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Außerirdische - Das große Tabu unserer Zeit

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Mit der Allen Telescope Array lauschen Astronomen nach intelligenten außerirdischen Signalen.
Quelle/Copyright: seti.org

Glauben Sie an Außerirdische? Also nicht nur an mikroskopische Bakterien, sondern an intelligente, uns Menschen vielleicht sogar überlegene Zivilisationen? Zivilisationen, die uns vielleicht sogar schon einmal auf der Erde besucht haben und dies vielleicht weiterhin tun? Schließlich wäre ein solches Szenario doch eine naheliegende Erklärung für so manche Phänomene, über die sich Wissenschaftler, Forscher, Enthusiasten, Fans, Kritiker und Skeptiker fortwährend streiten. Phänomene wie etwa unidentifizierte Flugobjekte (also UFOs), Kornkreise, mysteriöse Entführungen, bizarre Tierverstümmelungen oder auch eine Vielzahl prähistorischer Bauwerke und Anlagen, angesichts deren Größe, astronomischer Ausrichtung, dem schieren Gewicht ihrer Baumaterialien und architektonischen Komplexität selbst heutige Ingenieure nur staunen können.

Wenn ja, dann sind Sie mit dieser Überzeugung nicht alleine: Laut einer aktuellen Umfrage der US-amerikanischen Huffington Post und des Marktforschungsinstituts YouGov glauben 50 % der US-Bürger an die Existenz außerirdischen Lebens und immerhin noch 38 % an intelligente Aliens. 25 % glauben, dass diese die Erde schon besucht haben.

Tatsächlich legen neue Schätzungen der NASA nahe, dass jeder fünfte von etwa 200 Milliarden sonnenähnlichen Sternen alleine in unserer eigenen Heimatgalaxie der Milchstraße, von mindestens einem erdähnlichen und potentiell lebensfreundlichen Planeten umkreist wird.

Es wird Sie aber vielleicht verwundern zu erfahren, dass sich gerade unter jenen Wissenschaftlern und Forschern, die sich der Erforschung genau der obig genannten Phänomene verschrieben haben, auffallend viele finden, die ihr Forschungsinteresse und ihre Arbeit öffentlich von der Erklärung, dass Außerirdische damit zu tun haben könnten, gezielt bis vehement distanzieren.

Zugegeben: Ich selbst bemühe mich seit gut 20 Jahren um eine ernsthafte Erforschung des Phänomens der Kornkreise - und ja, auch ich gehöre zu jenem Forscherkreis, der sich mit der Assoziation meiner Arbeit mit außerirdischen Besuchern, wie sie im Falle der Kornkreise Botschaften in die Felder "beamen" sollen, ehrlich gesagt schwer tut.

Tatsächlich bin ich nach all den Jahren der Feldforschung zwar davon überzeugt, dass es - neben den zweifellos existierenden "Kopien" und Fälschungen von Menschenhand - ein "echtes" Phänomen gibt, das in sprichwörtlicher Windeseile auch große und geometrisch komplexe Muster in die Felder "zaubern" kann. Doch in besagten 20 Jahren habe ich zwar handfeste Indizien und Beweise für dieses "echte Phänomen", aber noch keine stichhaltigen Anzeichen dafür gefunden, dass Kornkreise von Außerirdischen hinterlassen werden - weswegen ich zunächst nach noch unbekannten Naturphänomenen als Erklärung für die Zeichen im Korn suche.

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Naturphänomen, kosmische Botschaft oder doch nur kunstvoller Schwindel? Eine 230 Meter große Kornkreisformation nahe Stonehenge im Sommer 2002.

Quelle/Copyright: Andreas Müller, kornkreise-forschung.de

Eine ähnliche Distanzierung von der sogenannten "extraterrestrischen Hypothese" (ETH) ist auch in anderen grenzwissenschaftlichen Forschungszweigen zu beobachten - gerade auch in der akademischen UFO-Forschung und natürlich unter den diese Phänomene verneinenden Skeptikern. Hier sucht man nach zahlreichen Alternativen zur Alien-Erklärung und spekuliert stattdessen, wenn nicht über Schwindel, Fehlinterpretationen bekannter technischer wie natürlicher bzw. astronomischer Erscheinungen, dann doch lieber über Zeit- oder Dimensionsreisende. Vor dem Hintergrund so mancher gut dokumentierter und/oder glaubhafter UFO-Sichtung klingen diese Erklärungsansätze allerdings meist nur vermeintlich logischer, neuer, innovativer und damit vielleicht intellektuell akzeptabler. Einleuchtender, deshalb verständlicher oder gar erklärt werden diese Fälle dadurch aber auch nicht.

In seinem wirklich lesenswerten Buch "Außerirdische - Das große Tabu unseres Zeitalters" (dem ich auch den Titel dieses Beitrags entlehnt habe), diskutiert der Kommunikations- und Kulturwissenschaftler, Soziologe und Journalist Bernhard Pröschold genau dieses Problem, dem sich selbst jene Astronomen offenbar nicht entziehen können, die gezielt nach Radio- und Laserlicht-Botschaften im Rahmen der "Suche nach außerirdischer Intelligenz" (SETI) fahnden.

Auch unter den SETI-Astronomen gilt die Vorstellung, dass "ET" bereits hier war und statt der von den irdischen Forschern bevorzugten (wenn auch nach kosmischen Maßstäben vielleicht etwas in die Jahre gekommenen) Radiotechnologie durch Kornkreise mit uns zu kommunizieren versuchen könnte, eher als unfein.

Presse, Funk, Fernsehen und Kino befeuern dieses Tabu ihrerseits zusehends, indem sie die Thematik entweder mit Klischees aggressiver Weltraummonster belegen, selbst gänzlich unkritisch berichten, oder sich in der meist ironisch überzeichneten Darstellung entsprechender Sachverhalte, bis hin zur offensiven Diskreditierung beteiligter Zeugen oder der um eine offene Untersuchung bemühten Forscher üben.

Dass diese Ablehnung und das die Sachverhalte ins Lächerlicheziehen aber nicht nur aus Sicht der "Alien-Gläubigen", sondern auch aus rational und wissenschaftlicher Perspektive nicht nur überheblich oder gar falsch ist und damit möglicherweise sogar grob fahrlässig sein könnte, erläutert Pröschold mit entwaffnender Logik.

Vor dem Hintergrund etwa der immer wieder vorgebrachten Behauptung, alleine die Entfernungen selbst im sonnensystem-nahen Universum seien schlichtweg "viel zu groß", als dass eine schon auf einem Planeten um einen Nachbarstern existierende Zivilisation die Erde besuchen könnte, erläutert Pröschold zunächst, dass es "vom Primaten zum modernen Menschen nur einen Wimpernschlag" gedauert habe.

"Reduziert man die 13,7 Milliarden Jahre alte Geschichte des Universums auf ein Kalenderjahr, so trennt sich die Entwicklungslinie von Mensch und Schimpanse erst am 31. Dezember um 20 Uhr, und die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus findet erst eine Sekunde vor Mitternacht statt. Aus dieser Perspektive erscheint der gegenwärtige Entwicklungsstand der menschlichen Zivilisation (geschweige denn ihrer Entwicklung moderner Technologien) nur als eine mehr als flüchtige Randnotiz in einem größeren Rahmen der kosmischen Evolution."

Andere Zivilisationen könnten uns biologisch, intellektuell und technologisch also schon weit voraus sein und eine für uns buchstäblich unvorstellbare Entwicklungsstufe erreicht haben, deren Technologien einem menschlichen Beobachter zwangsläufig geradezu übernatürlich, übersinnlich und magisch erscheinen müssten.

Einem "irdischen UFO" gleich, landete mit "Curiosity" der aktuelle Mars-Rover der NASA m 6. August 2012 auf dem Roten Planeten (Illu.)

Doch wenn dem so wäre, so stellt sich die Frage, wo diese Außerirdischen Superzivilisationen denn sind und warum es noch nicht zu einem Kontakt mit uns gekommen ist?

Während einige UFO-Zeugen dieser Feststellung vehement widersprechen und nicht nur auf die tausenden jährlicher UFO-Sichtungen, sondern sogar auf direkte eigene Kontakte mit den extraterrestrischen UFO-Insassen verweisen, gibt auch die rationale Naturwissenschaft eine erstaunlich einfache Antwort auf dieses sogenannte "Fermi-Paradoxon". So stellte die Physikerin Gato-Rivera 2004 fest, dass eine Kontaktaufnahme zwischen zwei Zivilisationen voraussetzt, dass sich beide auch ähnlich sind. Pröschold führt dazu weiter aus, dass aufgrund der überaus kurzen Zeitspanne, "seit der wir überhaupt in der Lage sind, über außerirdische Zivilisationen nachzudenken" es sehr wahrscheinlich ist, dass "andere Zivilisationen eine Entwicklungsstufe jenseits unserer Vorstellungskraft entwickelt haben", und uns daher vielleicht einfach nicht als potentiellen Teil ihrer Gemeinschaft betrachten.

Tatsächlich tun wir Menschen nichts anderes, wenn wir zwar versucht haben, mit anderen menschlichen Völkern und Kulturen in Kontakt zu treten wir uns angesichts etwa von Berggorilla-Populationen jedoch zunächst auf das möglichst ungestörte Beobachten dieser - obwohl mit uns doch direkt verwandten - Spezies konzentrieren und nicht etwa versuchen, mit ihnen eine Diskussion über Relativitätstheorie und Quantenphysik zu führen.

Trotz unseres also noch niedrigen technologischen Entwicklungsstandes sind aber auch schon unsere Wissenschaftler um Visionen einer schon in absehbarer Zukunft realisierbaren interplanetaren, ja sogar interstellaren Raumfahrt bemüht. Neben Gedankenspielen um Fusions- und Antimaterieantrieben beschäftigen sich NASA-Ingenieure sogar schon heute konkret mit der Erforschung und ersten Konstruktion möglicher Warp-Antriebe, wie sie bislang nur aus "Star Trek" bekannt waren.

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Konzept eines Warp-Raumschiffs nach Miguel Alcubierre, das die Raum-Zeit um sich herum krümmt und damit zwar vielfache Lichtgeschwindigkeit erreichen, zugleich jedoch das kosmische Tempolimit genau dieser Lichtgeschwindigkeit nicht verletzten würde.

Quelle/Copyright: Harold White

Dass auch die Vorstellung von intelligenten außerirdischen Zivilisationen selbst weder in der Theorie noch in der Praxis wissenschaftlichen Paradigmen oder gar biologischen und kosmologischen Gesetzen widerspricht und von der Wissenschaft sogar ernsthaft in Betracht gezogen wird, zeigt nicht zuletzt die bereits erwähnte SETI-Forschung: "Erhebliche private Forschungsgelder sind bereits in entsprechende Projekte geflossen, und viele Jahre lang hat die US-Regierung die Suche nach außerirdischen Signalen finanziell bezuschusst", so Pröschold. "Außerirdisches Leben oder gar außerirdische Intelligenz sind also im Wissenschaftsbetrieb durchaus salonfähige Begriffe. Wer allerdings auf der Erde nach Anzeichen außerirdischer Präsenz Ausschau hält, verlässt nach allgemeinem Dafürhalten den soliden Boden der seriösen Wissenschaft."

Die Frage nach außerirdischen Besuchern ist also keine ersatzreligiöse Glaubensfrage, sondern eine Frage, die sich wissenschaftlich untersuchen lässt.

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