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Anika Bischoff Headshot

"Wir haben ein Organ fĂŒr Sie"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ORGAN
ERproductions Ltd via Getty Images
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Ein Tag vor Weihnachten verÀnderte sich mein Leben

[...] Ich wurde zum Auto geschleppt und wir fuhren zur Notaufnahme ins Vivantes. Meine Mutter kam mit einem Arzt und einer Trage zum Auto. Ich weiß nicht mehr, was ich sagte oder was sie sagte, ich weiß nur noch, dass der Arzt sagte: „Ach du Scheisse", als er mich sah und ich wurde sofort in der Notaufnahme beatmet. Was ich erst viel spĂ€ter erfuhr, ich war komplett blau angelaufen, hatte einen CO2 Wert von 150 und eine SauerstoffsĂ€ttigung von 53%. FĂŒr die, die sich nicht auskennen, ich war mehr tot als lebendig. [...]

Dem Tod ganz nah

[...] Alle Therapiemöglichkeiten waren ausgeschöpft. Ich war austherapiert. Sterben wÀre also die nÀchste Station. [...]

[...] Mein Bruder besuchte mich und es kam mir wie ein Abschied vor. Er hielt meine Hand, weinte und schrieb mir einen kleinen Brief. Es war so lieb von ihm. Das hĂ€tte ich von meinem kleinen Bruder nie erwartet. Sein Text berĂŒhrte mich sehr. Er war so schön und auch so traurig. Als er ging wusste ich nicht ob ich ihn je wiedersehen wĂŒrde. [...]

Aufwachen im neuen Leben

[...] Ich weiß, dass ich in meiner OP Zeit etwas getrĂ€umt hatte, aber es war verrĂŒckt und ohne Sinn, wie ein Drogenrausch. Irgendwann erwachte ich richtig. Ich nahm an, dass meine OP erst kĂŒrzlich erfolgte, aber das stimmte nicht, wie ich spĂ€ter erfuhr. In Wirklichkeit hatte ich einige Tage geschlafen. Ich erwachte ziemlich frĂŒh am Morgen und war allein. Mir war sofort klar, was passiert war. Ich wurde transplantiert und bis jetzt war ich am Leben [...]

Der harte Weg zurĂŒck ins Leben

[...] Ich weinte viel. Ich weinte beim Aufwachen und ich weinte beim Einschlafen. Ich sehnte mich so sehr nach einem normalen Leben und hatte keine Geduld. Ich war nur noch eine dicke verheulte Gestalt im Krankenhausnachthemd. [...]

[...] Ich war so verzweifelt, da hatte ich es geschafft von dieser Maschine stundenlang, gar tagelang wegzukommen und seit knapp drei Tagen hing ich nun wieder fast ununterbrochen an der Maschine. Alles schien rĂŒcklĂ€ufig zu sein. Der Co2 Wert war zu hoch, ich war wieder an der Beatmungsmaschine, wer an der Maschine hĂ€ngt, kann nur schwer mobilisiert werden, geschweige denn LaufĂŒbungen machen. Ich wusste nicht, wie es weiter gehen sollte. [...]

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch „Abflug Transplantation Letzter Aufruf" von Anika Bischoff

2016-05-03-1462263858-8682569-coverhuff.jpg
Paperback
116 Seiten
ISBN-13: 978-3739248233
Verlag: Books on Demand