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Männerschnupfen: Er leidet und ich verdrehe die Augen

19/01/2016 12:55 CET | Aktualisiert 19/01/2017 11:12 CET
Mike Watson Images via Getty Images

Als ich am Morgen erwache, sehe ich das Grauen. Das Gesicht meines Mannes ist bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Debil geöffneter Mund, die Zunge hängt ein wenig heraus, schwerer Atem,die Frequenz ähnlich einer Herz-Lungenmaschine, hängender Merkelmund, ein blutleerer Blick. Sofort hänge ich die Hoffnung auf eine angenehme Woche an den Haken und nehme meinen Schicksalshut.

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Mein Mann hat Schnupfen.

Als ich von der Arbeit nach Hause komme, ist er bereits da. "Ich bin früher gegangen. Kann nicht arbeiten", haucht er mit ersterbender Stimme. Malerisch liegen unzählige Taschentücher um ihn herum. Seine Nase leuchtet anklagend in der Dunkelheit.

"Fühl mal, bin ich heiß?" näselt er verzweifelt. Ist er nicht, wie ich sofort feststelle. "Aber kaltschweißig" trumpft er auf. "Draußen sind 28 ° im Schatten und du liegst hier mit Schal und zwei Decken. Kein Wunder, dass du schwitzt.", wage ich zu entgegnen.

Sofort zieht er die Decken über seine bebenden Schultern. "Aber mir ist kalt" behauptet er bockig. Ich verdrehe die Augen.

Das Elend nimmt seinen Lauf. Im 5-Minuten-Takt versenkt er das Fieberthermometer in seinem Darm. Unbelehrbar quäkt die Stimme des Thermometers wieder und wieder: Ihre Körpertemperatur beträgt 37,3 °C. "Das blöde Ding muss kaputt sein, meint er schließlich und schmiert sich hingebungsvoll Nivea auf die wunde Rosette.

"Zum Abend steigt das Fieber sicher noch", tröstet er sich selbst. Es ist 20.00 Uhr.

Später liegt er röchelnd neben mir. "Mein Hals fühlt sich an wie rohes Fleisch", jammert er mich an. Ich stopfe mir Watte in die Ohren und schlafe sofort erschöpft ein. Ich erwache von einem Rütteln an meiner Schulter. "Schatz, ich bekomme keine Luft und außerdem kann ich nicht schlafen." Der Wecker zeigt 4.00 Uhr an.

"Natürlich kannst du nicht schlafen, keife ich hysterisch. Schließlich hast du den halben Tag verpennt." Wie ein angeschossenes Reh sinkt er ins vollgesabberte Kissen. "Du bist so herzlos" näselt er bedrückt. "Morgen werde ich zum Arzt gehen, das ist bestimmt etwas Schlimmes" fügt er theatralisch hinzu.

Ich staune. Immer wieder. Als ich vor kurzem eine Nierenbeckenentzündung mit 40 °C Fieber hatte, tröstete er mich mit folgenden Worten: Das ist ja übel. Heißt das, wir können nicht ins Kino gehen?

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