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Schönes neues Geld - wie Sie Paypal & Co. finanzieren

20/05/2016 15:12 CEST | Aktualisiert 21/05/2017 11:12 CEST
kemalbas via Getty Images

„Das neue Geld" - so bezeichnet sich PayPal in seiner aktuellen Kampagne auf seiner Homepage. „Neues Geld macht Spaß" - „Neues Geld schenkt dir Zeit" - „Neues Geld ist einfacher": Die hochtrabenden Versprechen reißen nicht ab.

„Prima, das muss ich haben!", sagen Sie jetzt vielleicht und denken daran, wie einfach der Online-Bezahlvorgang ist: Ein Klick und fertig. Was Bezahldienste wie PayPal, Klarna, Billpay & Co. Ihnen jedoch mit der einen Hand in die Tasche stecken, holen sie mit der anderen wieder heraus. Was ist also dran am „neuen Geld"?

Neues Geld macht mäßig Spaß

Wenn Sie bei einem Online-Bezahldienstleister aufs Kaufen-Knöpfchen drücken, ist zunächst einmal alles superkomfortabel. Bei den meisten Anbietern ist der Kauf ja gebührenfrei. Die Abwicklung läuft schnell und ohne großen Aufwand. Soweit, so gut.

Der Verkäufer jedoch muss zum Beispiel bei PayPal eine Gebühr bezahlen. Nun sind die Margen - also die Möglichkeiten für Verkäufer, einen Gewinn zu machen - im Onlinehandel gewöhnlich äußerst gering. Die Verkäufer haben also nichts zu verschenken. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die Gebühren für die Nutzung des Bezahldienstes auf den Kaufpreis aufzuschlagen. Und so bezahlen am Ende - ganz genau - doch wieder Sie.

Der Spaß am digitalen Bezahlen dürfte Verkäufern wie Käufern hier also schon mal vergangen sein ...

Zeit und Nerven adé

Der Spaßfaktor sinkt weiter, wenn Sie mal an den Ernstfall denken. Online-Bezahldienste werden nämlich ganz schnell anstrengend, wenn Ihnen mal ein Fehler unterläuft. Ein falscher Betrag, ein falscher Empfänger, zu schnell auf den Kaufen-Button geklickt - und herzlichen Glückwunsch, Sie haben gerade einen Haufen Zeit verloren!

In dem Fall können Sie davon ausgehen, dass Sie die nächsten Stunden mit umständlicher Fehlersuche in Hilfeforen oder in Warteschleifen verbringen - wenn es überhaupt eine deutschsprachige Telefonhotline gibt. Zudem haben etliche Bezahldienste ihren Sitz im Ausland. Was glauben Sie, wie viel Zeit und Nerven es kostet, in Irland oder Belgien Ihr verlorenes Geld einzuklagen?

Wenn Sie mit dem guten „alten Geld" bezahlen - in bar also, per Überweisung oder auch mit der Kreditkarte - können natürlich ebenso Fehler passieren. Der Unterschied ist, dass Sie die Kontrolle behalten. Falsches Rückgeld? Ja, dann haken Sie eben nach. Irrtümlich von Ihrem Konto abgebucht? Dann informieren Sie Ihre Bank. Falsche Zahlung veranlasst? Dann stornieren Sie den Vorgang. Eins ist Ihnen dabei immer sicher: ein direkter Ansprechpartner bei Ihrer Hausbank.

Neues Geld ist einfach ... komplizierter

Ähnlich sieht es mit dem Versprechen „Einfachheit" aus. Beim Onlinedienst Klarna können Sie beispielsweise „ganz einfach" Ihren Einkauf in einen Ratenkauf umwandeln - zu horrenden Gebühren natürlich. Und einen Ratenkaufvertrag mit viel Kleingedrucktem bekommen Sie nachträglich auch noch zugeschickt. Klar, beim Offline-Ratenkauf ist das nicht viel anders. Allerdings sind Sie dort nicht so schnell verleitet, auf „Akzeptieren" zu drücken und einen unbequemen Ratenkauf zu starten, stimmt's? Dort setzen Sie bewusst Ihre Unterschrift unter den Vertrag, nachdem der Finanzberater Sie nach den persönlichen Daten gefragt hat.

Da lobe ich mir doch immer wieder das „olle" Bargeld und die kleinen Plastikkarten im Geldbeutel: Entweder ist Ihr Konto gedeckt und Sie können sich ein Produkt leisten oder eben nicht. Und selbst wenn Sie mit der Kreditkarte ein wenig größenwahnsinnig umgehen, kommt die Erinnerung prompt einen Monat später. DAS ist einfach!

Auf Ihre Sparsocke und Ihre Geldkarte haben Sie ja auch immer Zugriff. Da kommt kein Dienstleister und verbietet Ihnen, sie unter dem Kopfkissen hervorzuholen. Ganz anders im Internet: Wann und warum ein Bezahldienst Ihnen den Zugriff auf Ihr Konto sperrt, lässt sich in vielen Fällen kaum nachvollziehen. Und die Hotline hat natürlich keine Ahnung und kann Sie auch nicht zur Sachbearbeitung durchstellen - Pech gehabt!

Also ich weiß nicht ... Dafür, dass digitales Bezahlen angeblich einfacher ist, ist der Absatz ganz schön lang geworden.

Topmoderne Schönheit

Aus den Werbeversprechen „Spaß", „mehr Zeit" und „einfacher" können also ganz schnell „Frust", „Zeitaufwand" und „kompliziert" werden. Aber das ist noch nicht alles. PayPal und seine Kollegen sind auch äußerst geschwätzig. Der Dienst gibt Ihre persönlichen Daten an eine Vielzahl anderer Firmen weiter. Widersprechen hilft nicht - wer das Angebot nutzt, stimmt der Datenweitergabe stillschweigend zu.

Also, das Bargeld macht so etwas nicht mit Ihnen. Und Ihre Bank auch nicht. Die würde nach den hiesigen Datenschutzregeln in Teufels Küche kommen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber im Vergleich dazu scheint mir das hochgelobte „neue Geld" eine echte Diva zu sein - nur oberflächlich schön, kompliziert und zickig. Warum schlagen Sie dieser Exzentrikerin nicht ein Schnippchen? Es geht schließlich ganz leicht - mit ein bisschen praktischem Bargeld im Geldbeutel, einer klassischen Überweisung, der Kreditkarte oder einem traditionellen Bankeinzug. Und wenn Sie gar nicht anders können, nutzen Sie die Bezahldienste der deutschen Banken - dann können Sie wenigstens jemanden am Schlafittchen packen, wenn es Probleme gibt.

Manchmal ist alt eben doch modern, denn das „alte Geld" ist transparent, verlässlich und einfach - finden Sie nicht auch?

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