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Die Generation Y und die Veränderung der Arbeitswelt

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GENERATION Y
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Mit der Generation Y ist diejenige gemeint, die nach 1980 geboren wurde. Häufig wird diese Generation auch als Millennials bezeichnet. Diese Generation prägt die Frage nach dem "warum". Die nach 1980 Geborenen stehen nun voll im Arbeitsleben und wissen, dass sie bis fast 70 arbeiten müssen. Für sie geht es vielmehr um die Tätigkeit, die sie verrichten, als um das Gehalt, welches sie verdienen. Die Generation Y will das private Leben mit dem Arbeitsalltag in Einklang bringen, sich selbst verwirklichen und nicht bis zum Ende des Arbeitslebens auf große Reisen verzichten, sondern im Hier und Jetzt leben. Diese Lebenseinstellung hat Konsequenzen für die Arbeitswelt. Immer häufiger sucht diese Generation nach Unternehmen, die Remote-Arbeit bietet. Mit Remote-Arbeit ist gemeint, dass jemand in einem festen Anstellungsverhältnis steht, aber dauerhaft zu Hause für ein Unternehmen arbeitet.

Remote-Arbeit als Teil der neuen Arbeitswelt

Aus den Geburtsjahrgängen der Generation Y besteht auch eine junge Agentur aus Hannover namens undpaul. Remote-Arbeit ist bei undpaul ganz normal und Teil der Unternehmensphilosophie. Die 14 Festangestellten leben und arbeiten über ganz Deutschland verteilt. Sie genießen volle Freiheit in ihrer Arbeitseinteilung und arbeiten größtenteils von zu Hause aus. Im Hauptbüro in Hannover arbeiten daher nur sechs Kollegen. Alle sind im Live-Chat während der Arbeitszeit miteinander verbunden. Die Arbeitszeit-Erfassung erfolgt über ein Online-Tracking-System und die Kommunikation im verschlüsselten Chat. Besprechungen werden in Online-Videokonferenzen bei Bedarf geführt und wichtige Dateien in einem verschlüsselten Cloudsystem abgelegt. Viele aus dem Team von undpaul waren vorher selbstständig und freies Arbeiten gewohnt. Andere wiederum waren unglücklich in ihren vorherigen Anstellungs-
verhältnissen.

Für alle in der Agentur steht der Spaß an der Arbeit im Vordergrund und die Arbeitszeit wird als Lebenszeit wahrgenommen. Das soziale Leben innerhalb der Agentur findet auf Camps der Open-Source-Webtechnologie Drupal, in sogenannten Retreats oder auf Feierabend-Treffen statt. Es wird ein freundschaftlicher Umgang gepflegt.

Bessere Vereinbarkeit des Privat- und Arbeitslebens

Remote-Arbeit ermöglicht es aber nicht nur, zu Hause für ein Unternehmen zu arbeiten. Es ist beispielsweise auch denkbar, von irgendeinem Ort auf der Welt für jemanden zu arbeiten. Als Luca Stockmann, Drupal-Entwickler bei undpaul, beispielsweise den Wunsch äußerte, ein halbes Jahr in Südafrika zu leben und weiter für undpaul zu arbeiten, war das kein Problem. undpaul ließ Luca die Freiheit und er arbeitete in einem Co-Working-Space in Kapstadt weiter für die Agentur. Heute sagt Luca: "In meiner Zeit in Südafrika konnte ich Erfahrungen machen, die mir in meiner Schulzeit verwehrt blieben. Ich konnte wertvolle Fremdsprachenkenntnisse erlangen und meinen kulturellen Horizont erweitern. Das Remote-Arbeiten hat dabei in der Zeit eine besondere Stellung eingenommen, weil es sowohl Routine als auch Ruhe in meinen Alltag in einem fremden Land gebracht hat."

Für den Job umzuziehen ist im Falle von Remote-Arbeit ebenfalls nicht notwendig. In konventionellen Unternehmen/Agenturen muss jemand für den Job umziehen, um dort zu arbeiten, zur Arbeitsstelle pendeln oder einen Job in der Nähe des Wohnorts finden. Lucio Waßill, Senior-Drupal-Entwickler bei undpaul, arbeitet in Halle für die Agentur und beschreibt Remote-Arbeit so: " "remote" zu arbeiten bedeutet für mich im Wesentlichen, in meinem gewohnten Umfeld an spannenden Projekten für undpaul zu arbeiten. Pendeln oder gar Umziehen für einen Job kam für mich nie wirklich in Frage, denn nur wenn ich mich wohlfühle, kann ich auch in stressigen Projektphasen die bestmögliche Qualität abliefern. Die eingesparte Zeit verbringe ich dann mit Freunden oder eigenen Projekten, die mir Spaß machen und mich motivieren. In meiner Ortsunabhängigkeit bin ich frei, zu entscheiden, ob ich im "Homeoffice" oder in einem Office mit anderen Remote-Workern bzw. Freelancern in einer Co-Working-Umgebung arbeite."

In manchen Situationen ist Remote-Arbeit ebenfalls von Vorteil, wenn jemand, der eigentlich im Präsenzbüro arbeitet, ebenfalls die Möglichkeit hat remote zu arbeiten. Anna Nest, Communications Managerin bei undpaul, die normalerweise im Hauptbüro mit anderen Kollegen arbeitet, erledigt ihre Arbeit häufig ebenfalls remote. Falls ihre Kinderbetreuung ausfällt, kann sie flexibel reagieren: "Dadurch, dass die Kinderbetreuung in Deutschland häufig nicht ganztägig/ganzjährig erfolgt und mein Mann nicht flexibel arbeiten kann, nutze ich die Möglichkeit, zu meiner Familie aufs Land zu fahren, um von dort aus zu arbeiten. Meine Mutter betreut dann mein Kind und ich kann in dieser Zeit ungestört arbeiten, ohne dass ich einen Arbeitgeber in der Nähe meiner Familie habe. Obwohl mein Kind noch unter drei Jahre alt ist, kann ich so 80 Prozent arbeiten. Das ist einfach fabelhaft und bedeutet für mich ein großes Maß an Freiheit/Unabhängigkeit."

Vorteile der Remote-Arbeit

Die Vorteile von Remote-Arbeit liegen demnach auf der Hand: Angestellte können ihr Privat- und Arbeitsleben besser in Einklang bringen. Dadurch sind die Arbeitnehmer häufig wesentlich motivierter und produktiver, als wenn sie persönlich in einem Büro anwesend sind.

Zudem wird weniger Zeit für Fahrwege verbraucht und die Remote-Worker haben die Möglichkeit, in kleinen Pausen etwas für ihre Gesundheit zu tun. Sie können joggen gehen, schlafen, ihren Hobbys nachgehen oder frisch kochen. Natürlich können sie sich auch flexibel um ihre Familie kümmern.

Schließlich gibt es im Homeoffice weniger Störquellen, da Kollegen nicht von der Arbeit ablenken können. Die Meetings werden ebenfalls effektiver gestaltet, da in Video-Telefonaten meist gezielter kommuniziert wird.

Nachteile der Remote-Arbeit

Nachteile könnten darin liegen, dass Angestellte scheinbar schlechter kontrolliert werden können oder das Teambuilding unter dieser Arbeitsweise leidet. Oft herrscht das Vorurteil, jemand würde nur arbeiten, wenn dieser im Büro sitzt. Dabei ist natürlich auch mehr Ablenkung in Präsenzbüros durch Kollegen vorhanden. Ein weiterer Nachteil könnte sein, dass sich die Beziehung der einzelnen Kollegen untereinander nicht weiter intensivieren kann, da sich die Kommunikation lediglich auf die Arbeit beschränkt und weniger soziale Interaktion stattfindet.

Zu den Nachteilen gehört sicherlich ebenfalls die soziale Isolation des einzelnen Remote-Workers. Durch die mangelnde physische Anwesenheit können bestimmte relevante und irrelevante Informationen (wie Tratsch im Büro) an Remote-Workern vorbeigehen. Zudem ist es schwieriger, Abstand zu der Arbeit zu gewinnen, weshalb Remote-Worker eventuell mehr arbeiten als Präsenz-Worker.

Resumé

Schlussendlich ist es eine Typsache, ob Remote-Arbeit oder Präsenzarbeit besser zu jemandem passen. Die Generation Y bringt diese neuen Arbeitsweisen in die aktuelle Arbeitswelt ein. Begrüßenswert wäre für die jetzige Generation, wenn sie zwischen Präsenz- und Remote-Arbeit frei wählen könnte. Diejenigen, welche den persönlichen Kontakt zu Kollegen schätzen, werden sich allein in ihrer Wohnung nie wohlfühlen und auch ihre Arbeit nicht gut erledigen. Das Argument, dass die Arbeitsdisziplin vor Ort besser ist als zu Hause, kann nicht überzeugen. Denn es ist sowohl vor Ort als auch zu Hause immer eine Frage der Selbstdisziplin und Eigenständigkeit wie viel Arbeit in wie viel Zeit umgesetzt werden kann. Durch die Digitalisierung ist es nun in vielen Bereichen möglich auch aus der Ferne für jemanden zu arbeiten. Dieser Tatsache sollte auch in der Arbeitswelt Rechnung getragen werden, um gerade diejenigen für ein Unternehmen gewinnen zu können, die selbstständiges, freies Arbeiten gewohnt sind.

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