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Die geheime Strategie der SPD zur Bundestagswahl 2017

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Hinter den Kulissen der Macht

Nur noch wenige Monate bis zur Bundestagswahl und mannigfaltige Änderungen sowie die Erosion der politischen Landschaft in der ganzen westlichen Welt, lassen sie so interessant und spannend wie nie zuvor erscheinen.

Gleichfalls bedeutet das f├╝r die Parteien, dass sie vor der gro├čen Herausforderung stehen, in einem ge├Ąnderten Umfeld agieren zu m├╝ssen. Es bedarf hierf├╝r neuer Strategien und Ideen und genau diese sind Thema dieses Artikels.

Es geht daher nicht um Ideologien. Diese interessieren nicht im politischen Marketing. Dieser Artikel steht jeder politischen Richtung neutral gegen├╝ber. Es geht auch nicht um Inhalte oder Personen, sondern einzig und alleine darum, welche strategischen Mittel eine Partei einsetzt, um den Wahlerfolg zu erreichen.

Oder vereinfacht ausgedr├╝ckt: Was m├Âchte die Partei tun, um gew├Ąhlt zu werden? Wie wird der W├Ąhler gelenkt? Was ist der Plan? Wie sind die Gedanken hinter den Kulissen der Macht? Was sind die Gefahren und wie die Erfolgsaussichten?

Die Wahlstrategie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Wagen wir daher einen Blick und beginnen mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschland (SPD)

In 5 Phasen ins Kanzleramt

Die Wahlkampfstrategie der Sozialdemokraten l├Ąsst sich grob in 5 Phasen einteilen:

1. Phase: Streuen von Ger├╝chten zur Kanzlerkandidatur (Ende 2016/ Anfang 2017)
In den K├Âpfen soll verankert werden:

  • Die Wichtigkeit der SPD durch konstante Medienpr├Ąsenz
  • Maximierung des medialen Interesses
  • Der Gedanke, dass sich bei den Sozialdemokraten etwas tut
  • Erzeugung einer Aufbruchstimmung
Botschaft: ÔÇ×Da tut sich etwas Interessantes"

Zielgruppe: Allgemeinheit

2. Phase: Berufung des Kanzlerkandidaten Martin Schulz (Anfang 2017)

In den K├Âpfen soll verankert werden:

  • Verfestigung der geweckten Aufbruchstimmung
  • Versuch der Gleichsetzung des Zustandes der SPD mit dem Zustand des Landes
  • Der Neuanfang f├╝hrt zum Aufschwung f├╝r die Landtagswahlen; die SPD wird erfolgreich sein
  • Implementierung der Person Schulz als Gesicht f├╝r einen Neuanfang der Partei

Botschaft: ÔÇ×Vieles ist schlecht. Jetzt wird alles besser. Das gilt f├╝r die SPD, aber auch das Land"

Zielgruppe: Allgemeinheit, aktuelle und fr├╝here Stammw├Ąhlerschaft

3. Phase: Zusammenf├╝gen von Person, Partei und Thema (bis Juni 2017, parallel zur 2. Phase)

In den K├Âpfen soll verankert werden:

  • Martin Schulz ist die SPD und ein Heilsbringer
  • Der Kandidat wird als ÔÇ×einfacher Mann" identifiziert und mit dem Thema ÔÇ×Gerechtigkeit" verkn├╝pft
  • Mit dem einfachen Mann als Repr├Ąsentant des kleinen Mannes, der f├╝r Gerechtigkeit steht, m├Âchte man die ÔÇ×arbeitende Mitte" erreichen

Botschaft: ÔÇ×Martin Schulz ist einer von euch. Er ist der kleine Mann, der es geschafft hat. Er ist die SPD. Er ist die soziale Gerechtigkeit"

Zielgruppe: ÔÇ×Die arbeitende Mitte", SPD-W├Ąhler

4. Phase: Finale thematische Ausarbeitung (ab Juni 2017)

In den K├Âpfen soll verankert werden:

  • Hinter der Gerechtigkeit von Martin Schulz steckt viel mehr
  • Allgemeine sozialdemokratische Themen
  • Die SPD hat sich komplett neu erfunden

Botschaft: ÔÇ×Martin Schulz, die personifizierte Gerechtigkeit der SPD, hat auch Breite und Tiefe"

Zielgruppe: Arbeitende Mitte, Allgemeinheit

5. Phase: Hei├čer Wahlkampf (ab August 2017)

Ziel: Mobilisierung der W├Ąhler

Botschaft: ÔÇ×W├Ąhlt einen von euch, n├Ąmlich Martin Schulz. Dann bekommt ihr soziale Gerechtigkeit"

Zielgruppe: W├Ąhler, Medien

Strategische Bewertung

Soweit der strategische Fahrplan der SPD zur Bundestagswahl. W├Ąhrend die erste Phase als gegl├╝ckt betrachtet werden kann, scheint bereits die zweite Stufe nicht so zu funktionieren, wie es die innerparteilichen Strategen gehofft haben:

Zwar suggerierte die Medienpr├Ąsenz und der Auftritt der Partei nach Au├čen eine Aufbruchstimmung, allerdings erwies sich diese als Strohfeuer. Auf den ersten Blick besserten sich die Umfragen im Bund, auf den zweiten verliefen die Landtagswahlen wenig erfolgreich. Das Ziel, dass der ÔÇ×Hype" die SPD erfolgreich durch die Wahlen in den L├Ąndern tr├Ągt, ist bereits jetzt gescheitert. Auch f├╝r den Bund ist ein negativer Trend nicht zu ├╝bersehen.

Glaubw├╝rdigkeitsproblem

Hinzu kommt ein typisches Glaubw├╝rdigkeitsproblem: Einerseits wird versucht, den Zustand der am Boden liegenden Partei mit einem behaupteten, ungerechten emotionalen Zustand des Landes gleichzusetzen, und sich als L├Âsung daf├╝r zu pr├Ąsentieren, auf der anderen Seite war genau diese Partei aber viele Jahre in der Regierungsverantwortung und tr├Ągt daher ma├čgebliche Verantwortung f├╝r die behauptete Lage. Die Grundidee, dass Partei und Land Hand in Hand in der Person Schulz, wie Ph├Ânix aus der Asche steigen, ist das Traumbild einer PR-Abteilung, d├╝rfte aber nur mit gro├čen Schwierigkeiten in die K├Âpfe der W├Ąhler zu bringen sein.

Wird Martin Schulz als authentisch wahrgenommen?

Fast noch Schlimmer f├╝r die Sozialdemokraten ist, dass auch die Personifizierung der Person mit dem Thema soziale Gerechtigkeit nicht an Schwung gewinnen kann.

Die Darstellung des jahrelangen Berufspolitikers als Prototypen des ÔÇ×kleinen Mannes", der f├╝r all die anderen kleinen Leute der arbeitenden Mitte f├╝r Gerechtigkeit k├Ąmpft, ist ein gewagter Versuch. Gelingt es allerdings nicht, Schulz so in den K├Âpfen zu verankern, scheitert auch die Verkn├╝pfung mit dem Thema soziale Gerechtigkeit. Damit w├Ąre ein Teil der Gesamtstrategie bereits im Grabe, bevor die hei├če Phase erreicht werden kann.

Hinzu kommt, dass die politische Konkurrenz die Suggestion des ÔÇ×Kleinen Mannes" und der ÔÇ×personifizierten Gerechtigkeit" attackieren wird. Anhand von Schulz T├Ątigkeit im europ├Ąischen Parlament, der Ger├╝chte ├╝ber Bevorteilungen eigener Leute, Sitzungsgeldern, angeblichem Millioneneinkommen und mancher Aussage zu brisanten Themen wie einer europ├Ąischen Schuldenunion wird es, unabh├Ąngig vom Wahrheitsgehalt der Aussagen, leicht sein, Schulz zu demontieren und die Personifizierung als unglaubw├╝rdig und wenig authentisch darzustellen.
Da Schulz aber nicht nur f├╝r Gerechtigkeit, sondern auch f├╝r die SPD stehen soll, wird dieses abf├Ąrben. Der Wahlkampf wird so massiv erschwert.

Am Ende wird aus dem gew├╝nschten Bild des gerechten Heilsbringers ganz schnell das eines elit├Ąren Berufspolitikers, dem das Thema Gerechtigkeit erst seit seiner Berufung zum Kanzlerkandidat wichtig ist. Die Person Martin Schulz birgt daher ein gro├čes Risiko. Das n├Ąchste w├Ąren die Inhalte.

Inhalte

Davon abgesehen, dass die Partei programmatisch innerparteilich zerstritten ist und es keinen klaren thematischen Kurs gibt, ist es fraglich, ob der anvisierten ÔÇ×arbeitenden Mitte" ein glaubw├╝rdiges Programm unter der ├ťberschrift ÔÇ×Gerechtigkeit" vorgelegt werden kann. Im letzten Bundestagswahlkampf gelang das nicht.

Da bereits in Phase 2 implementiert werden sollte, dass in Deutschland eine soziale Ungerechtigkeit herrscht, stellt sich erneut die Frage, wieso die verantwortungstragende Regierungspartei SPD hierf├╝r die L├Âsung sein sollte.

Hinzu kommt, dass sich die Sozialdemokraten lange Zeit prim├Ąr mit europ├Ąischen Idealen und Minderheitenproblemen befasst haben. Gew├Ąhlt wird im September aber der Deutsche Bundestag.
Der gr├Â├čte Malus ist und bleibt aber nat├╝rlich die Agenda 2010 deren Nachwehen das Image und den selbstgew├Ąhlten Markenkern nachhaltig besch├Ądigt haben.

Zielgruppe

Die zentrale Zielgruppe der SPD wird von der Partei als ÔÇ×arbeitende Mitte" bezeichnet. Der Begriff d├╝rfte im Jahr 2015 popul├Ąr geworden sein. Der Unterschied zu Gerhard Schr├Âders ÔÇ×Neue Mitte" ist nicht wirklich zu erkennen.

Es ist zu vermuten, dass die SPD sp├Ątestens in Phase 5, dem hei├čen Wahlkampf, einzelne Milieus, (Hier dazu ein Artikel differenzieren wird und bis dahin alle inhaltlichen Aussagen so allgemein bleiben, dass die unterschiedlichen Interessen der nicht-homogenen ÔÇ×arbeitenden Mitte", sich nicht allzu daran reiben werden. Kurzum; bis Ende Juni erfolgt eine klassische Verw├Ąsserungstaktik ohne Ecken und Kanten. Ein, f├╝r diese Phase, nicht un├╝bliches Vorgehen.

Prognose

Die Strategie der SPD zur Bundestagswahl 2017 hat bereits mehrere D├Ąmpfer erhalten und bietet eine gro├če Angriffsfl├Ąche f├╝r die politische Konkurrenz. Das Ziel, die Mehrheit zu erreichen, scheint im Moment kaum vorstellbar, allerdings ist noch Zeit, um einigen Fallstricken zu entgehen.

Korrekturm├Âglichkeiten der strategischen Ausrichtung

Grunds├Ątzlich ist es schwierig, eine bereits eingeschlagene strategische Richtung noch wirkungsvoll zu korrigieren. Trotzdem g├Ąbe es noch Nachbesserungsm├Âglichkeiten. Einige w├Ąren zum Beispiel:

1. Entkopplung von Martin Schulz vom Bild des kleinen Mannes und stattdessen Verkn├╝pfung mit dem Bild des sozialen Aufsteigers -> Gewinn von Glaubw├╝rdigkeit

2. Dabei Suggestion, dass ein solcher Aufstieg heute schwieriger ist und das wieder ge├Ąndert werden sollt -> These, die weniger durch die politische Konkurrenz angreifbar w├Ąre und bei der die eigene Rolle als Regierungspartei nicht zum Problem wird

3. Gleichzeitig Pr├Ąsentation eines zweiten Kopfes, der dem Bild des ehrlichen Arbeiters und kleinen Mannes entspricht. Am Sinnvollsten parallel zur Programmpr├Ąsentation im Juni. Hierf├╝r w├╝rde sich eine Person der Basis anbieten, die einer sozialversicherungspflichtigen Besch├Ąftigung nachgeht und bislang unbekannt ist und nicht den f├╝hrenden Parteigremien angeh├Ârt -> Glaubw├╝rdige Personifizierung und Suggestion eines echten Aufbruches mit frischen Gesichtern

Fazit

Trotz der eigentlichen Schw├Ąche der politischen Konkurrenz und des begrenzten Willens der deutschen Bev├Âlkerung, im Vergleich zu den europ├Ąischen Nachbarn, neue Kr├Ąfte zu w├Ąhlen, haben die Sozialdemokraten eine Strategie gew├Ąhlt, deren Erfolgsaussichten begrenzt sein d├╝rfte. Gibt es daher keine besonderen Umst├Ąnde oder massiven Fehler der politischen Konkurrenz, k├Ânnte das Ziel, die st├Ąrkste Partei zu stellen, deutlich verfehlt werden. Noch ist allerdings Zeit f├╝r eine Nachkorrektur, die allerdings sp├Ątestens mit dem Wahlprogramm erfolgen sollte. Generell erscheint die gew├Ąhlte Strategie f├╝r das gew├╝nschte Ergebnis untauglich.

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