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Berlinale vergibt Friedensfilmpreis

28/02/2016 19:41 CET | Aktualisiert 28/02/2017 11:12 CET
Andreas Herrmann

„Makhdoumin" stellt modernsten Menschenhandel an den Pranger

Sie sind Hausangestellte und trotzdem irgendwo nur in Dollar beziffertes Inventar. Sehen kann man sie kaum und wenn, dann schemenhaft hinter Gardinen.

Im Film beschrieben wird ihr Leben hinter den Türen einer Agentur, die im Libanon weibliche Hausangestellte vom internationalen Markt vermittelt. „Makhdoumin" - auf Deutsch so viel wie „Ein Dienstmädchen für alle" - des Libanesen Maher Abi-Samra stellt ein System in Frage, das den einen Vorteile bringt, während es anderen die Würde nimmt.

Er schärft auf subtile Weise den Blick auf ein Leben, in dem Frauen rund um die Uhr folgsam und unsichtbar ihren Dienst verrichten müssen. „Makhdoumin" mahnt dieses System, bei dem jährlich rund 10.000 Frauen und Mädchen in eine moderne Haussklaverei gebracht werden, in Frage zu stellen und bekam für die Geschichte modernster Entrechtung auf der diesjährigen Berlinale deshalb den Friedensfilmpreis.

Dabei ist es keinesfalls ein aufwendiger Film. Aber es sind vor allem die eleganten und durch ihre Einfachheit bestechenden Kameraeinstellungen verbunden mit einer einprägsamen Erzählstruktur, die das Unrecht hinter scheinbar unbeobachteten Häuserfassaden von Beirut hervortreten lassen.

Dort beschreiben filmische Szenen vor allem die Dialoge zwischen den Hausmädchen aus Äthiopien, Eritrea oder den Philippinen mit dem Agenturleiter, manchmal auch mit unzufriedenen Hausherren oder Hausherrinnen. Diese scheinbare Unsichtbarkeit der Betroffenen entlarvt das System, welches den Dienstmädchen Würde und Existenz stiehlt.

Was ist ein Friedensfilm?

In bemerkenswerter Kontinuität wurde seit 1986 jedes Jahr ein Berlinale Beitrag mit dem Friedensfilmpreis ausgezeichnet. Dabei stellt man an einen Friedensfilm verschiedene Ansprüche und auch Fragen.

Darf er aggressiv sein? Oder sollte er es sogar sein? Reicht es die Grausamkeit des Krieges zu zeigen? Oder lüftet er vielleicht den Vorhang zu einer Welt, die in Frieden lebt? Die Antwort darauf fällt in jedem Jahr etwas anders aus. Auf jeden Fall sollte der Preisträger die Stilmittel des Filmes nutzen, um das friedliche Zusammenleben der Menschen zu fördern, zum Beispiel indem er Kriege verurteilt, Wege zur Versöhnung aufzeigt oder friedensfeindliche Tendenzen wie Rassismus und Nationalismus thematisiert.

Neben dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro von der Böll Stiftung erhält der Preisträger auch eine Bronzeskulptur des Künstlers Otmar Alt. Sie wird von der Organisation Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) - Ärzte in sozialer Verantwortung gestiftet. Ein Trägerkreis beruft die Jury und organisiert die Verleihung.

Aktuell gehören ihm die Heinrich Böll Stiftung, der Weltfriedensdienst und die Friedensinitiative Zehlendorf an. Die Berlinale ist das weltweit einzige A-Festival mit einem Friedensfilmpreis.

Bekommen hat ihn 2016 der in Beirut geborene Regisseur und Drehbuchautor Maher Abi-Samar, der zur Verleihung im Kino in den Hackeschen Höfen natürlich anwesend war. Nach einem Studium an der bedeutendsten Pariser Filmhochschule arbeitete er zunächst als Fotograf für Tageszeitungen und Agenturen wie Reuters und AFP.

Seine Arbeiten liefen dann bei Fernsehsendern wie Arte, CBS und RTF sowie auf zahlreichen Festivals. Auszeichnungen erhielt er unter anderem beim Leipziger Dokumentarfilmfestival und dem „Alles ist wahr" Festival in Brasilien.

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