BLOG

Warum die ZDF Serie "Das Pubertier" den Kinofilm um Längen schlägt

21/11/2017 15:10 CET | Aktualisiert 21/11/2017 15:10 CET
Hannes Magerstaedt via Getty Images

Wir haben 1,5 Pubertiere Zuhause. Das Vollpubertier ist dreizehn und das halbe zehn Jahre alt. Klar, dass „Das Pubertier" genau unseren Familiennerv trifft. Dennoch haben wir es das ganze Jahr nicht geschafft den Film im Kino anzuschauen und warteten gespannt auf die DVD Erscheinung im November.

Sehr praktisch, dass das ZDF im September die Serie „Das Pubertier" ausstrahlte und uns damit die Wartezeit versüßte. Die ZDF Serie ist ebenfalls an Jan Weilers gleichnamigen Roman angelehnt, wird jedoch von einer komplett anderen Schauspielerriege dargestellt und anders umgesetzt als der Kinofilm. Jan Weiler hat die Rechte an seinem Buch nämlich gleich doppelt an verschiedene Interessenten verkauft.

In der Serie heißt der Vater Jan und wird von Pasquale Aleardi gespielt. In der Kinoversion heißt der Vater Hannes und wird von Jan Josef Liefers dargestellt. Die Namen der Ehefrau (Sara) sowie des Pubertiers (Carla) sind identisch. In Film wie auch Serie ist Pubertier-Vater Jan/Hannes ein Journalist bzw. Kolumnist und plant sein erstes Buch.

Er hadert damit, dass sich sein ehemals süßes kleines Mädchen in ein motzendes, pöbelndes und stets unausgeschlafenes kleines Monster verwandelt und gibt dem Zuschauer Einblicke in sein Seelenleben. Es tut einem Vater eben weh, wenn das kleine Mädchen geht und nach und nach eine stark geschminkte Göre zum Vorschein kommt. Und natürlich wird jeder noch so pickelige Klassenkamerad als testosterongesteuerte Konkurrenz angesehen.

In die ZDF Serie haben wir uns als Familie sofort verliebt. Sie hatte wirklich alles, was zu guter Unterhaltung gehört: Sie war witzig, ein bisschen abgedreht, versprühte ganz viel gute Laune und kam mit tollen Charakteren und Schauspielern daher. Mia Kasalo als Carla war frech, rotzig und süß und Pasquale Aleardi hat man den sympathischen, sensiblen Dad total abgenommen und mit ihm gelitten.

Aber erst die Nebencharakteren und ihre Geschichten, haben die Serie zu etwas Besonderem gemacht: Da war die polnische, schrullige Putzfrau Roksana, die zu allem ihren Senf abgab; Jans Psycho-Schwester Julia, die mit ihrem Singleleben haderte und bei jedem falschen Wort die Fassung verlor; Jans Vater Eberhard, der seine Frau Gisela verlassen hat um mit Jans ehemaliger Klassenkameradin Heidi (Annette Frier) glücklich zu werden.

Die tiefe Verbindung von Jan und Carla konnte man in jeder Folge spüren. Carla ist zum erstem Mal richtig verliebt, ihre Gefühle fahren Achterbahn, weshalb sie in der ein oder andere Situation ruppig und unüberlegt reagiert und den Vater damit unabsichtlich verletzt. Das wurde in der Serie toll ausgearbeitet und man hat mit Jan, aber auch mit dem Pubertier Carla, gefühlt. Als hätte man nicht schon genug damit zu tun, dass Oma und Opa Rosenkrieg führen, wird Sara auch noch schwanger. Natürlich endet alles gut und Jan freut sich darauf wieder der Held eines kleinen Mädchens werden zu dürfen, zumindest für die ersten Jahre, bis ihn auch da irgendwann die Pubertät einholen wird.

Jede Folge war rund und so, so nett! Umso gnadenloser fällt unser Urteil über den Kinofilm aus, den wir uns im Nachhinein angeschaut haben. Im Vergleich zur Serie schneidet er wirklich schlecht ab! Obwohl man sich der gleichen Vorlage bedient hat und man für den Kinofilm namenhafte, gute Schauspieler (Liefers, Heike Makatsch, Detlev Buck) verpflichten konnte, hat uns die Kinoversion überhaupt nicht überzeugt.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Die Story war im Vergleich zur Serie lieblos, vorhersehbar und altbacken: Carla feiert eine Party, der Vater vermutet natürlich Drogen und Alkohol, klettert an der Hauswand hoch um von außen durchs Fenster zu spionieren und fällt - natürlich - herunter. Man hält ihn für einen Einbrecher, die Polizei rückt an und nimmt das gesamte Partyvolk, einschließlich der inzwischen betrunkenen Erwachsenen, auf die Wache. Dort gibt es ein Riesentohuwabohu. Das war der Moment, an dem ich persönlich nur noch die Augen verdrehen konnte. Viel zu einfach gestrickt und schon tausend Mal in dieser Variation gesehen. Das was der Trailer hergibt, waren die einzig witzigen Szenen. Sehr enttäuschend! Da konnte auch das rührselige Ende nichts mehr reißen! Dem Kinofilm fehlten definitiv Charme, gute Dialoge und Herz. Das haben die ZDF-Leute eindeutig besser hingekriegt!

Nie war sich die ganze Familie so einig: "Das Pubertier- die Serie" kann man sich immer wieder anschauen, den Kinofilm muss man nicht unbedingt gesehen haben.

Die Serie „Das Pubertier" läuft übrigens noch in der ZDF Mediathek. Ich kann sie jedem, der sie verpasst hat, nur ans Herz legen: Hier gehts zur ZDF Mediathek!

____
Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg
Ihr habt auch ein spannendes Thema?Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

         googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');    

Sponsored by Trentino