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Das Geheimnis, das alle Eltern innerlich zerstört, aber über das niemand spricht

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ELTERN
iStock
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Viele von uns Eltern haben ein Geheimnis. Wir scherzen darüber. Lachen, als würden wir es nicht so meinen. Verabreden uns zu einem Glas Wein, dazu eine lustige Bemerkung. Von Zeit zu Zeit posten wir ein Foto aus dem "wahren Leben" in den sozialen Netzwerken.

Dann gehen wir ins Badezimmer und schließen die Tür. Wir sitzen an unserem geheimen Ort. Vielleicht nehmen wir das Handy zur Hand, vielleicht ein Buch, vielleicht starren wir einfach nur die Wand an.

Das Wasser läuft, wir hören wie die Tropfen auf das Porzellan treffen.

Tropf, tropf, tropf.

Es sind unsere Tränen, die auf das Porzellan tropfen

Doch wenn aus dem Wasserhahn ein unterdrücktes kehliges Ächzen kommt, werden wir daran erinnert, dass es unsere Augen sind, aus denen Tränen laufen. Es sind unsere Tränen, die auf das Porzellan tropfen.

Wenn wir Glück haben, dann steckt jetzt niemand seine Hände unter der Badezimmertür durch und niemand ruft nach uns. Wir hören nicht, dass im Wohnzimmer gerade wieder etwas zu Bruch gegangen ist.

Mehr zum Thema: Mein Vater nahm sich das Leben, als ich elf Jahre alt war - es hätte verhindert werden können

Wenn wir im Badezimmer sitzen und die Tränen uns über das Gesicht laufen, wenn wir das Geräusch machen, das nur beim Schluchzen entsteht, da spüren wir unser Geheimnis.

Wir sind unzulänglich. Wir sind erschöpft. An manchen Tagen sind wir einfach verzweifelt.

Wir laufen wie in Trance durch den Supermarkt

Wenn wir alleine sind, dann laufen wir in einem tranceähnlichen Zustand durch den Supermarkt. Es ist so weit verbreitet, andere Eltern erkennen die Situation sofort. "Keine Kinder heute, was?" Wir machen Witze darüber. Unsere Partner sagen manchmal Dinge wie "Warum bist du so gestresst? Du hattest die Kinder gestern doch nicht!"

Versteht mich nicht falsch. Unsere Partner sind nicht rücksichtslos oder gemein. Sie sind einfach ehrlich. Wir sind so überfordert, dass eine einzige Stunde in einem überfüllten Supermarkt uns wie Erholung erscheint.

Vielleicht machen wir Witze darüber, dass es schon wieder Zeit für ein Gläschen Wein ist und alle unsere Freunde nicken zustimmend, liken unser Facebook-Foto oder Instagram-Bild. Aber vielleicht müssen wir uns einfach mal Hilfe suchen.

Das wäre auch eine Möglichkeit, nicht wahr? Gib mir ein paar Minuten, um es zu erklären.

Ich würde gerne alles vereinfachen - aber das wäre utopisch

Ich wäre gern dazu in der Lage, das alles zu vereinfachen. Als ob wir zu einem alten Volksstamm gehörten und ohne den Druck und Stress leben könnten, den wir von Tag zu Tag erfahren. Ich könnte euch von utopischen Träumereien berichten, aber es gibt zu viele Blogs, die bereits genau davon erzählen.

"Wir brauchen unseren Stamm." "

Wir müssen das Dorf zurückbringen."

"Früher hätte sich eine andere Frau als Amme eures Kindes angenommen, so dass ihr hättet schlafen können."

Mehr zum Thema: Deshalb sind Eltern noch viel erschöpfter als du denkst

Ich wünschte, wir alle könnten das heute noch haben. Jeden Tag stelle ich es mir vor. Üblicherweise immer dann, wenn ich mal wieder die Badezimmerwand anstarre und mir wünsche, ein Glas Wein zu trinken.

Lasst uns stattdessen mit dem arbeiten, was wir zur Verfügung haben. Lasst uns unsere Möglichkeiten nutzen.

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Erste Worte, erstes Durchschlafen - und der erste Kita-Platz: All das ist Thema in unserer Eltern-Gruppe bei Facebook. Meldet euch hier an.

Wir sollten unsere Ressourcen nutzen, anstatt zu verzweifeln

Deine Online-Community

Die haben wir alle in irgendeiner Form.

Professionelle Hilfe

Ich meine damit keinen Psychiater. Stellt eine Haushaltshilfe ein, eine Putzfrau, jemanden, der mit dem Hund Gassi geht. Finde heraus, was du dir leisten kannst. Und wenn es nur ein paar Euro für einen Wäscheservice sind, der deine Wäsche macht und sie dir gewaschen und gebügelt wieder übergibt.

Schlaf

Lacht nicht. Wenn ihr mich kennt, dann schmunzelt ihr sicher schon. Ich schlafe kaum.

Warum? Weil ich dann aufstehe, wenn unsere Kinder aufstehen und wenn sie abends ins Bett gehen, dann brauche ich Ruhe. Diese Ruhe dauert nicht selten bis 4 Uhr morgens und dann sind es noch genau drei Stunden, bis ich wieder aufstehen muss. Ich gehe also nicht nur mental auf dem Zahnfleisch sondern ernähre mich praktisch nur noch von Kaffee.

Mandalas

Selbst wenn ihr euch nicht als Hippie oder New Age-Anhänger bezeichnen würdet, können Mandalas euch wertvolle Minuten schenken. Zeichnet sie auf. Malt sie aus, wenn ihr mal wieder die ganze Nacht wach seid. Pinnt sie dann an die Badezimmerwand oder den Spiegel, um sie später anzustarren. Macht euch nur über mich lustig, aber probiert es selber mal für zwei Wochen aus und lasst mich wissen, wie es euch damit geht.

Die Wahrheit

Das habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, denn ich denke, das ist es, was wir am meisten brauchen. Wenn wir immer nur Witze über die Supermarkt-Erholung und den Wein machen, dann helfen wir uns selbst und anderen Eltern in keiner Weise.

Wie oft macht jemand so einen Witz, ihr lächelt und dann sehr ihr das tadellose Haus dieses Menschen? Ihr Pinterest-würdiges Abendessen? Wie oft trefft ihr Matt und Sarah bei einem Bootsausflug und all ihre Kinder lachen fröhlich?

Ihr hingegen habt gerade wieder Fertig-Hamburger serviert, seid auf einen Legostein getreten und bei dem Gedanken an einen Bootsausflug seht ihr nur, wie eines eurer Kinder über Bord geht und die Rettungsschwimmer anschließend in der Presse von dem Einsatz berichten.

Es ist in Ordnung, überfordert zu sein

Es ist absolut in Ordnung zuzugeben, dass ihr überfordert seid, dass es Tage gibt, an denen ihr euch wünscht, keine Eltern zu sein. Und ja, es gibt auch Tage, da wollt ihr einfach nur abhauen und ein ganzes Jahr lang nackt in eurem imaginären Loft Bilder malen (war das ein bisschen zu speziell? Oh.)

Wenn wir diese Gefühle als ganz normal betrachten, dann können wir auch herausfinden, wie wir einander helfen können. Wie wir uns selbst helfen können und schlussendlich auch, wie wir unseren Kindern bessere Eltern sein können.

Ich habe immer gesagt, dass ich nie so enden würde, aber ich kann nicht anders: Früher haben wir uns gegenseitig geholfen. Wir hatten ein Umfeld, wir hatten ein Ventil, wir konnten aufs Klo gehen, ohne dass jemand auf unserem Schoß saß.

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Wir dürfen uns nicht länger verstecken

Und jetzt? Jetzt haben wir Wein, Tabletten und eine falsche Vorstellung davon, was akzeptabel ist und was nicht.

Es ist nicht akzeptabel, dass Eltern ihre Gefühle so sehr verstecken, dass sie heimlich im Badezimmer weinen und sich anschließend kaltes Wasser ins Gesicht spritzen, damit ja niemand etwas merkt. Es ist nicht akzeptabel, dass der Einkauf im Supermarkt der Höhepunkt unserer Woche ist.

Lasst uns das Ganze umdrehen. Lasst es raus, holt euch Hilfe, biete anderen eure Hilfe an. Geht zur Maniküre und gönnt euch anschließend eine Massage, während jemand anderes auf eure Kinder aufpasst - und fühlt euch nicht schuldig dabei.

Wir dürfen uns nicht länger verstecken. Unser Leben hängt davon ab.

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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(ame)