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Aufstieg oder Abstieg - München muss sich entscheiden.

28/03/2016 18:38 CEST | Aktualisiert 29/03/2017 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

In den nächsten Wochen wird es wieder um dem Bau der 3. Startbahn in München gehen. Man wird über aktuelle Passagierzahlen, Flugbewegungen und verfügbare Slots diskutieren, Umweltbelastung und Lärmbelästigung ins Feld führen und den Lebensraum mehr oder weniger bekannter Tierarten.

Unternehmen siedeln in München nicht nur wegen der Biergärten.

Viel zu kurz dabei kommt die Bedeutung, die ein internationaler Flughafen mit Drehkreuzfunktion für die Menschen in der Metropolregion München und weit darüber hinaus hat. Der Großraum München ist für viele international tätige Unternehmen nicht allein wegen seiner Biergärten, seiner Lage und wegen seines Kulturangebotes spannend, sondern eben auch wegen seiner internationalen Anbindung.

Auch in Zeiten von Videokonferenzen sind Geschäftsreisen notwendig. Und so wie kein Spediteur eine Lagerhalle ohne Autobahnanbindung bauen würde, investiert kein international tätiger Konzern in Regionen ohne einen international bedeutenden Flughafen.

Auch aus privater Sicht ist die Nähe zu einem internationalen Grossflughafen attraktiv: Das Angebot an günstigen Flügen in alle möglichen Urlaubsziele ist dort höher und häufiger als von Regionalflughäfen aus.

Das Wachstum stoppen heisst den Abstieg zu planen.

Unser Wohlstand hier, die geringe Arbeitslosigkeit und die in der Breite guten Verdienstmöglichkeiten sind auch der Attraktivität Münchens geschuldet. Diese Attraktivität sollten wir nicht gefährden. Kaum jemand würde dafür plädieren unsere Hochschulen verkommen zu lassen, Kultur nicht mehr zu unterstützen, die Oper zu schliessen, die S-Bahnen verlottern zu lassen, den Englischen Garten zuzubauen oder anderen Unsinn, der München schaden würde.

München wächst. Das ist unserer Attraktivität geschuldet. Das ist unsere Chance und natürlich auch unsere Herausforderung. Wachstum muss klug gemanagt werden, keine Frage. Umweltbelastungen, Gentrifizierung, Wohnungsmangel, Staus, hohe Lebenshaltungskosten und einiges Mehr sind die Schattenseiten, die es verhindern oder zu minimieren gilt.

Das Wachstum jedoch stoppen zu wollen, heisst, den Abstieg zu planen. Was passiert, wenn Orte unattraktiv werden, kann sogar in einigen Regionen Nordbayerns studiert werden. Dort verfallen entvölkerte Dörfer und junge Menschen suchen dort überwiegend schnellstmöglich das Weite - die meisten Richtung Regionen wie München.

Bleibt die Frage, ob den eine dritte Startbahn notwendig ist.

Mein München soll aber auch in Zukunft zu den internationalen Hotspots gehören, ich möchte, dass auch mein Sohn und dessen Kinder hier gut leben können. Wer jetzt zustimmt, dass München attraktiv bleiben soll und anerkennt, dass wir dafür auch auf dem internationalen Parkett eine gute Figur abgeben sollten, wird also den Flughafen München nicht in Frage stellen. Bleibt die Frage, ob den eine dritte Startbahn notwendig ist?

Die Antwort ist ja. München ist eine internationale Boomregion und wächst. Die Kapazitäten am Flughafen sind ausgeschöpft, freie Zeitfenster für Start und Landungen (Slots) zu passenden Zeiten Mangelware. Zwar konnten die Zahl der Starts-und Landungen durch grössere Flugzeuge leicht reduziert werden, was ja ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist, aber der Ausbau stockt, wichtiger werdende Zielregionen wie z.B. Indien können nicht ausgebaut werden, für neue Strecken sind keine Slots verfügbar.

Die Funktion Münchens als internationaler Umstiegspunkt (Drehkreuz) ist gefährdet, wenn solche Slots fehlen und deshalb die Wartezeiten zu lang werden. Wenn Sie am Ostbahnhof 40 Minuten auf ihren Anschlusszug warten müssen und am Hauptbahnhof nur 10 Minuten, welchen Bahnhof werden sie lieber ansteuern? Und wenn darüber hinaus vom Ostbahnhof kein Zug nach Nürnberg geht? So wie die S-Bahn in München die zweite Stammstrecke oder vielleicht sogar besser und billiger den Südring benötigt, braucht unser Flughafen die 3. Startbahn.

Die 3. Startbahn ist die Ludwigsbrücke des 21. Jahrhunderts

Die Ludwigsbrücke war 1158 die erste Infrastrukturmassnahme und hat München überhaupt möglich gemacht. München-Riem hat uns zu internationaler Bedeutung verholfen, München-Erding zu unsere heutigen Bedeutung als Weltmetropole. Wir dürfen den Anschluss keinesfalls verlieren. Wer München liebt und unsere Zukunft nicht gefährden will, muss für den Ausbau sein.

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