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Die Gredinger Schlacht 2017 - Habemus ottem - Fortsetzung des Aufstellungsparteitags der AfD

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Fazit des Wochenendes
Der nächste Teil des Aufstellungsparteitags ist erfolgreich beendet worden. Der von der Presse und den anderen Parteien befürchtete Rechtsruck blieb aus. Ich bleibe dabei, wer die emotionalste Rede mit der höchstmöglichen Authentizität mit dem richtigen Zeitpunkt verbindet, hat sehr gute Chancen einen der, sehr begehrten, Listenplätze zu bekommen.
Die Mitglieder, keine Delegierten, entscheiden sehr spontan, sind aber zu strategischen Entscheidungen fähig. Das stärkt die Basisdemokratie.

Samstag
Sehr augenscheinlich wurde dies beim Parteifreund Florian Jäger, dessen Rede zu viele Defizite aufwies, um genügend Stimmen zu bekommen. Da er sich gegen den angeschlagenen, aber auch außerhalb der Partei bekannten Petr Bystron stellte, führte dies zu einer sehr harten Niederlage (324:97:47:8). Dies war wohl der letzte Wahlgang ohne Stichwahl, dachte ich, aber diese Wette sollte ich verlieren.

Der Platz 5 wurde auch sehr spannend geschlagen. In die Stichwahl kamen Dirk Drisang und Martin Sichert. Diese Wahl war außerordentlich knapp und spannend und Sichert gewann knapp mit 252:210 Stimmen. Als Fazit, der erste Flügenkandidat ohne eine Beschädigung von Drisang. Auch hier zeigte sich, zwei gute Redner landeten in der Stichwahl.

Der nächste Wahlgang empfand ich als seltsam, auf einmal stehen sich zwei Wirtschaftsfachleute gegenüber, Hans-Jörg Müller und Peter Felser. Beide gaben Vollgas in ihren Reden und Antworten. Und siehe da, wieder landeten beide in der Stichwahl. Und diese endete ebenfalls knapp 230:203 für Müller (kein Tippfehler, gleiche Ziffern).

Der 7. Platz war etwas anders, Stefan Protschka (Moderator am Aschermittwoch) ging in den Kampf um Platz 7 und ebenfalls hier, der beste Redner kam ebenfalls in die Stichwahl. Felser gegen Protschka, also Fachmann oder Charakter. Jetzt wurde es schwierig, und wie entscheiden die Mitglieder?
Fachmann Felser 267:113.
Nun ging die Zeit zu Ende und der Parteitag wurde auf Sonntag vertagt.

Sonntag
Auf einmal stehen 11 (!) neue Kandidaten auf der Liste für Platz 8. 11 Neue! 3 Bekannte.

Jetzt muss ich das Prozedere kurz erklären, damit jeder weiß, was das bedeutet:
5 Minuten braucht der Versammlungsleiter für die Prüfung der Unterlagen, 10 Minuten dauert die Rede des Kandidaten. Anschließend melden sich mehrere Fragensteller, aus denen danach 5 Fragesteller gelost werden. Jede Frage dauert 30 Sekunden plus Denkpause, die Antwort darf 1 Minute dauern. Wer jetzt rechnen kann, erkennt, dass für jeden Redner mindestens eine halbe Stunde eingeplant werden muss, zusätzlich zu jeder Unterbrechung.
In dem Moment war klar vor 14 Uhr wird es keinen Wahlgang geben, eher später.

So kam es dann auch!

Und jetzt kam der Augenblick, der zum totalen Thriller wurde! Wenn es ein Thriller-Drehbuch gab, in diesem Wahlgängen wurde es zur Lachnummer, denn hier überholte die Wirklichkeit jedes virtuelle Drehbuch.

Es war klar, dass es nur in einer Stichwahl enden musste. Richtig mitreißende Reden kamen in dieser Runde von (alphabetisch, ohne Wertung) Christian Klingen und Iris Wassill. Erwähnenswert: Dirk Drisang ging auch in diesen Wahlgang!
Ergebnis (alphabetisch): Drisang:Klingen:Wassill 46:50:55. Somit erfolgt eine Stichwahl zwischen Klingen und Wassill.

Hier ein kleiner Einschub zum Wahlverfahren:
Auf dem Stimmzettel gilt nur ein Kreuz! Folgende Möglichkeiten gibt es:
Enthaltung, damit wird das Quorum, also die absolute Mehrheit abgesenkt.
Nein für Alle, damit stellt das Mitglied sich gegen die Kandidaten.
Stimme für einen Kandidaten.

Nun folgte das Ergebnis der Stichwahl:
41 Stimmen gegen beide Kandidaten, Quorum: 147, Wassill:Klingen 143:108

Somit wurde das Quorum nicht geschafft, doch was passiert jetzt?

Laut Satzung geht nun der gesamte Wahlgang von vorne los!

8 Kandidaten stellen sich zur Wahl und das Ergebnis lautet:
...
Drisang:Klingen:Otten 64:56:56

Es gibt also eine Stichwahl, die zur Stichwahl führen wird.

Ergebnis: Drisang:Klingen:Otten 86:85:81

Jetzt findet somit eine Stichwahl Drisang:Otten statt.

Und wird es endlich ein Ergbnis geben?
Wir haben inzwischen 19:36 als das Ergbnis verkündet wird:
Von 248 Stimmen gibt 1 Enthaltung und 69 Gegen Alle.
Drisang:Otten 77:101
Und beide verfehlen das Quorum von 124!
Und wieder geht es von vorne los!

Und jetzt ändert sich die Stimmung im Saal, es wird viel diskutiert, viele positionieren sich! Und was geschieht? Alle Kandidaten, die keine Chancen haben, ziehen sich zurück.

2 Kandidaten
Klingen:Otten 75:146

Habbus ottem

Gerold Otten ist formal im ersten Wahlgang gewählt. Der Wahlgang um Platz 8 ist beendet.

Die Gredinger Schlacht ist geschlagen!

Jetzt kommt Platz 9.

Und ja, es ist keine Witz: 9 Bewerber für Platz 9. Sofort ist klar, ohne Stichwahl bekommt keiner der Kandidaten eine Mehrheit. Genauso kommt es!
Niederbayer Original gegen Junge Alternative-Jugend, Protschka gegen Hauptmann lautet die Stichwahl.
Das Ergebnis: 140:69 Protschka:Hauptmann

Nach einigen Formalien wird der Parteitag beendet.

Fazit:
Es schon erstaunlich, welchen Aufwand sich die AfD-Bayern bei der Kadidatenauswahl macht. Der 8. Wahlgang wird wohl noch Enkelkindern erzählt werden, manche Papstwahl ging schneller vonstatten. Ein schönes Beispiel für echte Basisdemokratie.
Nun geht es weiter mit der Fortsetzung im Mai.