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Mein Weg vom täglichen Büroalbtraum auf eine Bühne in den USA

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WOMAN LECTURE
Getty Images
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Menschen, Glaswände, Computer, Tische, Businessoutfits, alles offen und laut. Mein Arbeitsplatz. Für andere Menschen mag ein Großraumbüro etwas Tolles sein. Ich fühlte mich eingequetscht auf meinem vier Quadratmeter Radius.

Es dauerte genau neun Monate bis ich diesen gegen etwas viel Größeres eintauschte. Plötzlich hatte ich lange Rolltreppen, große Koffer, fremde Sprachen, viele Hochhäuser und gelbe Taxen um mich herum. New York. War das Ganze so geplant? Nein, zumindest nicht auf den ersten Blick.

Zweifel

Vor meiner Kündigung trug ich schon lange ein komisches Gefühl mit mir herum, sobald ich mich auf den Weg zur Arbeit machte. Über Jahre. Ich hatte genau die passende Ausbildung für diesen Job. Ich hatte sogar ein abgeschlossenes Studium als Wirtschaftsingenieurin.

Die Tätigkeit ging mir mittlerweile relativ leicht von der Hand und ich hatte ein gutes Einkommen. Mein Arbeitgeber war sehr innovativ und ich hatte die Möglichkeit mich immer wieder in das Unternehmen einzubringen. Klingt fantastisch. Für die Leute, die Großraumbüros mögen.

Die Zweifel, dass etwas nicht stimmte, kamen jedoch immer wieder. Sie waren erst undefinierbar und schwirrten irgendwie in meiner Bauchgegend herum. Immer wieder sagten sie laut: "Du gehörst hier nicht hin. Du hast so viele Ideen. Du möchtest Deine Kreativität leben. Du möchtest Dein eigener Chef sein." Der Kopf meldete aber prompt viel lauter: "Du hast hier einen sicheren Job, Du schaffst das schon."

Kündigung

Auch privat stellte sich mein ganzes Leben komplett auf den Kopf: Trennung, Trauer und Krankheit veränderten schlagartig alles. Die Arbeitssituation, die ich schon länger in Frage stellte, blieb dabei immer noch dieselbe. Das komische Gefühl wurde sogar stärker und stärker. So stark, dass auch mein Körper nicht mehr richtig wollte. Da war klar: Ich kündige.

Vorher hatte ich bereits ein paar Versuche gestartet, mein Leben in eine andere Richtung zu lenken. Ich hatte Weiterbildungen und Kurse im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Kreativitätsentfaltung besucht.

Dabei hatte ich mehr über das gelernt, was mir selber echte Freude bereitete und mir gut tat, wie zum Beispiel Malen und Yoga. Das wollte ich jetzt an andere Menschen weitergeben und ich gab schließlich selber erste Entspannungskurse. Einen genauen Plan, wie mein weiterer Weg aussehen sollte, hatte ich dabei jedoch nicht klar vor Augen. Was mich antrieb, war nur meine Vision.

USA

Auf einmal passierte etwas Aufregendes. Ich befand mich in einem Wettbewerb für ein Online-Life-Coaching-Training. Diesen Wettbewerb hatte ich "zufällig" im Internet entdeckt oder hatte er mich entdeckt? Den Wettbewerb gewann ich nicht, doch ich bekam die Chance am Programm teilzunehmen.

"Was? Life-Coaching?", ging es in meinem Kopf los. Ich hatte doch gar nicht danach gesucht, aber mein Bauch sagte mir direkt, dass ich es tun sollte. "Ja, das möchte ich machen". Also machte ich einfach das, was sich richtig anfühlte: ich startete durch mit meinem Online-Life-Coaching-Training.

Ich wusste, dass zu diesem Training eine optionale Retreat-Woche in den USA gehörte, was sich sehr spannend anhörte. Ich stellte mir jedoch nie die Frage, ob ich daran teilnehmen würde. In die USA fliegen? Das ist viel zu teuer und viel zu weit weg.

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Und vor allem: Was ist in der Zeit mit meinen Kindern? Kurz vor Anmeldeschluss drückte ich aber doch auf den Anmeldeknopf des Onlineformulars. Ich sagte einfach "ja" dazu. Irgendwie hatte ich es geschafft, meine Zweifel beiseite zu räumen und meine Angelegenheiten so zu klären, dass es möglich wurde.

Und schon ein paar Monate später war ich in den USA. Ich fuhr die besagte Rolltreppe hoch und stand in Downtown Manhatten. Wow. Ich, Anja. Eigentlich gehörte ich doch gar nicht hierher. Aber es fühlte sich einfach super an.

Was mir allerdings Bauchschmerzen machte, war der bevorstehende Vortrag auf der Bühne. Er war Teil meines Retreat-Seminars. Ich war zwar durch meinen alten Job gewohnt auf englisch zu präsentieren, aber das hier war etwas völlig anderes. Hier ging es tatsächlich um etwas. Ich hatte Angst vor so vielen Amerikanerinnen zu sprechen. My accent ist very German, you know.

Völlig unbegründet, wie ich am Ende merkte. Ich traute mich und es fühlte sich sogar richtig gut an, als ich endlich auf der Bühne stand. Ich bekam dazu noch positives und wertvolles Feedback von all meinen Seminarkollegen. Das Wichtigste darf war aber für mich, dass ich meine Angst überwunden hatte.

Heute

Vielleicht macht dir mein Beispiel ja Mut. Ich bin davon überzeugt und habe es ja auch tatsächlich so erlebt: "Wenn Du etwas loslässt, geht immer eine neue Tür auf und das Universum schickt dir eine Botschaft."

Mittlerweile hält mein Leben jeden Tag etwas Neues für mich bereit. Manchmal ist das super spannend, manchmal auch ganz schon herausfordernd. Gerade wenn ich mir selber Stress mache, tauchen auch bei mir altbekannte Glaubenssätze auf: Hättest Du doch nicht gekündigt. Ich bin nicht gut genug. Ich schaffe das nicht. Was ist wenn ich scheitere?

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Zum Glück weiß ich aber - und das mag auch an meiner Ausbildung zur Mentaltrainerin liegen - dass mein Kopf einfach nur plappern will. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Verändern wir etwas, so denkt unser Unterbewusstsein es geht um Leben und Tod. Am liebsten hat es unser Unterbewusstsein nämlich, wenn alles gleich läuft in unserem Leben.

Doch was ist, wenn alles gleich läuft in unserem Leben? Entwickelst Du Dich weiter, wenn Du Tag ein Tag aus das Selbe machst? Was sieht Deine Vision? Was möchtest Du noch erreichen in Deinem Leben? Welchen Traum möchtest Du erfüllen? Warum bist Du hier auf der Erde? Wie möchtest Du Dich kreativ ausdrücken? Sei Dir sicher: je mehr Fragen Du Dir stellst, desto mehr Antworten erhältst Du auch.

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