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Ohne Identifikation keine Integration

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Eine schwache Gesellschaft kann nicht integrieren - ein Debattenbeitrag

Auch im Jahr 2017 nimmt das Thema "Integration" einen großen Raum in der medialen Berichterstattung ein. Zu oft allerdings auf eine Art und Weise, die keine Diskussionen ermöglicht, sondern lediglich polemisierend wirkt und zur Verfestigung der individuellen Meinung beitrĂ€gt. Aus diesem Grund gehen wirklich relevante Fragen, ob und wie "Integration" gelingen kann, oft völlig unter.

Genau das möchte dieser Diskussionsbeitrag besser machen und zur kontroversen Diskussion anregen. SelbstverstÀndlich ist es nicht möglich, alle Aspekte zu einem komplexen Thema in einem einzigen Artikel in der angemessenen Form dazustellen. Daher beschrÀnkt sich dieser hier auf eine These: Ohne Identifikation keine Integration.
Eine These, die der Leser nicht teilen muss, die allerdings zur argumentativen Auseinandersetzung reizen könnte.

Wann gelingt Integration?

Wann gelingt Integration? Am Anfang dieser Zeilen sol daher eine simple Frage stehen, die auch der Leser an sich selbst richten kann:

Wann ist ein Neuankömmling, und an dieser Stelle soll es keine Rolle spielen, ob er neu in einem, Unternehmen, Dort oder Staat ist, bereit, Teile seiner Gewohnheiten aufzugeben und sich in die neue Gemeinschaft zu integrieren?

Die Antwort ist relativ einfach: Entweder durch Zwang oder aber, wenn das, was diese Gemeinschaft bietet, attraktiver erscheint, als das was bislang vorhanden ist, es aber nur durch eine Verhaltensanpassung erlangt werden kann.

LĂ€sst man den genannten Zwang außer Acht, ist noch eine prĂ€zisere Formulierung möglich: Die Kultur einer Gemeinschaft muss so wertvoll erscheinen, dass der Dazugekommene, Teil von ihr sein möchte und dafĂŒr auch Abstriche in Kauf nimmt.

Wann ist eine Integration von Dauer?

Ähnliche gilt fĂŒr die Frage unter welchen UmstĂ€nden jemand Teil einer Gemeinschaft bleibt. Die Antwort ist letztendlich die gleiche.

LĂ€sst man diese SĂ€tze wirken, so ist auch klar, warum Geld oder Transferleistungen das Problem der Integration oder des Verbleibs nicht lösen können, denn beides ist oft nicht an eine VerĂ€nderung des Verhaltens geknĂŒpft.

Die letzten Zeilen waren abstrakt und allgemein formuliert. Nun soll der Grundgedanke aber auf eine konkretere Ebene transferiert werden:

Welches Konzept zur Identifikation und Kultur findet sich denn in Deutschland? Gibt es ĂŒberhaupt eines? Ist da etwas, was Neuankömmling hineinbringen und die, nennen wir sie, "Altsitzer," halten soll?

Verfassungspatriotismus

Letzteres mag so erscheinen, aber bei genauerem Hinsehen, stĂ¶ĂŸt der Interessierte fast zwangslĂ€ufig auf die Idee des Verfassungspatriotismus.

Was das ist? Nun, vereinfacht gesagt, ist es ein Konzept, dass sich auf gemeinsame politische Werte beruft, die (primĂ€r) in einer Verfassung niedergeschrieben wurden. In erster Linie handelt es sich um eine bewusste Abgrenzung zu einem GemeinschaftsgefĂŒhl auf Basis der Abstammung, National-Kultur oder Sprache.

Vereinfacht gesagt; gehört derjenige zur Gruppe, der sich zu den niedergeschriebenen Werten bekennt und das unabhÀngig von Herkunft, Aussehen oder sonstige Merkmalen. Wer ja zur Verfassung, im deutschen Fall das Grundgesetz, sagt, ist dabei. So die Idee.

Das klingt erst einmal angenehm, ist auf dem zweiten Blick aber schlicht banal, denn wie bekennt man sich denn zu einem schnöden Gesetzestext, im deutschen Fall dem Grundgesetz und dessen, in den wichtigsten FÀllen, sehr allgemein gehaltenen Formulierungen?

Umso tiefer das Eintauchen, umso klarer wird, dass der Verfassungspatriotismus lediglich eine schöne OberflĂ€che darstellt, die jenseits des Idealismus des akademischen Elfenbeinturmes gar nicht ĂŒberleben kann.

Hinzu kommt eine FĂŒlle von weiteren Problemen. Der Verfassungspatriotismus ist als Bindemittel fĂŒr eine Gesellschaft untauglich, weil:

  • Er wenig Bezug zur Geschichte, Volk und Entwicklung aufweist
  • Eine Verfassung allgemeine Werte formuliert, die genaue Interpretation aber von einer kleinen Gruppe erfolgt
  • Der Inhalt hĂ€ufig bereits Einheimischen nicht bekannt nĂ€her ist
  • Alle VorzĂŒge der Verfassung auch wahrgenommen werden können, ohne sie ĂŒberhaupt zu kennen
  • Er weder ĂŒber eine starke Symbolik verfĂŒgt, noch die emotionale Ebene anspricht
  • Er dazu dienen kann, Kritiker aus der Gemeinschaft auszuschließen

Insgesamt ist es aber mĂŒĂŸig, ĂŒber den Verfassungspatriotismus zu streiten, denn man verfĂŒgt inzwischen ĂŒber eine jahrzehntelange Erfahrung ĂŒber seine Integrationskraft:

Vollkommenes Scheitern

Die RealitĂ€t ist ernĂŒchternd: Trotz des Propagierens eines Verfassungspatriotismus und eine Konfrontation damit bereits im Schulalter, wachsen in Europa die Parallelgesellschaften und der Anteil der jungen Leute, die Extreme gleich welcher Art unterstĂŒtzen und wĂ€hlen, wĂ€chst. Schlimmer noch ist selbst die einheimische Bevölkerung in vielen LĂ€ndern in unzĂ€hlige Milieus zersplittert und teilweise sogar massiv gespalten.

Der Verfassungspatriotismus, als Schöpfer eines integrativen GemeinschaftsgefĂŒhls, ist radikal gescheitert.

Welche Kraft kann integrieren?

Daher benötigt es eine Kraft, welche diese vereinende Wirkung auf alle Beteiligten haben kann, denn man sollte nicht vergessen, dass es nicht nur um die Integration von Menschen geht, die von Außerhalb kommen, sondern auch darum, eine zerrissene Gesellschaft wieder zusammenzufĂŒhren.

Welche das sein soll? Eine europĂ€ische IdentitĂ€t gibt es nicht. Sie lĂ€sst sich auch bestenfalls auf einer abstrakten Ebene formulieren. In der RealitĂ€t hat sie keinerlei praktische Relevanz, was sich nicht zuletzt durch den Brexit oder die Aufnahmebereitschaft europĂ€ischer Staaten in der FlĂŒchtlingsfrage leicht belegen lĂ€sst.`

Eine deutsche IdentitÀt gibt es, sie wird allerdings von vielen politischen KrÀften abgelehnt.

Die Diskussion muss jetzt erfolgen!

Integration wird aber ohne Identifizierung, emotionale Ansprache, Symbolik, StĂ€rke und AttraktivitĂ€t nicht funktionieren. Eine Gesellschaft wird ohne eine allgemein akzeptiere Kultur nicht ĂŒberleben.
Daher ist es an der Zeit, diese Frage zu diskutieren, bevor die Frage durch Extreme, gleich welcher Richtung, von alleine beantwortet wird.

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Andreas Herteux ist ein deutscher Schriftsteller, Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler.

Von Andreas Herteux sind unter anderem erschienen:

Grundlagen der Weltenphilosphie, Franzius Verlag (20. Juli 2015), ISBN-13: 978-3945509029 IdentitÀtsorientierte
Führung einer politischen Marke: In der Theorie und am praktischen Beispiel der Freien Demokratischen Partei (FDP), AV Akademikerverlag (16. November 2013), ISBN-13: 978-3639490480
Das Sternenkind und der Rabe, Erich von Werner Verlag, (2. November 2016), ISBN-13: 978-3981838824
The Star Child and the Raven, Erich von Werner Verlag (14. November 2016), I(SBN-13: 978-3981838886)
Aus dem Leben eines Teufels: Die Prüfung, Bod; Auflage: 1 (23. Dezember 2015), ISBN-13: 978-3739221014
Augen in der Finsternis, Erich von Werner Verlag (25.11.2016), (ISBN-13: 978-3981838817)

Mehr ĂŒber Andreas Herteux erfahren Sie auf der offiziellen Hompage, Facebook oder Twitter.

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