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Familientherapeutin verrät: 10 Erkenntnisse, die ihr von großartigen Eltern übernehmen könnt

23/03/2017 11:13 CET | Aktualisiert 23/03/2017 11:13 CET
Oliver Rossi via Getty Images

Normalerweise findest du mindestens vier Elternratgeber auf meiner Amazon-Wunschliste, einige weitere liegen auf meinem Nachttisch, und mein E-Mail-Postfach quillt über mit scharfsinnnigen Theorien und Ansätzen zur Kindererziehung.

Natürlich ist Kindererziehung Teil meiner Karriere, dennoch spreche ich regelmäßig mit vielen Eltern, die sich in derselben Situation wiederfinden. Überall finden sich neue Informationen und unsere Kultur versorgt uns ständig mit (teilweise widersprüchlichen) Neuigkeiten, wie wir unsere Kinder großziehen sollten. Das führt dazu, dass es sich manchmal so anfühlt, als wäre es unmöglich, ein kompetenter Elternteil zu sein.

In meinen zwölf Jahren als Familientherapeutin habe ich viele gutgesinnte Eltern getroffen, die Erziehungsmethoden anwenden, die den emotionalen und entwicklerischen Bedürfnissen ihrer Kinder oder Familien nicht entsprechen. Ich habe allerdings auch beobachtet, dass die Anzahl der Eltern, die ihre Kinder mit modernen und gesunden Methoden erziehen, stetig steigt.

Diese Erkenntnisse, die ich über die Jahre gesammelt und aus meinen eigenen Erfahrungen gewonnen habe, bilden gemeinsam mit dem Wissensstand der Neurologie und Verhaltensforschung das Fundament für eine Erziehung, die am ehesten zu einer gesunden Entwicklung unserer Kinder führt.

1. Sei dir dessen bewusst, dass deine Kinder sich wie Kinder verhalten werden

Oft vergessen Eltern, dass der Lerneffekt bei Kindern erst dann einsetzt, wenn sie Mist bauen. Einen Fehler begehen. Sich unreif verhalten. Das Wunder geschieht erst, wenn ein unterstützender Erziehungsberechtigter sich einbringt und die Kinder in die richtige Richtung lenkt. Wir sind frustriert und ungeduldig, ärgern uns, wenn die Kinder jammern oder Widerworte geben, obwohl Kinder einfach so funktionieren.

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Der Teil des Gehirns, der für Vernunft, Logik und Impulskontrolle verantwortlich ist, ist bis Anfang 20 nicht vollständig entwickelt. Unreifes Verhalten ist normal bei unreifen Menschen mit unreifen Gehirnen. Das ist eine wissenschaftliche Tatsache, die uns dabei hilft, den Kopf zu behalten und unsere Kinder bei ihren alltäglichen Kämpfen zu unterstützen.

2. Setze Grenzen - aber mit Respekt, nicht mit Kritik

Weil Kinder wirklich alles über die Welt von uns lernen müssen, brauchen sie im Alltag viele Grenzen. Ohne die nötigen Grenzen in ihrer Lebenswelt werden Kinder unruhig und verlieren die Kontrolle.

Grenzen können mithilfe von Kritik und Beschämung gesetzt werden - oder sie können auf deutliche, aber respektvolle Art und Weise kommuniziert werden. Versetz dich in die Lage deines Kindes und stell dir vor, wie du gerne hättest, dass man mit dir spricht.

3. Sei dir der Entwicklungsstadien bewusst

Hast du dich jemals gefragt, wohin dein entspanntes Kleinkind verschwunden ist, wenn es plötzlich schreit, als würde es bei lebendigem Leibe aufgespießt werden, wenn du es in der Krippe abgibst? Hallo Fremdelphase!

Es gibt hunderte von sehr normalen, sehr gesunden Phasen, die ein Kind durchläuft, während es langsam erwachsen wird. Wenn du dir dessen bewusst wirst, setzt du ihr verwirrendes Verhalten in einen Kontext, und das erhöht die Chancen, angemessen und unterstützend zu reagieren.

4. Wisse Bescheid über das Temperament und die Persönlichkeit deines Kindes

Das scheint offensichtlich, aber wenn wir die Charakterzüge kennen, die unsere Kinder einzigartig machen, haben wir ein besseres Verständnis davon, wann sie wirklich Unterstützung brauchen und in welchen Situationen sie selbst harte Arbeit leisten müssen.

Wenn du erst einmal die Grundzüge deines Kindes verstehst, wird es viel einfacher, in bestimmten Situationen zu reagieren, zum Beispiel um die beste Umgebung für Hausaufgaben zu schaffen oder um zu verstehen, warum deine Tochter plötzlich von der Jugendfreizeit abgeholt werden muss.

5. Gönne deinem Kind genügend unstrukturierte Freizeit

Sollten sie nicht selbst Spieltherapie studiert haben, werden die meisten Eltern mit großer Wahrscheinlichkeit die Macht des Spielens niemals vollständig verstehen und anerkennen.

Beim Spielen lernen Kinder und entwickeln sich weiter. Das heißt, du solltest ihnen jeden Tag genügend unstrukturierte Zeit lassen, die sie selbst gestalten können, damit sie die Welt auf ihre kindliche Art und Weise entdecken.

6. Wisse, wann du reden und wann du zuhören solltest

Kinder werden zu guten Problemlösern, wenn wir sie nur lassen. Weil wir sie unendlich lieben und wollen, dass sie Erfolg haben im Leben, ist es schwierig, nicht jedes Mal einzuspringen und ihre Probleme mit moralischen Vorträgen oder Kritik zu lösen.

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Wenn Eltern sich öfter zurückhalten und abwarten würden, wären sie überrascht, wie oft Kinder ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Zuhören kann eine gewaltige therapeutische Wirkung entfalten - es erlaubt uns, die Dinge zu durchdenken und Lösungen zu finden.

Kinder wollen, dass man ihnen zuhört und sie versteht. Das wollen wir alle.

7. Bleibe du selbst

Viele von uns behaupten, unsere Kinder seien unsere Welt, und im Herzen wissen wir, dass das stimmt. Im Alltag jedoch brauchen Eltern mehr als ihre Kinder. Wir müssen unsere Freundschaften, Leidenschaften und Hobbys pflegen, die uns als Individuen ausmachen.

Das kann sich manchmal wie ein Kampf anfühlen, weil unser Beschützerinstinkt uns beizeiten davon überzeugen will, dass weder unsere Kinder ohne uns können, noch wir ohne sie. Aber wir dürfen und müssen auch eigenständig sein, um gesund zu bleiben, und wir müssen es vermeiden, von unseren Kindern zu verlangen, dass sie alle unsere emotionalen Bedürfnisse erfüllen.

8. Verstehe, dass Handlungen mehr wert sind als Worte

Die Art und Weise, wie du mit deinem Kind interagierst und dein Leben lebst, wird dessen bester Lehrer sein. Kinder observieren alles und handeln weit intuitiver, als wir es manchmal wahrhaben wollen. Sie beobachten uns immer.

Das kann für Eltern manchmal ein wenig ungewöhnlich sein, aber wenn wir im Hinterkopf behalten, dass unsere Kinder unsere Handlungen beobachten, werden sie davon nicht nur lernen, wie sie sich verhalten sollen, sondern es wird uns auch zu besseren Menschen machen.

9. Verstehe, dass eine gute Verbindung, Spaß und Kreativität die besten Methoden sind, um zu positivem Verhalten und aufgeschlossener Haltung zu motivieren

Angst und Kontrolle sind auf lange Sicht keine guten Erziehungsmethoden. Obwohl diese Dynamiken einen kurzen Effekt haben können, werden sie unsere Kinder nicht mit einem starken moralischen Kompass ausstatten oder sie Problemlösekompetenzen lehren.

Wenn unsere Kinder sich aufgrund unserer Interaktionen mit ihnen wertgeschätzt fühlen, werden sie auf natürlichem Wege lernen, andere ebenfalls wertzuschätzen sowie die Kompetenz erlangen, gute Entscheidungen zu treffen.

10. Setze dir zum Ziel, das Herz deines Kindes zu formen, nicht nur sein Verhalten

Wir haben oft den Eindruck, dass das Hauptziel des Elterndaseins sei, ein gefügiges, braves Kind zu produzieren. Obwohl das für die meisten Eltern natürlich wünschenswerte Qualitäten sind, sind sie nicht die Kerneigenschaften, die einen glücklichen und gesunden Menschen ausmachen.

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Wenn wir unseren Kindern dabei helfen zu verstehen, wie wichtig ihre Gedanken und Emotionen sind, vermitteln wir ihnen Konfliktlöse- und Beziehungskompetenzen. Das sind Eigenschaften, die sie schützen und ihr Leben lang begleiten werden.

Es ist niemals einfach, unsere gewohnten Erziehungsmethoden und -stile zu ändern, aber wenn das wirklich das beste für unsere Kinder ist, wird es das immer wert sein.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf parent.co.

Mehr von mir könnt ihr auf meiner Homepage parentswithconfidence lesen.

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