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Wie die Politik mit den Berliner Flughäfen umgeht, ist verantwortungslos

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BERLIN AIRPORT
Hannibal Hanschke / Reuters
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Die Berliner Flughäfen sind endgültig in das Märchenreich der Parteipolitik entschwunden. Der neue Großflughafen BER wird einfach nicht fertig - das ist lächerlich. Und der alte Flughafen Tegel soll nun einfach ewig weitermachen. Das ist rechtswidrig. In keinem Fall beweisen die zuständigen Politiker Verantwortungsbewusstsein.

Der alte und der neue Berliner Flughafen sind schicksalhaft aneinander gebunden: Der alte muss dichtmachen, sobald der neue in Betrieb geht. Beide teilen außerdem das Versagerimage.

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Während der völlig veraltete Airport Tegel wegen der explodierenden Passagierzahlen haarscharf am Chaos vorbeischrammt, ist eine Vollendung des BER auch zwanzig Jahre nach der Bauentscheidung und ein halbes Jahrzehnt nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin nicht in Sicht. Auf Tegel liegt der Mehltau der Geschichte - auf dem unfertigen BER der Feenstaub des Unwirklichen.

Die Politik flüchtet sich in Fantasiewelten

Statt diese Probleme ernsthaft anzupacken, flüchtet die Politik in Fantasiewelten. Die Berliner FDP hat als erste mit der Idee Wahlkampf gemacht, Tegel einfach für immer offenzulassen. Das widerspricht geltendem Recht und kostet bis zu 200 Millionen Euro im Jahr zusätzlich. Überzeugende Argumente für die Hauptstadt-CDU, sie ist auf den Zug mit aufgesprungen. Und sogar der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ist jetzt ein Neu-Tegelianer. In Wahlkampfzeiten scheinen die Parteien Halt in haltlosen Versprechungen zu suchen.

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Gleichzeitig erfinden die BER-Fantasten von Berlin und Brandenburg immer neue Eröffnungstermine in immer fernerer Zukunft. Und die Bundesregierung träumt mit. Letzte Woche haben die entrückten Bauherren gemeinsam beschlossen, die Kapazitäten der Schönefelder Fata Morgana durch einen weiteren Terminalbau zu erhöhen! Sie vervielfachen damit die Passagierkapazität von derzeit Null auf - Null. Denn auch in absehbarer Zukunft räumt keiner dieser Träumer den ganz realen Schlamassel auf der Baustelle weg. Und keiner will dafür die politische Verantwortung übernehmen.

Mit der Wirklichkeit hat das alles nichts mehr zu tun. Die Berliner Flughäfen sind wie die goldene Kugel im Märchen vom Froschkönig, nur ein Zeitvertreib für lustlose Politiker, ein Spielball der Parteipolitik. Aber in der Berliner Variante will niemand die Kugel aus dem Brunnen holen. Die Politik ist dabei ein Märchen über Politikversagen zu schreiben, das bald jedes Kind kennen könnte.

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