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Fed auf tödlicher Mission

24/09/2015 20:01 CEST | Aktualisiert 24/09/2016 11:12 CEST
Thinkstock

Janet Yellen gilt als die viertmächtigste Frau der Welt. Doch ihre jüngste Zinsentscheidung zeigt, wie schwach sie wirklich ist - und wie sie sich selbst weiter demontiert. Das könnte fatale Folgen für uns alle haben.

Kamikaze-Flieger nannte man im Zweiten Weltkrieg japanische Piloten, die als menschliche Bomben losgeschickt wurden, um den Gegner und sich selbst zu zerstören. Als die oberste Notenbänkerin der USA letzte Woche entschied, die Leitzinsen im Sinkflug zu belassen, steckte sie die Weltwirtschaft in ein Flugzeug - und schickte es auf eine Kamikaze-Mission.

Wieso ist die Zinsentscheidung so gefährlich?

Wirtschaftspolitiker_innen haben zwei Instrumente, um die Wirtschaft zu lenken. Das erste ist das Spiel mit den Zinsen. Eine Erhöhung der Zinsen verhindert in der Hochkonjunktur eine Überhitzung, eine Absenkung der Zinsen ist die Antwort der Notenbänker_innen auf eine schwächelnde Wirtschaft. Ist der Konjunkturmotor dann wieder angesprungen, erhöhen sie üblicherweise auch wieder das Zinsniveau.

Doch die Fed erhöhte die Zinsen nicht - und das obwohl die US-Wirtschaft mit über 3 Prozent wächst, obwohl die Arbeitslosigkeit bei nur 5% liegt und obwohl die Amerikaner_innen in Spendierlaune sind. Das Problem dabei ist: Wenn die Zinsen schon auf niedrigster Stufe sind, kann die Fed sie in einer zukünftigen Krise nicht weiter herunterschrauben.

Das zweite Instrument, zu dem Wirtschaftspolitiker_innen greifen, ist die Budgetpolitik. Die Schäubles dieser Welt öffnen ihre Schatullen, wenn die Wirtschaft in die Krise gerät - und feuern mit staatlichen Geldern für Straßen, Schulen und Steuererlassen die Konjunktur an. Doch die öffentlichen Kassen sind trotz Boom leer. Der US-Haushalt ist bereits mit über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet. Und viele Bundesstaaten dürfen überhaupt keine Kredite mehr aufnehmen. Damit können sich also auch die Finanzpolitiker kaum noch mit höheren Ausgaben von einer Krise freikaufen.

Was es heißt, wenn in einer akuten Krise weder die Regierung noch die Notenbank in der Lage sind, den Geldhahn aufzudrehen, dafür ist die Euro-Zone ein abschreckendes Beispiel. Geldpolitik ist hier Sache der Europäischen Zentralbank - und die darf mit ihren Zinsentscheidungen nicht nur an Krisenstaaten wie Griechenland (25 Prozent Arbeitslosigkeit) denken, sondern muss auch Boom-Ländern wie Deutschland (6 Prozent Arbeitslosigkeit) gerecht werden. Einen eigenen Griechenleitzins gibt es nicht mehr. Gleichzeitig halten die Maastricht-Kriterien den Haushaltsspielraum in engen Grenzen. Kurzum: Die Wirtschaftspolitiker stehen da wie ein Bildhauer, dem man Hammer und Meißel genommen hat. Alles, was sie noch haben, ist die Hoffnung auf Besserung.

Die Hoffnung bleibt auch die letzte Verbündete von Janet Yellen. Es ist die Hoffnung, dass bis zur nächsten konjunkturellen Abkühlung genug Zeit bleibt, um rechtzeitig umzusteuern. Gerade Europas Impotenz ist es, was die Weltwirtschaft so abhängig von der Stärke der USA und ihrer Notenbank macht. Doch setzt deren Chefin Janet Yellen ihre Strategie der Selbstentmachtung fort und lässt den Zins unverändert, könnte die größte Volkswirtschaft der Welt mit dem nächsten Abschwung in eine dauerhafte Depression stürzen - und den Rest der Welt mitziehen. Es wäre ein vorprogrammierter Absturz.

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