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"Honigfrauen" oder "Der gleiche Himmel" welcher DDR-Dreiteiler vom ZDF ist besser?

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Nach „der gleiche Himmel" (siehe hierzu meinen Blog) strahlt das ZDF mit „Honigfrauen" erneut einen DDR-Dreiteiler aus. Ich habe mir bereits alle drei Teile am Wochenende in der ZDF-Mediathek angeschaut. Der 3. Teil läuft am nächsten Sonntag (7. Mai 2017) um 20.15 Uhr im ZDF.

1986: Die Schwestern Catrin (Cornelia Gröschel) und Maja (Sonja Gerhardt) trampen zum Plattensee (im Osten sagt man Balaton) nach Ungarn um den Sommer ohne Eltern zu verbringen. Vater Karl (Götz Schubert) bläut seinen Mädchen vorher ein, sich nicht mit dem Klassenfeind aus dem Westen einzulassen. Denn hier am Balaton trifft der Ost-auf den West-Urlauber. Während die DDR-Reisenden vornehmlich zelten und ihr mitgebrachtes Dosenfutter über dem Feuer warmmachen, lassen es sich die Westdeutschen in gutsituierten Hotels gut gehen. „Honigfrauen" nennen die Wessis die süßen DDR-Mädchen.

Catrin (die vernünftigere und ruhigere Schwester) verletzt sich bei der Anreise den Fuß und lernt so Tamás (Stipe Erceg), den ungarischen Hotelleiter des 5-Sterne Hotels "Balaton-Residenz", kennen. Catrin verguckt sich in Tamás, der sich aber sehr schnell von der begeisterungsfähigen und quirligen Maja umgarnen lässt, die wiederum von seinem Hotel mit all dem westlichen Glanz angetan ist.

Auf dem Campingplatz freunden sich die Schwestern zudem mit Rudi und dem Pärchen Timo und Lilian an. Lilian kommt eigentlich aus Hannover und Timo möchte zu ihr in den Westen flüchten. Was keiner ahnt: Rudi spitzelt für die Stasi. Catrin, die enttäuscht feststellen muss, dass Tomás Maja statt ihrer vorzieht, tröstet sich mit Rudi. Da Tomás Ossis über die Grenze nach Österreich schmuggelt und Rudi auf ihn angesetzt ist, werden bald beide Schwestern in die Sache verwickelt, als Tamás Timo bei der Flucht hilft.

Ebenfalls auf dem Campingplatz: Catrins richtiger Vater Eric (gespielt von Dominic Raacke), der seit Jahren heimlich den Kontakt zu Mutter Kirsten (Anja Kling, die auch in "Der gleiche Himmel" mitgespielt hat) per Telefon aufrechterhält. Eric ist aus dem Westen zum Campingplatz gereist um endlich seine Tochter kennenlernt. Das schmeckt Mutter Kirsten gar nicht, denn weder Mann noch Töchter wissen, dass Catrin nicht die leibliche Tochter von Karl ist. Prompt überredet sie den ahnungslosen Karl ebenfalls zum Urlaub am Balaton.

Der erste und auch der zweite Teil war wirklich unterhaltsam. Wie auch schon in „Der gleiche Himmel" fand ich die Schauspieler-Riege sowie das Setting richtig toll. Die Erzählweise war locker-flockig, machte Laune und hatte für mich den richtigen Mix aus 80er Jahre Musik, DDR-Klamotte, Summerfeeling und ein bisschen Spannung. Mir hat weder die geschichtliche Tiefe noch große Dramatik gefehlt.

Allerdings haben mich, verstärkt im dritten Teil, die Logikfehler und die viel zu schnelle Erzählweise gestört. So bittet Tamás noch während des Urlaubs um Majas Hand und Rudi zieht mit Catrin direkt nach dem Urlaub zusammen (Achtung für alle, die den dritten Teil noch nicht gesehen haben: Spoiler)! Mutter Kirsten wiederum, die doch erst in Teil 2 Eric eingebläut hatte, aus ihrem Leben zu verschwinden, damit ihr Familiengeheimnis bewahrt wird, lädt ihn nun plötzlich zu Majas und Tamás Hochzeit ein. Natürlich erkennen die Mädchen in Eric den Mann wieder, der sie auf dem Campingplatz ständig beobachtet hat. Kirsten tut es mit einem „Ach, was, der sah ihm vielleicht nur ähnlich" ab. Und auch Karl reagiert passiv und wenig glaubhaft. Inzwischen weiß der nämlich von Rudi, dass seine Frau noch Kontakt zu Eric pflegt und soll nun für die Stasi Tomás ausspionieren. Nein, das war mir alles nicht rund genug und hat den Spaß im dritten Teil ein wenig gebremst. Nichts desto trotz habe ich mich insgesamt sehr gut unterhalten gefühlt und habe irgendwann die Logikfehler einfach ausgeblendet.

Aber welchen DDR-Dreiteiler war nun besser? Ich kann es nicht wirklich sagen. Sowohl „Honigfrauen" wie auch „Der gleiche Himmel" konnten mit tollen Schauspielern, gelungenen Kostümen und einem super Setting punkten. Das Ende von "Honigfrauen" stellte mich, trotz Ungereimtheiten, zufrieden, während „Der gleiche Himmel" mitten in der Geschichte abbrach (ärgerlich). Dafür hatte "Der gleiche Himmel" einen Tom Schilling (und der kann bei mir auch ruhig das rechte Auge nehmen, ich wäre auch auf dieser Seite für seinen Charme empfänglich) und einen tollen Ben Becker. Hier hoffe ich nach wie vor auf ein Einsehen des ZDFs und einer anständigen Fortsetzung. Dann aber bitte mit ausgefeiltem Drehbuch!

Beide Dreiteiler haben mich (die vor der Wende nie in der DDR gewesen ist) auf jeden Fall dazu animiert tiefer in die DDR Geschichte einzutauchen. Und dem Balaton werde ich irgendwann bestimmt einmal einen Besuch abstatten!

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