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Ein Völkermord bleibt ein Völkermord bleibt ein Völkermord!

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Lieber Frédéric Todenhöfer,

Ihrem Statement nach zu urteilen haben Sie unseren Artikel kommentiert ohne ihn tatsächlich gelesen zu haben. Anders lässt sich der Inhalt Ihrer Antwort nicht erklären. Sie und Ihr Vater stützen sich erneut auf die bereits zuvor genannten und widerlegten Leugner-Argumente der Türkei, mit der die türkische Regierung die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten seit jeher international zu verhindern versucht.

Sie propagieren die Ansicht, dass eine klare Vernichtungsabsicht bisher nicht hinreichend genug erwiesen sei. Die Beurteilung, so wiederholen Sie die Fakten ignorierend, solle durch eine unabhängige Historikerkommission erfolgen - obwohl die erfolgte Errichtung dieser Kommissionen von uns nachweisbar mit Primärquellen aufgezeigt wurde. Wir wiederholen es gerne: Bereits 2001 sowie 2015 haben Historikerkommissionen stattgefunden und kamen zu dem Ergebnis, dass die Vernichtung der Armenier 1915 alle Straftatbestände der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes erfüllt.

Den Verantwortlichen der Ereignisse 1915 war die Konsequenz bewusst, dass ihr Handeln die vollständige oder partielle Vernichtung der Armenier bedeuten würde und daher eine genozidale Absicht gegeben war, so lautet ein Urteil des ICTJ, welche mit der Untersuchung der Ereignisse 1915 von der Türkisch-Armenischen Versöhnungskommission (TARC) beauftragt worden war.

Die erneute Benennung des Vorhandenseins international bekannter Genozidleugner ändert nichts an der Tatsache, dass der Völkermord unter anderem
  • von der nahezu geschlossenen Mehrheit der weltweiten Historiker und Genozidforscher
  • vom International Center for Transitional Justice (ICTJ)
  • von der Internationalen Vereinigung von Völkermordforschern (IAGS)
  • und dem Permanenten Völkertribunal

ausgiebig untersucht, eine eindeutige Vernichtungsabsicht festgestellt und die Massaker als Genozid eingestuft wurden. Selbst wenn Sie die Thesen der Leugner des Völkermords an den Armeniern - welche ebenso wie die Leugner des Holocausts eine verschwindende Minderheit darstellen - ein drittes Mal wiederholen würden, ändert dies nichts an den festgestellten Tatsachen und der historischen Wahrheit. „Ein Völkermord bleibt ein Völkermord bleibt ein Völkermord!", so SPD-Abgeordneter Dietmar Nietan am 2. Juni im Bundestag.

Ein Statement zum Völkermord an den Armeniern zu verfassen, darin jedoch einen Völkermord nicht Völkermord zu nennen, sondern sich argumentativ und wiederholend auf umstrittene Thesen bekannter Völkermordleugner zu stützen und eine Genozidrelativierung zu betreiben, macht Sie und Ihren Vater - leider - ebenso zu Leugnern des Armeniergenozids.

Die Verantwortlichen des Völkermords an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten wurden, wie Sie und Ihr Vater zwar richtig erwähnen, bei den Istanbuler Prozessen für ihre Verbrechen an den Armeniern zum Tode verurteilt. Was Sie jedoch auch hier erneut verschweigen: Talat Pascha, der Hauptverantwortliche für den Völkermord ist mit deutscher Hilfe nach Berlin geflohen und fand dort - als zum Tode verurteilter Kriegsverbrecher - Asyl. Nach seinem Tod wurde der Leichnam von Talat Pascha in einem pompösen Staatsakt vom NS-Regime in die Türkei überführt.

Heute liegen die Verantwortlichen für den Völkermord in Ehrengräbern begraben - unter anderem auf dem Türkischen Friedhof Berlin - und Straßen sowie Schulen in der Türkei sind nach ihnen benannt. Ebenfalls auf dem Gelände des Friedhofs in Berlin steht die zum DITIB-Verband gehörende Sehitlik-Moschee. Das degoutante dabei: „Sehitlik" bedeutet übersetzt „Märtyrer".

Die Berliner Moschee ist benannt nach den zwei „Märtyrern" - Völkermördern -, die auf dem Friedhof vor der Moschee begraben liegen. Man stelle sich vor, es würden in Deutschland Ehrengräber für Adolf Hitler, Heinrich Himmler oder Joseph Goebbels existieren. Wie würde sich wohl die jüdische Gemeinde dabei fühlen. Eine abscheuliche Vorstellung. Im Falle der Armenier ist diese traurige Realität.

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