die Internetseite Hitchwiki gibt eine Übersicht über die besten Trampstellen.

Die zweite Strategie ist das gezielte Ansprechen von Autofahrern. Das klappt, wenn man von einer Autobahnraststätte zur nächsten trampt. Und dann gilt einfach: immer freundlich sein, lächeln, gepflegt aussehen und jeden ansprechen, der ein Auto hat. Denn oft wird man von Fahrern mitgenommen, von denen man es auf den ersten Blick nicht gedacht hätte. Generell sollte man beim Trampen eine Straßenkarte dabeihaben, denn dann kann man sich von demjenigen, den man anspricht, auf der Karte zeigen lassen, wo er hinfährt.

„Was sollte man zu seiner eigenen Sicherheit beim Trampen beachten?"

John: „Es gibt einiges, was man für seine eigene Sicherheit beim Trampen tun kann. Zunächst einmal sollte man sich das Kennzeichen merken und es an jemanden schicken. Nicht nur deswegen ist ein aufgeladenes Handy Pflicht. Sich den Fahrer und das Auto genau anzusehen, bevor man einsteigt, ist ebenfalls gut. Lieber lehnt man ein Angebot ab, wenn einem jemand nicht ganz geheuer ist. Ich kann allen, die Trampen einmal ausprobieren möchten, nur mit auf den Weg geben: Habt keine Angst, seid selbstbewusst und offen. Dann werdet Ihr tolle Erlebnisse auf Euren Trampreisen haben."

„Hattest Du schon mal ein kritisches Erlebnis beim Trampen?"

John: „Einmal wurde ich direkt auf dem Seitenstreifen einer Autobahn herausgelassen. Da auf der Autobahn das Trampen nicht funktioniert und auch nicht erlaubt ist, bin ich zur nächsten Autobahnauffahrt gelaufen. Das war aber auch schon das Schlimmste."

Und da sich das doch schon ganz ermutigend anhört, wollte ich es noch genauer wissen. Ist die Teilnahme bei einem Spenden-Reisewettbewerb, sei es nun BreakOut oder das Tramprennen der optimale Einstieg in die Welt des Trampens?

Julia, die ihre ersten Tramp-Erfahrungen bei BreakOut sammelte, ist im letzten Jahr im Rahmen des Spendenmarathons mit ihrem Freund gemeinsam bis nach Nizza gereist:

„Was für Befürchtungen hattest Du bevor Du das erste Mal getrampt bist?"

Julia: „Als Tramper-Küken war ich etwas beunruhigt, ob mich meine Naivität vielleicht nicht doch in Gefahr bringen könnte. Man bekommt via Medien unzählige gruselige Geschichten vermittelt und hat manchmal das Gefühl die Welt sei unfassbar gefährlich, dass man entführt wird oder Ähnliches. Natürlich wurde ich nicht entführt. Das wohl Gruseligste auf meiner Reise war ein kleiner Chihuahua, der so große Augen hatte wie der Wolf von Rotkäppchen."

„Was war Dein schönstes Tramp-Erlebnis während der 36 Stunden?"

Julia: „Dazu zählt ganz klar die Herzlichkeit, die einem unbekannte Menschen entgegenbringen. Wenn man nach 12 Stunden Trampen bei Hitze an einer italienischen Autobahn feststeckt, dann eine Frau anhält und anbietet hinzufahren wo auch immer man hinmöchte - diese Person gleicht einem Engel und dies war definitiv der schönste Moment meiner 36-Stunden-Reise."

„Eignet sich BreakOut, um die ersten Tramperfahrungen zu sammeln?"

Julia: „Mit null Tramperfahrungen im Gepäck hatte ich noch keine Tricks. Eine große Erleichterung bei der Überzeugungsarbeit der Fahrer bot mir das BreakOut-T-Shirt und das Schreiben der UNO-Flüchtlingshilfe, das man beim Start von BreakOut erhält. Die Menschen schenken einem schneller Vertrauen, weil man für einen guten Zweck reist. Trampen an sich fordert schon Eigeninitiative. Da ist man als Tramper um jede Hilfe glücklich und BreakOut bietet eben diesen Rahmen, der das erste Tramperlebnis vereinfacht."

Wer Lust hat, sich selbst ein Bild vom Reisen für den guten Zweck zu machen, kann sich noch bis zum 15. Mai 2016 für den am 3. Juni startenden Spendenmarathon BreakOut zugunsten der UNO-Flüchtlingshilfe anmelden. Wem 36 Stunden Reisen noch nicht genug sind, kann am zweiwöchigen Tramprennen teilnehmen, das vom 19. August bis 3. September stattfindet. In beiden Fällen gilt: Das Abenteuer für den guten Zweck ist nur einen Daumen raus entfernt.