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Der Politik ist die Kita-Katastrophe egal - mit dieser Maßnahme setzt ein Erzieher sich jetzt zur Wehr

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ERZIEHER STREIK
dpa
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Zu große Kindergruppen, viel Lärm, hohe Ansprüche der Eltern, Überstunden und schlechte Bezahlung: So sieht der Alltag vieler ErzieherInnen in Deutschland aus. Und das ist nichts Neues: Schon vor zehn Jahren haben fast 30 Prozent der ErzieherInnen in einer Umfrage gesagt, dass sie ihre Arbeits- und Einkommensbedingungen als schlecht bezeichnen würden. Nur acht Prozent waren wirklich zufrieden.

Die Arbeitsbedingungen in Kindertagesstätten sind demnach miserabel. Solche Umstände sind auch der Grund dafür, warum diese Berufsgruppe extrem Burnout-gefährdet ist. Kein Wunder also, dass wir vor einem Nachwuchsproblem stehen.

Mehr zum Thema: Wir Erzieher stehen jeden Tag kurz vor dem Burnout

Doch scheinbar sind unsere Träger und die politischen Instanzen nicht wirklich daran interessiert, unseren Forderungen, die Rahmenbedingungen in deutschen Kindertagesstätten zu verbessern, endlich nachzukommen.

Scheinbar glauben unsere Träger und Politiker, dass wir Fachkräfte ohnehin keinen Einfluss nehmen können und es daher keine Investitionen in bessere Arbeitsbedingungen braucht. Ja und scheinbar glauben "die da oben", das einfach nur aussitzen zu müssen.

Beenden wir diesen Irrglauben und bedienen uns einer sehr einflussreichen Strategie: Bewertungsportale! Sie haben uns gezeigt, wie einflussreich eine Bewertung für den Erfolg eines Produktes oder eines Unternehmens sein kann.

Konkurrenzfähigkeit und Stabilität sind existenziell abhängig vom Image und damit von der öffentlichen Meinung...und die öffentliche Meinung sind wir! Wir werden also anonym unsere Arbeitgeber über eine sehr hilfreiche Website bewerten. Und zwar: kununu.

Welche Bedeutung hat unsere Kita-Bewertung?

Wir erzeugen damit das gleiche Prinzip wie in der freien digitalen Marktwirtschaft: Gute Bewertungen auf Grund guter Qualität führen zu Wachstum und Erfolg. Wer an der Qualität spart, kann auf Dauer nicht bestehen.

Der Moment ist ideal, denn der deutschlandweite Fachkräftemangel (wir können uns aussuchen, wo wir arbeiten) und der Kita-Ausbau bieten uns eine wirkungsvolle Verhandlungsgrundlage.

Mehr zum Thema: "Wir arbeiten Vollzeit und können trotzdem nicht davon leben" - Appell einer Erzieherin

Kurz gesagt: Schlechte Arbeitsbedingungen führen zu schlechten Bewertungen. Schlechte Bewertungen führen zu fehlenden Bewerbern und damit freien Stellen. Freie Stellen führen zu Notstand und Notstand war schon immer der mächtigste Motor für Entwicklung.

Wenn also einer Kita die Bewerber ausgehen, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, wird sie früher oder später schließen müssen. Sicherlich liegt das nicht im Interesse der jeweiligen Stadtverwaltung oder Kommune. Der Handlungsdruck steigt.

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Wir können es uns nicht leisten, dass Kitas schließen

Im besten Fall ändern sich die Einkommens- und Arbeitsbedingungen so, dass ErzieherInnen dort wieder arbeiten möchten. Denn wir können es uns sicher nicht leisten, dass Kitas schließen.

Mit eurer Bewertung könnt ihr also viel bewirken. Damit die Bewertungen auch übersichtlich, glaubwürdig und konstruktiv sind, hier noch einige wichtige Vorschläge:

1. Bewertet bitte unbedingt die unzureichenden Rahmenbedingungen der Träger und nicht eure Kita oder euer Team. Wichtige Kritikpunkte wären z. B.: Gruppengröße, Personalschlüssel, Gehalt, Öffnungszeiten, finanzielle Mittel, Gesundheitsfürsorge, Wertschätzung, Konfliktmanagement, Notfallpläne, etc. - Die Kritik sollte systemorientiert und nicht persönlich sein. Auch ein "netter" Träger mit schlechten Rahmenbedingungen muss sich der Tatsache stellen, dass "nett" nicht ausreicht

2. Für private, betriebliche oder konfessionelle Träger (auch Vereine) macht eine einheitliche Bezeichnung Sinn - z. B.: "AWO Kindertagesstätten" oder "Katholische Kindertagesstätten". Nicht, dass der gleiche Träger mehrere Bezeichnungen hat und unsere zahlreichen Bewertung völlig zerstreut und dadurch wirkungslos werden

3. Einheitliche Bezeichnung für öffentlichen Träger (Städte, Kommunen, Magistrate, etc.). Mein Vorschlag: "Stadt und Kategorie" z. B.: Köln Kindertagesstätten oder München Kindertagesstätten. Ein Träger hat oft viele unterschiedliche Bereiche und wir wollen ja nur den Bereich Kindertagesstätten bewerten.

Bitte teilt diesen Beitrag und bewertet eure Kitas. Nur so können wir etwas ändern. #Kitahelden

Der Blog des Autoren.

(kap)

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