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Das Kopftuch ist eine große Chance für Deutschland

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Einer Studie des Bonner Forschungsinstituts Zukunft der Arbeit zur Folge haben Frauen mit Kopftuch schlechtere Chancen eine adäquate Beschäftigung zu finden. Selbst Frauen, die in Deutschland aufgewachsen sind und über beste Deutschkenntnisse und Bildungsvoraussetzungen verfügen, sind stark benachteiligt, wenn sie auf dem Bewerbungsfoto ein Kopftuch tragen.

Sie werden schnell aussortiert und erst gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
Besonders erschreckend ist es, dass bei der Studie Frauen mit türkischen Namen in das Bewerbungsverfahren geschickt wurden, eine Bevölkerungsgruppe die in Deutschland aufgrund der jahrzehntelangen Sozialisation man eigentlich als "integriert" ansehen könnte.

Dem ist aber nicht so: Mit einem türkischen oder arabischen Namen sinken die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Ein weiteres erschreckendes Indiz der Abwärtsspirale in Sachen Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Seit dem Anschlag auf das World Trade Center am 9. September 2001 zieht sich eine Anti-Muslim-Haltung oder gar Islamphobie durch alle gesellschaftliche Schichten in Deutschland und ist nicht nur in den Niederungen von PEGIDA-Kundgebungen anzutreffen.

Arbeitsplätze gegen Gewalt

In den Personalabteilungen von Unternehmen, den Klassenzimmern in den Schulen oder den Pressebüros der Medien sind Muslime vor allem eine Gefahr. Stigmatisierungen sind allerorts anzutreffen. Die Diskussion ist vor allem durch platte Verallgemeinerungen bestimmt. Muslime werden demnach als "religiöse Fanatiker, Terroristen, feindliche, barbarische, wilde Menschen wahrgenommen, die Frauen misshandeln und unterdrücken."

Szenenwechsel: Stef Wertheimer ist mit einem Vermögen von 5,6 Milliarden Dollar laut Forbes die Nummer 2 der Wohlhabenden in Israel. Er ist 1936 aus Süddeutschland geflohen und konnte sich ein Unternehmensimperium aufbauen. Wertheimer sieht Arbeitsplätze als die beste Waffe gegen Gewalt und hat nun vier Job Center für arabische Jugendliche in Israel aufgebaut.

Ein Industriepark für Beduinen soll folgen. Arbeitslosigkeit für arabische Jugendliche ist nicht nur in Israel ein großes Thema. In der gesamten arabischen Welt ist laut ILO fast 1/3 der Jugendlichen ohne Arbeit. In den nächsten Jahren werden 100 Millionen junger arabischer Frauen und Männer auf den Arbeitsmarkt strömen und bisher bestehen keine Vorstellungen, wie man dieser Welle begegnen kann.

Die Lösung lebt ein 90 jähriger deutscher Jude ausgerechnet in Israel vor. Es müssen in den Krisenregionen Zentren aufgebaut werden, um Jugendliche an den Arbeitsmarkt heranführen und ihnen neben der Fachkompetenz vor allem auch Kulturtechniken zu vermitteln.

Fachkräftemangel

Deutschland klagt über Fachkräftemangel vor allem im Handwerk und auch die Prognosen für den Pflegebereich sind düster. Wie wir alle wissen altert Deutschland rapide und die Lebenswartung steigt. In 20 Jahren fehlen 300.000 Pflegekräfte und die Konzepte zur Entschärfung dieser demographischen Zeitbombe greifen zu kurz.

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Pflegeassistenzen oder die finanzielle Unterstützung bei der Pflege durch Angehörige werden andere Kollateralschäden bewirken, wie ein Aufweichen des Berufsbildes des Altenpflegers oder dem Herausdrängen von Frauen aus dem Arbeitsleben, da sie sich um pflegebedürftige Familienmitglieder kümmern sollen. Oft wird von "Überalterung" gesprochen. Doch eigentlich leidet Deutschland an einer "Unterjüngung".

Hier können sich zwei scheinbar so unterschiedliche Welten wie die arabische und die westliche ergänzen. Junge Araber können in ihren Ländern auf eine Tätigkeit in Deutschland vorbereitet werden, um vor allem im Handwerk oder in der Pflege zu wirken. Das Kopftuch ist eine Chance. Für beide Seiten.

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