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Warum wir endlich anfangen sollten, über Angststörung zu sprechen

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10 Dinge, die du vielleicht nicht über Angststörungen wusstest. | Maartje Van Caspel via Getty Images
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Angst kann jedes Alter, jede Kultur und jedes Geschlecht betreffen, aber seine Häufigkeit hängt von der betrachteten Region und Menschengruppe ab.

Angststörungen wie Sozialphobie, Zwangsstörung, Platzangst, Panikstörung und allgemeine Angst sind die gängigsten psychischen Erkrankungen in den Vereinigten Staaten. Geschätzte 18 Prozent aller amerikanischen Erwachsenen leiden an Angststörungen und kosten den Staat mehr als 42 Milliarden US-Dollar im Jahr.

Einige Regionen der Welt, die USA eingeschlossen, aber auch Westeuropa, weisen ein hohes Aufkommen an diagnostizierten Angststörungen und psychischen Erkrankungen im Allgemeinen auf.

Darüber hinaus ist das Risiko, mit einer Angststörung diagnostiziert zu werden, bei einigen Bevölkerungsgruppen um einiges höher als bei anderen.

Innerhalb der Lesben- und Schwulen-Gruppe ist Angst ein großes Thema

Olivia Remes, führende Autorin der Auswertung und eine Forscherin auf dem Gebiet der Angst an der University of Cambridge, hat 48 der besten oder umfangreichsten Studien zum Thema Angst-Häufigkeit weltweit überprüft. Sie war in der Lage, genau zu bestimmen, welche Kulturen, Geschlechter und Altersgruppen am häufigsten betroffen sind.

Die Resultate zeigten auf, innerhalb welcher dieser Gruppen Verständnislücken auftauchten. "Viel mehr Forschung muss noch bei Menschen passieren, die sich als lesbisch, schwul oder bisexuell (LGB) identifizieren, weil Angst ein wichtiges Thema innerhalb dieser Gruppierungen ist", sagt Remes.

Warum Angststörungen von Bedeutung sind

Trotz ihrer Häufigkeit werden Angststörungen noch immer verharmlost und als bloßes Sorgenmachen dargestellt. Anstatt sie als kräftezehrenden, behindernden Zustand, der Behandlung bedarf, anzuerkennen.

Während eine kleine Menge an Angst von Vorteil sein kann, um Gefahrensituationen zu vermeiden, leiden Menschen mit nicht behandelten Angststörungen an erdrückenden, unkontrollierbaren Gefühlen von Furcht und Schrecken. Mitunter können sie das tägliche Leben beeinträchtigen und sie davon abhalten, Dinge zu tun, die sie gerne in die Tat umsetzen würden.

Angststörung kann das Risiko von Suizid erhöhen

Mehr über diese Krankheiten zu lernen, ist eine Möglichkeit, dass mit psychischen Erkrankungen verbundene Stigma zu bekämpfen und den bedürftigen Menschen Hilfe zu beschaffen.

"[Angststörungen] können das Risiko für Suizid, Behinderungen und geringer Lebensqualität erhöhen", betont Remes, „so lange wir nicht wissen, wer am meisten von Angststörungen betroffen ist, können wir nichts tun, um die menschliche und wirtschaftliche Belastung, die diese Störungen hervorrufen, zu verringern."

Im Folgenden haben wir zehn Haupterkenntnisse dieser bahnbrechenden globalen Studie zum Thema Angst aufgeführt:

1. Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen von Angststörungen betroffen sind, ist doppelt so hoch wie bei Männern


Frauen sind 1,9 bis 1-mal anfälliger
für Angststörungen als Männer. Diese Anzahl war unabhängig von Altersgruppen sowie dem Lebensort, gleich ob Entwicklungs- oder Industrieland.

2. Junge Menschen leiden eher an Angststörungen

Ganz gleich, welche Kultur genauer beleuchtet wurde: Menschen unter 35 Jahren sind anfälliger für Angststörungen als ältere Menschen. Das trifft auf alle erforschten Länder bis auf Pakistan zu, wo die höchste Rate an Angststörungen bei Menschen mittleren Alters vorzufinden ist.

3. Opioid-Abhängigkeit beeinflusst das Angstrisiko

Weltweit gesehen ist das Vorkommen von Angststörungen bei Menschen mit einer Vergangenheit mit Opium-Missbrauch zwischen 2 und 67 Prozent, während die tatsächliche Diagnose bei 29 Prozent liegt.

4. Menschen, die an Spiel- oder Internetsucht leiden, sind auch anfälliger für Angststörungen

Zusätzlich zu Opioid-Missbrauch sind pathologische Spiel- und Internetsucht zwei andere Verhaltensmuster, die scheinbar zu einer erhöhten Diagnose von Angststörungen führen. Es wurde berichtet, dass 37 Prozent aller pathologischen Spielsüchtigen an Angststörungen leiden.

Während sich mit Internetsucht-befassende Studien (hauptsächlich in asiatischen Ländern) herausgefunden haben, dass das Vorkommen von Angststörungen bei internetsüchtigen Menschen doppelt so hoch ist wie in den Kontrollgruppen.

5. Angst taucht häufig im Zusammenhang mit anderen psychischen und neurologischen Erkrankungen auf

Menschen mit bipolarer Störung, Schizophrenie und Multipler Sklerose haben ein erhöhtes Angststörungsrisiko. In Europa leiden 13 bis 28 Prozent der bipolaren Menschen auch an Angststörungen.

Während weltweit 12 Prozent der an Schizophrenie leidenden auch mit zwanghaften Verhaltensstörungen diagnostiziert wurden. Und fast 32 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose, einer neurologischen Erkrankung, haben auch Angststörungen und die Hälfte leidet an bestimmten Symptomen.

6. Scheinbar zusammenhangslose Krankheiten führen zu einem erhöhten Maß an Angststörungen

Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen, Diabetes und anderen chronischen Erkrankungen haben ein doppeltes Risiko, zusätzlich an Angststörungen zu leiden.

Zum Beispiel reicht die Spannweite der Menschen mit Herzinsuffizienz, die auch Symptome von Angststörungen aufweisen, von zwei bis 49 Prozent. Zehn bis 50 Prozent der Menschen mit koronaren Herzkrankheiten leiden auch an Panikattacken.

Zwischen 15 und 23 Prozent der Krebspatienten hingegen litten auch an Angststörungen. Dieses erhöhte Risiko lässt sich auch auf Krebsüberlebende sowie deren Ehepartner übertragen.

Weltweit haben Menschen, die vor zwei Jahren mit Krebs diagnostiziert wurden, höhere Angstraten als gesunde Kontrollresultate (18 Prozent im Gegensatz zu 14 Prozent). Und 40 Prozent der Ehepartner von Langzeitkrebsüberlebenden entwickelten Angststörungen.

7. Angststörungen können auch bei Menschen mit chronischen, nicht-lebensbedrohlichen Krankheiten auftauchen

Menschen mit Diabetes haben ein höheres Angststörungs-Risiko als gesunde Kontrollgruppen. Dies war ausgeprägter bei den Frauen als bei den Männern. So war das Vorkommen von Angststörungen doppelt so hoch bei Frauen mit Diabetes als bei Männern mit Diabetes - 55 Prozent versus 33 Prozent.

8. Eine traumatische Vergangenheit könnte vermehrte Angststörungsvorkommnisse erklären

Menschen, die Traumata erfahren haben, können auch an ungewöhnlich ausgeprägten Angststörungen leiden. Studien über Kriegsveteranen mit amputierten Gliedmaßen aus Großbritannien wie auch aus den Staaten bezeugen, dass ein Viertel bis die Hälfte dieser Gruppe von Angststörungen betroffen sind.

Weltweit haben zwischen zwei und 82 Prozent der Menschen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen Angststörungen.

9. Während der Schwangerschaft sollte man auf Angststörungen gefasst sein

Weltweit erfahren Schwangere oder Frauen nach der Geburt ein höheres Maß an Zwangsstörungen als die Allgemeinbevölkerung. Das sind zwischen zwei und 2,4 Prozent verglichen mit ein Prozent der Allgemeinbevölkerung.

Äthiopische und Nigerianische Studien zeigen, dass Angststörungen erhöht bei Frauen in der prä- sowie postnatalen Zeit vorkommen (15 Prozent und 14 Prozent in beschriebener Reihenfolge), und dass dieser Effekt besonders ausgeprägt bei jungen Frauen ist.

10. LGBs und Senioren sind anfälliger für Angststörungen

Lesbische, schwule oder bisexuelle Menschen, die in westlichen Ländern leben, haben ein erhöhtes Angstrisiko und dies manifestiert sich besonders bei Frauen. Geschätzt betrifft dies zwischen drei und 20 Prozent der Männer und zwischen zwei und 39 Prozent der Frauen.

Symptome der Angst kommen besonders häufig im erhöhten Alter vor, vor allem in jenen mit kognitiven Dysfunktionen, wie zum Beispiel Gedächtnisproblemen. Zwischen geschätzt elf bis 75 Prozent der Senioren mit leichten kognitiven Einschränkungen herrschen Angststörungen vor.

Dies betrifft auch deren Betreuungspersonen, die über vier bis 77 Prozent berichten.

Remes hofft, dass ihre Forschungsergebnisse besonders anfällige Personengruppen hervorheben, sodass Regierungen und Gesundheitsorganisationen mit Hilfsressourcen, Interventionen und Untersuchungen auf diese Hochrisikogruppen spezifisch eingehen können.

"Hoffentlich wird unsere Studie das Bewusstsein für Angststörungen als ernstzunehmendes Thema fördern, sodass noch mehr Forschung auf diesem Gebiet stattfinden kann und die Betroffenen Hilfe suchen und die nötige Behandlung beziehen können", sagt Remes, „psychische Gesundheit ist wichtig für uns alle und ein grundlegendes Menschenrecht".

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post Canada und wurde von Virginia V. Hartmann aus dem Englischen übersetzt.

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