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Warum ich froh bin, keine perfekte Mutter zu sein

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MUTTER TOCHTER
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Ich gebe zu, dass ich nachts sehr müde bin und meine Kinder das auch spüren, wenn ich zu ihnen ans Bett gehe. Oft machen sie dann Quatsch und ich sage ihnen, dass Mama gerne wieder schlafen möchte. Sie sind nicht traurig. Sie sind verständnisvoll.

Ich stehe dazu, dass sie mal einen Fleck nach dem Mittagessen auf dem Shirt haben. Und wenn der klein ist, ziehe ich sie nicht um. Auf dem Spielplatz stört uns das nicht.

Es kommt vor, dass ihre frische Kleidung zwei Tage vor dem Schrank liegt, bis ich sie einräume. Meistens helfen meine Töchter mir. Sie tun es aus freien Stücken und es macht ihnen Spaß. Das Thema "Wäsche" ist ohnehin nicht meine Stärke.

Ich bin manchmal inkonsequent und gebe ihnen noch ein drittes Schokobon

Es kommt vor, dass ich unmotiviert bin oder hab einfach keine Lust habe, stundenlang mit ihnen zu puzzeln. Ich hasse puzzeln. Das wissen die Kinder. Aber sie mögen es und machen es dann allein. Wenn sie eine Frage haben, helfe ich ihnen. Aber sie können das.

Schon sehr früh habe ich aufgehört, ihnen alles hinterher zu räumen. Sie können ihr Geschirr selber in die Küche bringen.

Ich gebe nicht vor, ihre Freundin zu sein. Ich bin ihre Mama und wenn ich sie verärgere, weil ich sie zu guten Menschen erziehen möchte, ist das okay.

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Abends bin ich froh, wenn sie im Bett sind und ich Feierabend habe. Ab und zu sage ich ihnen, dass sie heute ganz schön anstrengend sind. Und warum ich das denke. Sie sagen mir auch, wenn ich ihnen mit meinen Anliegen auf den Geist gehe. Das freut mich.

Seit fünf Jahren werden sie fremdbetreut und ich fühle mich deswegen nicht schlecht. Denn ich vertraue auf ihre Stärke. Ich werde sie nicht mit meiner Schwäche verunsichern.

Nicht einmal habe ich mit ihnen in einem Bett geschlafen. Das funktioniert einfach nicht. Zumindest nicht für uns. Und trotzdem haben wir eine Bindung, die enger nicht sein könnte.

Wir baden nicht jeden Tag und manchmal ist es höchste Eisenbahn, ihnen die Haare zu waschen. Nur kommt es vor, dass wir es vielleicht den Abend davor einfach nicht geschafft haben. Dann hilft nur eine Katzenwäsche.

Meine Kinder dürfen mich weder körperlich verletzen, noch verbal. Und da diskutiere ich auch nicht lang. Dann gibt es das böse Wort "Strafen". NATÜRLICH nie gewaltsamer Natur.

Oft lasse ich Fünfe grade sein und mach den zweiten Pudding auf, obwohl sie sich den ersten ausgesucht haben und den nun doch nicht mehr wollen.

Sie kochen mit mir. Am heißen Herd. Und kriegen auch ein scharfes Messer in die Hand. Bis jetzt haben sie noch alle Finger.

Sie wissen, wie man Eierkuchen macht - ganz allein

Sie wissen, dass man von einem Eisfleck auf der Jacke nicht stirbt.

Und sie lieben alle Arten von Insekten und fassen sie vorsichtig und ohne Ekel an. Wir retten zusammen Regenwürmer, Schnecken und Marienkäfer. Auch wenn wir deswegen zu spät zum Kindergarten kommen.

Ich habe bisher nie einen der hundert Ratgeber gelesen. Und werde es auch nie tun. Vieles, worüber sich andere Eltern Gedanken machen, ist mir einfach nicht wichtig.

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Ich habe zwei höfliche, glückliche Töchter, die schon fast sechs Jahre alt sind. Sie sind stolz darauf, was sie schon alles können.

Sie denken selbst nach und können immer zu mir kommen, um Fragen zu stellen. Es wird immer eine Antwort geben.

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Sie wissen von Anfang an, dass auch Erwachsene Fehler machen und nicht alles wissen. Und ich entschuldige mich bei ihnen, wenn ich falsch gehandelt habe. Und sie verzeihen mir.

Sie wissen, dass jeder seine Schwächen hat. Und wir uns genauso lieben.

Ich bin sehr froh, keine perfekte Mutter zu sein.

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