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Kinder und Medienkonsum: Fluch oder Segen?

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CHILDREN TV
Greg Sweney via Getty Images
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Vergangene Woche waren die Motte und ich bei einer Kindergartenfreundin zum Spielen eingeladen. An diesem Nachmittag entwickelte sich zwischen mir und der anderen Mami ein Gespräch über den Fernsehkonsum ihres und meines Kindes. Genau dieses Gespräch hat mich dazu bewogen genau jetzt endlich einmal meine Gedanken zum Thema "Medienkonsum von Kindern" auf's Papier in den Blog zu bringen.

Die liebe Anna vom Blog Berlin-Mitte-Mom hat - in Zusammenarbeit mit Scoyo - bereits Anfang Oktober zu einer Blogparade zu diesem spannenden Thema aufgerufen, und ich bin mal so frei und nehme mit meinem Beitrag hier daran teil.

Anna vergleicht in ihrem Artikel den Medienkonsum von Kindern mit dem Konsum von Schokolade, was ich einen interessanten Ansatz und treffenden Vergleich finde. Natürlich lässt sich der Konsum von Süßigkeiten nicht eins zu eins auf den Medienkonsum übertragen - wie sie übrigens selbst anmerkt - aber dennoch treibt uns Eltern doch bei beiden Themen ein- und dieselbe Frage um: Darf mein Kind oder darf es nicht? Und wenn ja: Wie viel?

Fernsehen: Fluch oder Segen?

Bevor wir Eltern wurden, haben wir über Fernseh- und Internetkonsum nicht großartig nachgedacht. Wir vergammelten schon mal einen ganzen Nachmittag vor der Glotze auf dem Sofa. Und ich habe das - zugegeben - auch sehr genossen.

Doch nun sind wir angehalten unserem Kind ein Vorbild zu sein. Ihr vorzuleben, wie der Spagat zwischen Fernseh- und Internetkonsum, und trotzdem auch ausreichend anderen Beschäftigungen, gelingt.

Experten sind sich einig: Fernsehen sollten Kinder überhaupt erst ab 3 Jahren. Vorher gar nicht. Aber ist das praktikabel? Beim ersten Kind mag das gehen, kommt aber ein zweites dazu und darf dann eben - weil es älter ist - ab und zu Fernsehen gucken, schaut das Kleinere ja automatisch mit. Und ich will ganz ehrlich sein: Unsere Maus darf auch bereits jetzt - sie wird im Januar 3 - ab und zu fernsehen.

Aber zurück zu dem Gespräch mit besagter Mami. Die erzählte mir nämlich, dass ihre Tochter (die im Dezember 3 wird) schon relativ häufig fernsehen darf. Am Wochenende, wenn Mama noch ein bisschen schlafen möchte und auch abends regelmäßig eine halbe Stunde.

Ohne werten zu wollen (denn letztendlich muss jedes Elternpaar selbst entscheiden, was sie ihrem Kind in dieser Hinsicht erlauben), für uns käme das in diesem Alter noch nicht in Frage. Im Gegenzug dazu, schaut die Motte ziemlich wenig fern.

Ein alternatives Abendprogramm

Wir haben ein wunderbares Abendritual. Nach dem Abendbrot, Zähne putzen und Schlafanzug anziehen, darf sie jeden Abend - auf's Sofa in unseren Arm gekuschelt - eine kleine Episode der Raupe-Nimmersatt DVD anschauen.

Dabei ist mir wichtig, dass sie nicht einfach konsumiert, sondern auch versteht was sie sieht. Ich möchte dabei sein, über das Gesehene reden und ihre Fragen beantworten die sie hat. Eine Geschichte dauert zwischen 5 und 10 Minuten, anschließend lesen wir noch ein Buch. Mehr Fernsehen ist nicht drin pro Tag.

Natürlich gibt es Ausnahmen: An einem verregneten Sonntag, wenn alle Spiel- und Bastelideen ausgegangen sind, wenn sie krank ist oder auch auf einer langen Autofahrt, oder wenn wir im Stau stehen.

Dann gibt es ab und zu ein kleines Maus-Video auf dem Smartphone oder Tablet. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass es in unserer Verantwortung als Eltern liegt, unserer Maus beizubringen, dass dies eben Ausnahmen sind, die ok und schön sind, aber die die vielen spannenden Dinge, die es da draußen in der realen Welt zu entdecken und zu erleben gibt, nicht ersetzen.

Noch muss ich mir da auch keine Sorgen machen, da meine Tochter von sich aus einen Nachmittag im Garten, oder generell draußen, jeglichem Fernsehkonsum vorzieht.

Und wie gehe ich damit um, wenn digitale Medien zunehmend interessanter werden?

Aber ich mache mir keine Illusionen: mit zunehmendem Alter wird ihr Interesse an digitalen Medien wachsen. Und da ich persönlich nicht ohne digitale Medien leben möchte, und diese auch eine große Rolle in meinem Leben spielen, möchte ich auch meinem Kind die Nutzung nicht verbieten. Aber ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir unsere Kinder zu Beginn auf dem Weg in die digitale Welt begleiten sollten.

"Wir müssen unsere Kinder sensibilisieren"

Denn bei allen Vorteilen die uns die digitale Welt heute bietet, lauern natürlich auch Gefahren im Netz. Und dafür müssen wir unsere Kinder sensibilisieren. Ich kenne viele Eltern, die ihren Kindern z.B. verbieten in sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Das halte ich persönlich für den falschen Weg. Ich denke, dass "Verbotenes" den Reiz nur erhöht.

Ich bin als Mama dafür verantwortlich meine Maus darüber aufzuklären, dass der Austausch im Netz zwar Spaß macht, aber auch Risiken birgt. Ich möchte sie zu einem selbstständigen, verantwortungsbewussten Mädchen erziehen, dass sich auch in der digitalen Welt eigenständig bewegen darf - aber in uns als Eltern immer einen sicheren und beständigen Hafen hat und immer zu uns kommen kann, wenn sie über etwas Seltsames im Netz stolpert, oder sich unwohl fühlt.

Was sollen digitale Medien und das Fernsehen leisten? Und was können sie nicht ersetzen?

Das Internet, unser Smartphone und soziale Netzwerke nutzen wir täglich zum Sammeln von Informationen und den Austausch untereinander. Eine email ist schnell verschickt und dauert nicht so lange wie ein Brief.

Kontakt zu Freunden in anderen Teilen des Landes oder sogar im Ausland hält man ganz einfach über Facebook & Co. und die Oma, die leider viel zu weit weg wohnt um sich regelmäßig zu sehen, freut sich, dass sie die Enkelkinder via Skype trotzdem möglichst oft zu Gesicht bekommt.

Ich suche eine schnelle Info, ein neues Rezept oder eine Adresse? Das Netz weiß Rat! Die digitale Welt bringt viele Vorteile, und die sollten unsere Kinder - in unserer immer globaler werdenden Welt - auch nutzen dürfen.

Viele hochklassige Filme

Und ich als absoluter Filmjunkie breche eine Lanze für das Kino und die Filmindustrie. Denn ich bin absolut sicher, dass Filme unseren Horizont auch erweitern können. Natürlich erfüllt nicht jeder Film höchste intellektuelle Ansprüche.

Aber dennoch gibt es eine Vielzahl an hochklassigen Filmen, die wichtige und interessante Themen anpacken. Sehr oft regt mich ein Film an, mich mit einem Thema auseinander zu setzen, über das ich vorher noch nie oder nie so intensiv nachgedacht habe. Und auch gute Kinderserien vermögen das zu leisten. Man erinnere sich nur an "Die Sendung mit der Maus" und "Löwenzahn", die schon uns als Kinder Spaß gemacht und gleichzeitig Wissen vermittelt haben.

Und auch "einfach mal nur Spaß" haben ist in meinen Augen ok. Nach einem anstrengenden Tag oder viel Stress in Schule, Kindergarten und Arbeit kann es unheimlich entspannend sein, sich von einem lustigen Film oder einer spannenden Serie unterhalten zu lassen. Ohne Nachzudenken, ohne Anspruch!

Am Ende des Tages muss jedes Elternpaar seinen eigenen Weg finden, mit diesem Thema umzugehen. Mir ist es wichtig, meine Tochter dahingehend zu erziehen, dass sie irgendwann selbstständig erkennt und entscheiden kann, wie viel Medienkonsum gut und richtig für sie ist.

Und dennoch: Es gibt etwas, das können digitale Medien und das Fernsehen - neben tollen Gesprächen und viel gemeinsam gefüllter Familienzeit - nicht ersetzen: das Buch! Das ist und bleibt nämlich mein Lieblingsmedium.

Schon als Kind war ich eine echte Leseratte und fand es wunderbar, in eine Geschichte einzutauchen und mir alles in meiner Fantasie auszumalen. Genau diese Begeisterung für Bücher möchte ich an meine Tochter weitergeben. Deshalb werden Bücher immer eine deutlich zentralere Rolle in unserem Familienleben einnehmen als es Fernsehen oder Internet je könnten.

Und nun möchte ich Eure Meinung hören: Fernsehen ja oder nein? Internet ja oder nein? Was ist Euch beim Medienkonsum Eurer Kinder wichtig?

Der Blog erschien ursprünglich auf Familie Motte.

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Digitale Kindheit: In welchem Alter sollten Kinder Smartphones haben? Wie wichtig ist es, früh zu lernen, wie Computer funktionieren? Und: Sind Computerspiele nun schädlich - oder gar nützlich? Diese Fragen machen viele Eltern hilflos.

Das will die HuffPost ändern. Wir haben Experten aus allen relevanten Bereichen gesprochen. In Interviews, Analysen und Blogs werden wir das Thema in der aktuellen Themenwoche behandeln.

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