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Ostukraine: Berichterstattung aus dem No-Go Land

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DONBAS
Pierre Crom via Getty Images
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Donezk und Lugansk sind aktuell fĂĽr Journalisten fast unerreichbar.

Die Separatistengebiete einschlieĂźlich vieler Ortschaften in der Kampfzone werden von der internationalen, aber auch der Berichterstattung in der Ukraine selbst weitgehend abgekoppelt. Dies wurde bei einer Medienkonferenz des Journalistennetzwerkes n-Ost vergangene Woche in Kiew bekannt.

Unter dem Thema „Im Inneren vom blinden Fleck - über was wir berichten und was wir nicht sehen" hatten sich drei Tage lang Journalisten und Medienfachleute aus ganz Europa mit dem Thema Ukraine beschäftigt.

Wie Oksana Grytsenko von der Kyiv Post informierte, war es zu Beginn des Konflikts vor rund drei Jahren zumindest für ukrainische Journalisten immer möglich, zu beiden Seiten der Kampflinie zu kommen.

Nun aber sei das immer schwerer geworden. Nur manchmal gehe es noch im Rahmen von UN-Missionen. Gesicherte und überprüfbare Informationen aus dem Kriegsgebiet gibt es deshalb kaum mehr mit Ausnahme der Beobachterberichte der OSCE-Mission, die täglich auch für die Medien ein gutes Lagebild vermitteln.

Nikolaus von Twickel, der rund sechs Monate für die OSCE-Mission in der Ukraine arbeitete, berichtete, dass es im Moment für ausländische Journalisten so gut wie unmöglich ist nach Donezk zu kommen und in den Kriegsgebieten zu recherchieren.

Offizielle Voraussetzung dazu ist die Ausstellung der sogenannten ATO (Anti-Terrorist Operation Zone) Karte. Das gehe nur ĂĽber das ukrainische Verteidigungsministerium sowie den ukrainischen Geheimdienst. Selbst mit Besitz der ATO-Karte bedeute das aber noch lange nicht, dass man die von den Truppen der Separatisten kontrollierten Checkpoints passieren dĂĽrfe.

Die sogenannten 'Behörden' der selbsternannten "Donzeker Volksrepublik (DNR)" hatten dem Kiewer Korrespondenten der Deutschen Welle die Einreise verweigert, obwohl er von Kiew aus alle notwendigen Dokumente organisierte. Dafür bieten die DNR-Propagandisten westlichen Sendern, die selber keinen Zugang nach Donezk bekommen, Filmmaterial an. Insgesamt sind in Kiew noch zwölf internationale Korrespondenten tätig. Zum Vergleich: in Moskau arbeiten über 700.

Leben in Lugansk und Donezk verläuft ruhig

In Lugansk selbst überwiegt laut Gosha Tikhy, der gelegentlich für die ARD tätig ist, aktuell die russische Propaganda bei der Erstellung von Meinungsbildern, wobei eine Journalistin während der Konferenz in Kiew auch sagte, dass jene Menschen, die in den Separatistengebieten leben bzw. dort geblieben sind, das aus Überzeugung für die prorussische Sache tun.

Mit zunehmender Dauer der Existenz der Volksrepubliken Donezk und Lugansk gebe es dort inzwischen auch gezielte Einflussnahme auf Kinder, die im russischen Sinn patriotisch erzogen werden, wozu neben dem Erlernen der russischen Sprache auch vormilitärische Ausbildung zählt. Auch Bestrebungen Schulen nach gefallenen Kämpfern zu benennen gehöre dazu.

Das Leben verlaufe persönlich weitgehend normal, wenn man gegenüber der Separatistenregierung loyal ist und sich politischer Meinungen in der Öffentlichkeit enthält. Allerdings werde die ökonomische Situation immer schlechter, was mit gestiegenen Preisen bei niedrig gebliebenen Löhnen zusammenhängt. Schmuggel von Waren aus der Ukraine blüht.

Gleichzeitig kommen viele Rentner schlecht an ihre Pensionen, weil sie dazu aus den Separatistengebieten ĂĽber die Checkpoints in die Ukraine fahren mĂĽssen.

Darüber hinaus kennt das Rechtssystem in den Separatistengebieten nur untere Gerichte, was bedeutet, dass Überprüfungen durch höhere Instanzgerichte nicht möglich sind. Angeklagt werden kann man hier auch wegen proukrainischer Meinungen.

Manche kommen durch

Es soll Freelancer geben, die einen Weg über Russland in die Kriegsgebiete fanden, indem sie mit dem Zug von Kiew nach Charkow gereist sind und von dort mit einem üblichen Sammeltaxi (Marschrutka) die Grenze passiert und ohne Akkreditierung in das Konfliktgebiet gefunden haben, wozu allerdings ein russisches Visum gehört.

Gewarnt wurde auf den n-Ost-Podium allerdings nachdrücklich vor solchen Pfaden. So etwas könne schlimmstenfalls als Spionage ausgelegt werden und im Gefängnis enden, hieß es. Bei freien Journalisten, die so etwas tun, setzt sich auch selten eine Redaktion ein und auch die normale deutsche Krankenversicherung ist im Unglücksfall nicht ausreichend.

Legal geschafft bis nach Donezk und Lugansk hat es aber auf jeden Fall kürzlich das österreichische Fernsehen ORF.

Die Reporter erfuhren dort von einer Babuschka, wie die GroĂźmĂĽtter in Russland liebevoll genannt werden, das Donald Trump das Leben im Donbass bald besser machen wird.

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