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BVB-Anschlag: Warum das linksextreme Bekennerschreiben eine Fälschung ist

12/04/2017 12:44 CEST | Aktualisiert 12/04/2017 15:16 CEST
Reuters Staff / Reuters

Auf der linken Seite "indymedia" ist ein zweites Bekennerschreiben zu den Ereignissen in Dortmund aufgetaucht. Die Seiten-Betreiber halten es selbst für eine Fälschung, wie sie am Mittwoch gegenüber der Deutschen-Presseagentur sagten.

Um zu erkennen, dass dieses Schreiben ein Fake ist, braucht es allerdings keine Szene-Kenntnisse. Eine simple Überlegung darüber, wie antifaschistische Politik funktioniert, reicht aus.

In dem Bekennerschreiben wird als Grund für den Anschlag benannt, der BVB und seine Spieler setzten sich "nicht genügend gegen Rassist_innen, Nazi_innen und Rechtspopulist_innen" ein.

Zunächst einmal fällt in Bezug auf geschlechtergerechte Sprache etwas auf: Linke gendern meist korrekt; in linken Kontexten ist nie die Rede von "Nazi_innen", genauso wenig vom Ausdruck "Mensch_innen", der sich im falschen Bekennerschreiben ebenso findet.

Und auch die Argumentation in dem Bekennerschreiben ist fragwürdig: Personen werden in eine möglicherweise lebensbedrohliche Situation gebracht, weil sie sich in den Augen irgendwelcher Anderer zu wenig gegen Rassismus einsetzen?

Mit antifaschistische Politik hat das nichts zu tun

So funktioniert antifaschistische Politik nicht. Kein Mensch wird physisch angegriffen, weil er sich zu wenig engagiert.

Die Begründung für das Ziel des Anschlags, der BVB-Bus, ist vollkommen aus der Luft gegriffen und hat überhaupt keinen Bezug zu aktuellen linken Debatten oder Themen, mit denen sich Antifaschist_innen im Moment beschäftigen.

Mehr zum Thema: "Ein schwarzer Tag für den Fußball": So reagiert die Sportwelt auf den Anschlag in Dortmund

Im Übrigen sind falsche Bekennerschreiben, die auf dem Portal „indymedia" auftauchen, keinesfalls ein Novum. Nach den Anschlägen in Dresden wurde von Unbekannten ein falsches Bekennerschreiben im Namen des Bündnisses „Solidarity without limits" veröffentlicht.

Das Bündnis hatte antifaschistische Aktionen am 3. Oktober gegen die Einheitsfeierlichkeiten geplant und sich sofort von dem Bekennerschreiben distanziert.

Auch dieses Bekennerschreiben wies für Linke vollkommen absurde Formulierungen auf und eine lückenhafte Argumentation, die Antifaschist_innen so nie vertreten würden. Ganz klar war auch hier, dass jemand bewusst versucht, Linke für die Anschläge verantwortlich zu machen.

Dass „indymedia" oftmals der Ort für diese gefälschten Bekennerschreiben ist, erklärt sich aus der Funktionsweise des Portals selbst: Diese ist als „open posting" zu bezeichnen, was bedeutet, dass alle dort frei veröffentlichen können - ohne jegliche Authentifizierung oder Überprüfung der Identität.

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Also konnte jede beliebige Person im Fall von Dresden in das Autor_innenfeld „Solidarity without limits" eintragen, sodass das Bündnis als Verfasser des Posts erschien.

Im falschen Bekennerschreiben zu Dortmund ist als Autor "Antifa" angegeben, ein weiterer Faktor, der die Authentizität des Posts infrage stellt.

Viele Organisationen und Gruppen, die bei "indymedia" posten, tun dies in ihrem richtigen Namen, also "Gruppe xy", manchmal auch "Einige Antifaschist_innen". Dass aber jemand "Antifa" als Namen verwendet, ist unüblich, weil vollkommen klar ist, dass es "DIE Antifa" nicht gibt.

Das Bekennerschreiben ist also durchzogen von abstrusen Äußerungen und Argumentationen. Es sollte unter keinen Umständen ernstgenommen werden, da es ein weiterer Versuch ist, einen Anschlag Linken in die Schuhe zu schieben.

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