BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Andreas Kugler Headshot

Die CDU darf sich nicht von der AfD jagen lassen und muss sich endlich vom rechten Rand lösen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MERKEL
Nikada via Getty Images
Drucken

Die AfD bläst zur Jagd - und die Union macht sich schon zur Beute. Statt sich den Rechten entschieden entgegenzustellen, läuft sie ihnen lechzend hinterher.

Die AfD hat alles erreicht. Sie zieht als Fraktion in den Bundestag ein. Und noch wichtiger: Sie setzt in der politischen Debatte in diesem Land die Themen und den Ton.

Nach der Wahl scheinen diese Themen noch rechter, der Ton noch rauer zu werden. AfD-Spitzenkandidat Gauland will die Bundespolitik zu einer Jagd machen.

Die Strategie der Union ist Politschrott

Besonders bereitwillig lässt sich die CSU jagen. Seehofers "Deutschland soll Deutschland bleiben" ist ziemlich nah an Gaulands "Wir werden uns unser Land zurückholen." Die CSU klingt wie jemand, der seit langem insgeheim darauf gewartet hat, endlich wieder seinen fremdenfeindlichen Ressentiments freien Lauf lassen zu können.

Mehr zum Thema: Die CDU hat zuerst Platz für die AfD gemacht - jetzt steht sie ihr hilflos gegenüber

Aber auch die CDU schmiegt sich an den rechten Rand an. Merkel will AfD-Wähler zurückgewinnen - mit anderen Worten: Ausländerfeinden und Wehrmachtsromantikern eine politische Heimat sein.

Die Union klebt immer noch an den beiden althergebrachten Strategien im Umgang mit Rechts: Entweder rechte Themen totschweigen und bloß nicht die Büchse der Pandora öffnen. Oder den extremen Rand vereinnahmen und in die große Volkspartei der rechten Mitte integrieren. Das ist es, was Merkel und Seehofer jetzt gerade vorhaben.

Doch beide Strategien sind Politschrott aus vergangener Zeit. Die erste scheitert an den neuen Medien und der blitzartigen Verbreitung unappetitlicher Inhalte, seien sie wahr oder erfunden.

Die zweite scheitert daran, dass es mit der AfD nun eine Partei exklusiv für rechte Sympathisanten gibt. Wozu die CDU wählen, wenn die AfD alles bietet, was das braune Herz begehrt?

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

Es ist Zeit für die Union sich klar zu Toleranz zu bekennen

Die Union braucht eine neue Gegenstrategie. Sie muss zur Kenntnis nehmen, dass es rechtes Gedankengut gibt und sich ihm beherzt entgegenstellen. Sie muss erklären, dass sie sich für ein offenes, modernes Land einsetzt.

Mehr zum Thema: "Die Afd muss weg" - Mit solchen Forderungen machen wir sie nur noch stärker

Sie muss begründen, warum Toleranz gegenüber Minderheiten besser für die Mehrheit ist. Sie braucht eine neue Eindeutigkeit in ihrer Position und in ihren Parolen. Die Union muss endlich klarstellen, dass sie auf der richtigen, nicht auf der rechten Seite steht.

Natürlich wird sie damit einige Wähler für immer an die AfD verlieren. Doch von den Schwesterparteien, die die Bundesrepublik nach der Gründung und nach der Wiedervereinigung geformt haben wie keine andere politische Kraft und die für sich einen natürlichen Regierungsanspruch behaupten, muss es selbstverständlich sein, dass sie sich für die Werte starkmachen, die dieses Land auszeichnen: Offenheit, Toleranz, Menschlichkeit und Demokratie.

Lieber eine Kanzlerin der Mitte und eine kleine rechte Opposition als eine rechte Kanzlerin ohne echte Opposition.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');