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Diese 3 Arten von Trauer hat jeder schon einmal durchlebt

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Ich kann mich gut an den Tag erinnern, als sich meine Welt schlagartig auflöste. Die ersten Risse hatte ich bereits vor einiger Zeit bemerkt. Alles begann, als mein Mann und ich uns mit unterschiedlichen Prioritäten und auf gegenüberliegenden Seiten von dem, was wir in unserer Beziehung akzeptieren konnten, wiederfanden.

Unsere Ehe endete per E-Mail. Trotz der Kälte, die dies suggeriert, war dies nicht der entscheidende Moment für mich. Dieser folgte erst am nächsten Morgen, als ich entdeckte, dass unsere gemeinsamen Konten leer waren und meine Kreditkarten nicht mehr funktionierten. Ich besaß keine Arbeit. Bald würde ich auch keinen Ehemann mehr haben und unser Geld befand sich außerhalb meiner Reichweite.

Die endgültige Destruktion des Lebens wie ich es kannte, ließ nicht lange auf sich warten. Wenig später fand ich heraus, dass mein Vater auf das Ende seines Lebens zusteuerte.

Mein Heilungsprozess begann, als es mir gelang, zwischen den drei unterschiedlichen Arten der Trauer, mit denen ich es zu tun hatte, und inwiefern jede einzelne davon zu einem Teil meiner Identität gehört hatte, zu unterscheiden.

Man muss das Trauern erlernen, um sich nicht ganz darin zu verlieren. Das fängt mit der Erkenntnis an, dass es möglich ist, jeden dieser Verluste überwinden zu können.

Der Verlust einer Liebesbeziehung

Weswegen du deinen Partner auch verloren hast (aufgrund eines Beziehungsendes, eines Todesfalles, einer Behinderung oder Krankheit, die professioneller Hilfe bedarf), dieser Verlust bedeutet noch lange nicht das Ende deines Lebens.

Auch wenn der anfängliche Schock dich das glauben lassen mag! Es ist leicht, sich in darauffolgenden Tagen und Wochen von anschwellenden Gefühlsfluten überwältigen zu lassen und in dem endlosen Teufelskreis aus Wut, Schmerz, Schuldzuweisungen und Traurigkeit hängenzubleiben.

Das Trauern geht mit all diesen und noch viel mehr Emotionen einher.

Du musst begreifen, dass du nicht nur den Verlust deines Lebenspartners betrauerst, sondern auch, wie du dich selbst im Zusammenhang mit dieser Person gesehen hast - als Ehefrau, Freund/Freundin oder primäre Betreuungsperson. Diese Teile unserer Identität verschwinden zusammen mit dem geliebten Menschen.

Trauere ruhig um den Verlust dieser Rolle, diesen Teil deiner selbst. Aber bitte vergiss nicht, dass du selbst noch immer vorhanden bist. Der Verlust eines romantischen Partners zwingt uns dazu, uns selbst bewusst zu werden, wer wir sind und wer wir nicht sind.

Der Verlust eines Lebensstils

Wenn unsere Lebensweise einem signifikanten Wandel ausgesetzt ist: Aufgrund von finanziellen Veränderungen, Änderungen der Wohnverhältnisse, des Beziehungs-Status oder durch Job-Wechsel erkennen wir dies oft nicht als Trauererfahrung an.

Wir fokussieren uns stattdessen auf den Stress, der von diesen Veränderungen ausgeht. Wir müssen verstehen, dass jeder Verlust mit Trauer einhergeht. Dann wird es viel leichter, mit der Begleiterscheinung Angst umzugehen.

Bei dem Verlust einer Lebensweise handelt es sich um den Verlust von Sicherheit und Identität. In der Maslowschen Bedürfnishierarchie folgen Sicherheitsbedürfnisse auf unsere Grundbedürfnisse. Wie Atmen, Nahrung, Wasser und Schlaf.

Also ist es kein Wunder, dass der Verlust eines Lebensstils sich für den Betroffenen wie ein spiralartiger Flugzeugabsturz anfühlen kann. Vergiss nicht, Mitgefühl mit dir selbst zu haben, wenn du den Verlust deines ehemaligen Lebens und deiner mit diesem Lebensstil verbundenen Identität betrauerst. Das wird dir helfen, dem Kummer anmutig die Stirn zu bieten.

Der Verlust eines Elternteils

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Wir betreten diese Welt mit einer Identität, die gänzlich von einem anderen menschlichen Wesen abhängt. Wir sind Söhne und Töchter. Und selbst wenn diese Bezeichnungen mit dem Tod eines Elternteils nicht verschwinden, verändert sich unsere Erfahrung, Kind zu sein, mit deren Ableben komplett.

Wie so häufig nach Todesfällen, begreifen wir nicht, dass es sich bei dieser Verlust-Erfahrung um viel mehr als den tatsächlichen Verlust eines anderen Menschen handelt. Mit dem Tod eines Elternteils geht auch das Wegfallens eines Teils unserer Selbst, der uns von Geburt an begleitet hat, einher.

Unsere Identität - um genau zu sein: Unsere Erfahrung, als Kind eines Anderen durchs Leben zu schreiten, erfährt ein jähes Ende, wenn unsere Eltern ihren letzten Atemzug nehmen.

Eine Woche vor dem Tod meines Vaters bat dieser mich, bei ihm zu sein. Als ich ankam, lud er mich ein, mit ihm zusammen all seine Bürosachen zu durchforsten, all das zu nehmen, was ich gerne hätte, und nur die Sachen und Papiere dazulassen, die nach seinem Tod gebraucht werden würden.

Ich war die einzige, der es je gestattet war, seine persönlichen und privaten Papiere durchzugehen, und ich wusste, dass das Fertigstellen dieser Aufgabe das war, das ihn noch am Leben hielt. Ich ließ mir viel Zeit bis er irgendwann all meine Fragen beantwortet hatte und keine Arbeit mehr übrig blieb. Er starb wenige Stunden später.

Der Verlust eines Elternteils und der damit verbundene Schmerz ist eine der einschneidendsten Erfahrungen unseren Lebens. Betrauere den Verlust dieses Menschen sowie deine Erfahrung, deren Kind zu sein.

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Aber versuche, den Tod deines Elternteils und den damit einhergehenden Prozess des Trauerns als Möglichkeit für einen Neustart zu sehen - als Gelegenheit, das zu tun und zu sein, wovon du immer schon geträumt hast. Es ist das letzte Geschenk, das ein Elternteil seinem Kind macht. Mein Vater hat mir dies beigebracht.

Jede Verlust- und Trauererfahrung geht mit Wachstumsmöglichkeiten einher. Wir müssen nur unsere Augen öffnen, um sie wahrnehmen zu können.
Bist du, trotz der Trauer, die du erfährst, diesen Möglichkeiten gegenüber offen?

Dieser Text erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Virginia Hartmann aus dem Englischen übersetzt.

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(pb)