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Herbert Grönemeyer, du bist mein Live-König

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HERBERT GRNEMEYER
Franziska Krug via Getty Images
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Man hätte mich noch vor zehn Jahren kaum als Grönemeyer-Fan bezeichnen können. Ich mochte seine Lieder, wäre aber nie auf den Gedanken gekommen, auf eines seiner Konzerte zu gehen.

Das änderte sich, als ich vor zehn Jahren einen Konzertmitschnitt seiner "Mensch-Tour" im Fernsehen sah. Die Stimmung und die Gänsehautmomente waren selbst durch die Bildschirmröhre spürbar. Herbert sang "Mensch" und die ganze Arena sang lautstark mit. Ich dachte, "Mensch, diesen Menschen musst du auch mal live erleben."

2007 ging Herbert Grönemeyer auf "12 Tour" und ich buchte für meinen Mann und mich Tickets für das Kölner Stadion. Ich war im sechsten Monat schwanger und wollte mit meinem Bauch lieber nichts riskieren. Also nahmen wir Sitzplätze in den oberen Rängen.

Meine Freundin staunte damals. "Echt jetzt? Du gehst zu Grönemeyer? Meine Mutter geht da mit ihrer Freundin auch hin." Ja, und auch mein Chef, der einige Jahrzehnte älter war als ich, war an diesem Abend anwesend. Das Grönemeyer Publikum ist generationsübergreifend und angenehm bunt.

Damals schaute ich drei Stunden sehnsüchtig von meiner Tribüne aus in den Innenraum, wo die Party richtig abging. Doch trotz Sitzplatz und räumlicher Entfernung zur Bühne, war es das beste Konzert, das ich jemals in meinem Leben besucht habe.

Wiederholungstäter

Es gibt Künstler, die hört man sich lieber im Radio oder auf CD an. Simply Red ist für mich so ein Beispiel. Vor ein paar Jahren war Mick Hucknall - mal wieder - auf Abschiedstour. Mick Hucknall besitzt eine Hammerstimme, qualitativ kann da Herbert sicher nicht mithalten.

Aber trotz Mick Hucknalls phänomenalen Live-Stimme und seiner wunderbaren, perfekt gesungenen Hits, verließ ich damals enttäuscht den Konzertsaal. Das Konzert war in meinen Augen seelenlos, runtergespielt und mit messbarem Desinteresse am Publikum.

Wer dagegen Herbert Grönemeyer einmal live erlebt hat und weiß, wie viel Bock dieser Mann auf seine Konzerte und auf sein Publikum hat, der wird zwangsläufig Wiederholungstäter. Nun, neun Jahre später, will ich wiederholen: "Von Bochum bis DAUERND JETZT"-Tour, Veltins Arena Gelsenkirchen, diesmal Innenraum und "Front of Stage".

Leider wusste ich beim Kauf der Karten noch nicht, dass ich mich zwei Wochen vor dem Konzert wegen meiner chronischen Nebenhöhlenvereiterung operieren lassen würde. Ein paar Tage vor dem Konzert war nicht klar, ob ich es kreislauftechnisch überhaupt schaffe, da ich die letzten zwei Wochen entweder vegetierend auf dem Sofa oder am Waschbecken mit meiner Nasendusche verbracht hatte.

Was, wenn mir jetzt jemand beim Konzert vor die Nase haut und mir meine vom Chirurgen sorgfältig gerichtete Nasenscheidewand wieder versaut?

Alles ist entspannt

Ich gehe das Risiko ein und merke schnell, dass meine Sorgen völlig unbegründet sind. Grönemeyer Fans scheinen in der Regel tiefenentspannt zu sein. Das merken wir bereits am Arenaeingang zum Tunnel 4. "Bitte nicht rennen", ruft einer der Ordner immer wieder zur Belustigung der geduldigen Fans, die entspannt und im gemütlichen Tempo in die Arena strömen.

Keiner rennt, rempelt rücksichtlos oder tritt einem auf die Füße. Okay, wir sind bei Herbert Grönemeyer und nicht bei One Direction (dafür wird man in paar Jahren nicht mehr wissen, wer One Direction überhaupt war, während man immer noch zu Herberts Konzerten laufen wird).

Der Abend startet mit einem Anheizer namens Knackeboul. Man merkt dem Schweizer Beatboxer und Rapper ein bisschen an, dass ihn die über 46.000 Leute, die ihm da gerade zuschauen, ein bisschen unheimlich sind. Ich finde, er macht seinen Job trotzdem ganz gut, auch wenn Herbert eigentlich gar keinen Anheizer braucht. Denn in dem Moment, in dem Herbert die Bühne betritt, kocht die Arena.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele Lieder Herbert im Laufe der ganzen Jahre so geschrieben hat.

So viele Hits, die man mitsingen kann! So viele Texte, die unter die Haut gehen! Herbert singt "Flugzeuge im Bauch" (ich mag diesen Song so sehr!), "Bochum", "Currywurst", "Der Weg" und natürlich "Männer", das Lied, das er vor vierunddreißig Jahren herausbrachte, entstanden zu einer Zeit, in der die Plattenfirma nicht mehr an seinen nuschelnden Sänger glaubte, so erzählt Herbert dem Publikum.

Eine Zugabe nach der anderen

Gemeinsam mit dem Felix Jaehn performt er den EM-Song "Jeder für Jeden" und bei "Mambo" zünden Papierkanonen. Wir feiern alle gemeinsam eine riesengroße Party.

Herbert Grönemeyer spielt fast drei Stunden. Immer wieder wird er von uns auf die Bühne zurückgerufen, er gibt eine Zugabe nach der anderen. Und selbst, als sich die Zuschauer endlich Richtung Ausgang bewegen, kommt er völlig durchgeschwitzt im Bademantel zurück auf die Bühne und schaut kopfschüttelnd in die Menschenmenge.

Fast so, als könne er selber gerade nicht glauben, dass wir alle nur wegen seiner Person hier gewesen sind. Sind wir! Und ich komme auf jeden Fall irgendwann einmal wieder! Herbert, du bist mein Live-König!

Angelika Hesse ist Autorin des Buchs "Familie ist (k)ein Ponyhof".

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