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Davor muss sich Deutschland fürchten und es ist nicht die AfD

14/03/2016 11:44 CET | Aktualisiert 15/03/2017 10:12 CET
dpa

Die AfD ist stark, aber noch stärker ist die Gefahr eines populistischen Schulterschlusses.

Am Sonntagabend hatte die AfD ihren großen Auftritt. Seit diesem Tag ist sie eine politische Macht in gleich drei weiteren Landesparlamenten. Ihren Weg dorthin hat sie sich mit markigen Sprüchen und provokanten Vorschlägen gebahnt - und damit viel Unruhe in die deutsche Politik gebracht.

So kraftstrotzend die AfD jetzt auftritt, so kleinlaut dürfte sie schnell wieder abtreten

Die vertraute Ordnung der Parteienlandschaft zerfalle, warnt Hans-Ulrich Jörges im Stern. Andere Kommentatoren und politische Gegner sehen in der AfD sogar eine Gefahr für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Deutschland. Doch diese Angst ist unbegründet. So kraftstrotzend die AfD jetzt auftritt, so kleinlaut dürfte sie schnell wieder abtreten. Zum Verhängnis dürfte ihr ein Geburtsfehler werden, den sie kaum abschütteln kann.

Die junge AfD erblickte das Licht der Welt als ein Gentlemen's Club für Wirtschaftsprofessoren. Ihre Mission: Mit ökonomischer Vernunft die Euro-Krise lösen. Die Professoren glaubten an eine marktorientierte Wirtschaftsordnung. Sie waren dem Liberalismus einer FDP näher als dem Nationalismus einer NPD.

Nach den Professoren kamen die Populisten. Die AfD von heute setzt auf nationalkonservative Slogans und einen autoritären Staat. Beim Wähler kommt das an. Aber ihr wirtschaftsliberales Erbgut taugt nicht zum Populismus. Mit Forderungen nach einem schlanken Staat und persönlicher Entscheidungsfreiheit, Weltoffenheit und Freihandel ist politisch kein Blumentopf zu gewinnen. Das ist die Spannung, unter der die AfD schon einmal auseinandergerissen ist - und die ihr langfristig das Genick brechen könnte.

Die erste Partei, die alle diese Zutaten zu einer einzigen Brühe verrührt, hätte das Rezept für eine ernstzunehmende populistische Macht.

Dabei gibt es auch wirtschaftspolitische Ideen, die keine Ladenhüter sind. Die stammen allerdings von der gegenüberliegenden Seite des politischen Spektrums und lauten: Konzerne zerschlagen, Banken verstaatlichen, Freihandel boykottieren, die Lohnfindung staatlich steuern, Reiche enteignen.

Noch kocht jede der beiden Seiten ihr eigenes populistisches Süppchen. Aber die Zutaten beider Suppen sind für alle verfügbar. Die AfD hat nationalkonservative Positionen aus dem Schatten geholt. Und Bewegungen wie Occupy Wall Street oder Attac haben radikal wirtschaftsfeindliche Positionen salonfähig gemacht, nachdem Fehlverhalten in der Wirtschaft das Vertrauen in die Marktwirtschaft erschüttert hatte.

Die erste Partei, die alle diese Zutaten zu einer einzigen Brühe verrührt, hätte das Rezept für eine ernstzunehmende populistische Macht. Sie könnte Wähler von ganz links und ganz rechts genauso gewinnen wie bisherige Nicht-Wähler. Natürlich wäre ihr Programm niemals widerspruchsfrei. Aber das dürfte diejenigen nicht stören, die sich mit eingängigen Radikalforderungen begnügen. Eine solche Partei könnte die politische Tektonik Deutschlands wirklich erschüttern - und zu einer echten Bedrohung für unsere Freiheit werden.

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