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Was Liebe mit den Gurken im Supermarkt gemeinsam hat

11/02/2016 09:37 CET | Aktualisiert 11/02/2017 11:12 CET
Frank Rothe via Getty Images

Am 14. Februar ist Valentinstag. Die Huffington Post widmet sich eine Woche lang dem Thema „Modern Love".

Was bedeutet Liebe in einer vernetzten Welt: man ist nur so verliebt wie das Facebook-Profil es zeigt? Der nächste Partner ist nur einen Wisch weg? Wir daten über Kontinente hinweg?

Was bedeutet Liebe für euch? Sendet eure Texte an blog@huffingtonpost.de.

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Die Liebe in der vernetzten Welt. Manchmal jagt sie mir Angst ein. Sie hat sich verändert, sie hat uns verändert. Ansprüche wachsen. Umso mehr wir kennenlernen, umso mehr Auswahl wir haben, umso mehr sortieren wir aus.

Das musste schon die nicht ganz perfekte Gurke im Supermarkt schmerzlich erfahren. Aber ist es wirklich dieses mediale Zeitalter, das die Ansprüche wachsen lässt oder einfach unser Alter - gepaart mit Erfahrungen und grenzenlosen Möglichkeiten, die uns nie satt werden lassen?

Was mit Anfang 20 so leicht, unbeschwert und irgendwie zufällig war, beginnt am Ende dieses Jahrzehnts einer Klarheit zu weichen, die augenblicklich steigt und steigt.

Wie ein verzerrtes Bild, das langsam, aber sicher immer mehr Gestalt annimmt und den Traumpartner eingebettet in einer Klarheit, erkennen lässt. Unsere Erfahrungen, Enttäuschungen und ständigen Vergleiche haben ihn zu dem gemacht, was er ist - zu perfekt, um wahr zu sein.

Und so krebsen wir liebeshungrig von einer DatingApp zur nächsten und sortieren aus. Denn warum soll ich die Gurke mit dem kleinen Makel an der Seite nehmen, wenn ich die perfekte haben kann.

Das Internet hat unseren Anstand weggeblasen

Die Auswahl, sie ist einfach zu gigantisch geworden. Wir vergessen immer mehr, dass hinter jedem "swipe" sich etwas menschlich Echtes befindet, ein Leben, so wie unseres selbst und nicht nur eine künstlich geschaffene Hülle ohne Inhalt.

Erreicht die Message nicht direkt unseren digitalen Hirnstrang, der seit ein paar Jahren direkt in das Limbische System - der Funktionseinheit im Hirn für Emotionen und Triebverhalten - zu führen scheint, antworten wir einfach nicht mehr. Einfach so.

Wie weggeblasen der Anstand, den uns Mutter jahrelang predigte. Die Anonymität macht es möglich. Es ist normal geworden auszutauschen.

Denn das unbekannte Neue, wartet ja nur einen Klick weiter. Und so verbringen wir Stunden mit dem geliebten Smartphone in der Hand, schreiben bis die Daumen starr sind. Die Missverständnisse gibt es gratis dazu.

Alles eine Frage der Interpretation. So viel Zeitvergeudung wird belohnt. Denn wo echte Emotionen, Mimik, Gestik und Tonfall einen Menschen greifbar machen, fehlt beim Schreiben genau das. Das Fundament für Unsicherheit ist gegossen, denn wo kein Smiley mehr getippt wird, ist bestimmt etwas im Argen. Bestimmt...

Und doch sehnen wir uns alle nach dem Gleichen. Ein Mensch, mit dem wir alt werden können. So wie früher, so wie es unsere Großeltern taten. Wo auch die Gurke mit Makel noch ihr Zuhause fand und ihr Zukunftsglück mit dem Salatkopf in der Schüssel teilte.

Ruf an anstatt zu schreiben. Oder noch besser: Trefft euch!

Denn unter den welken Salatblättern schmeckte er fast noch besser als die makellos scheinende Tinder-Schönheit, die sich das 3. Mal durch den Filter gedreht hatte...

Gehe raus, blicke den Menschen in die Augen und lächle sie an. Sei wach, neugierig und höre zu. Lese zwischen den Zeilen und lasse jede Schublade auf. Sei echt. Lege dein Handy abends mal weit beiseite und tue dir etwas Gutes. Ruf an anstatt zu schreiben. Oder noch besser: Trefft euch!

Anstatt von deinem leckeren Mittagslunch ein Foto auf Instagram zu posten, genieße es einfach und sei dankbar. Und bevor du überlegst wieviel Likes dieser Sonnenaufgang wohl bringen könnte, nimm diesen Moment mit jeder Faser deines Körpers auf, denn nur das Like vom Dopamin zählt jetzt.

Ich möchte dich ermutigen.Irgendwann findest du sie. Findest du ihn. Habe Vertrauen. Irgendwann steht er vor dir - dieser eine Mensch, mit seinen Ecken und Kanten, ein bisschen entrückt und vielleicht eine Prise seltsam und gerade deshalb perfekt für dich.

In dem Moment wird es dir alles so klar sein. Liebe. Pur. Und ohne Filter. Deshalb nicht ganz so leuchtend rot, aber dafür echt. Und jeder Tiefschlag, jede Enttäuschung und jede Angst war es wert, um genau DAS irgendwann erleben zu dürfen.

Denn in solchen Momenten bekommt das Glück ein Gesicht, das so erhellend ist, dass die Schönheit kaum zu ertragen sein wird.

Hört niemals auf daran zu glauben.

Niemals.

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