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Um die Kita-Krise aufzuhalten, muss Deutschland einen mutigen Schritt wagen

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The Washington Post via Getty Images
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"Das ist äußerst beunruhigend", höre ich mich flüstern! 300.000 neue Kitaplätze sollen geschaffen, Öffnungszeiten verlängert und Betreuungsmöglichkeiten erweitert werden.

Eltern suchen verzweifelt nach freien Plätzen in Krippen und telefonieren besorgt die bereits ausgebuchten Tagesmütter ab.

In der Bereitschaft die horrenden Beiträge privater Kindertagesstätten zu zahlen, erfahren Eltern durch die fehlenden öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten große Frustration im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Ich habe doch keine andere Möglichkeit!" höre ich Eltern sagen.

Wenn der Chef mit der Kündigung droht

"Wir können es uns nicht leisten, das einer zu Hause bleibt!" erzählt mir eine verzweifelte Mutter. Ein Vater vertraut mir an, dass seiner Frau mit Kündigung gedroht wird, wenn Sie nicht Vollzeit nach einem Jahr Elternzeit zurückkommt!

Dann gibt es natürlich noch die Väter und Mütter, die sich beruflich verwirklichen möchten oder der Meinung sind, dass ihr Kind in einer Kita das soziale Miteinander lernen solle und mit Gleichaltrigen spielen könnte.

Mehr zum Thema: Erzieher sind wie Restmüllcontainer, wir sollen alles schlucken

In meinem Kopf öffnen sich zeitgleich die unbequemen Schubladen, randvoll mit Werturteilen, die weder respektvoll, wertschätzend noch hilfreich sind. "Selbstverwirklichung auf Kosten der Kinder?", "Können Eltern nicht sparen und mit einem Gehalt auskommen?", "Erkennen Eltern denn nicht, dass ihre Kinder Familienzeit brauchen?".

Diese und andere Verurteilungen kennen die Betroffen zu genüge und bieten weder hilfreiche Lösungen, noch ein wohlwollendes Miteinander.

In Teilzeit arbeiten und das volle Gehalt verdienen

Wie wäre es, wenn wir jenseits des bekannten Familien- und Bildungssystems über eine grundlegende Veränderung in Sachen Beruf und Familie nachdenken? Verabschieden wir uns einmal von dem möglichen Anspruch, dass beide Elternteile Vollzeit arbeiten wollen.

Legen wir kurz die Vorstellung bei Seite, dass unsere Marktwirtschaft nur mit den uns bekannten Mechanismen funktioniert. Entkräften wir für einen Moment die Annahme vieler Eltern, dass unsere Kinder in einer Kita die gesündere Form von sozial/emotionaler Erziehung erhalten, als sie zu Hause möglich ist! Was geschieht dann?

Mehr zum Thema: Moderne Eltern verlangen viel und tun selbst wenig - die Abrechnung eines Kita-Leiters

Eine Welt, in welcher Eltern bei vollem Gehalt in Teilzeit arbeiten dürfen! Jetzt können Eltern sich mit anderen Familien auf Spielplätzen, in Vereinen und in Kindergruppen treffen, um dort das soziale Miteinander zu genießen.

Die gewünschten Erziehungswerte können nun von Vater und Mutter vorgelebt werden, Bindungsprozesse sicher aufgebaut und auch die so wichtigen Bedürfnisse als Liebespaar ausgedrückt und erfüllt werden. Die Hürden des Alltags werden nun als Familie gemeinsam besprochen und gemeistert!

Die Bundesregierung muss endlich handeln

Ein Gesetz, das eine maximale Betreuungszeit von 4 Std. in der Krippe und 6 Std. in der Kita festlegt, sichert die so sensiblen Bindungs- und Entwicklungsbedürfnisse unserer Kinder und schützt Eltern davor, die eigenen Bedürfnisse vor die der Kinder zu setzen!

Alleinerziehende erhalten ebenfalls ein volles Gehalt für eine Teilzeitstelle und gesetzliche Bevorzugung bei Betreuungsplätzen.

Schwangere Mütter besuchen bereits während der Schwangerschaft mit Ihren Partnern einen verpflichtenden Langzeitkurs, der die Freude und Verantwortung innerfamiliärer Erziehung, sowie bindungs- und entwicklungsförderliche Prozesse vermittelt. Ein Kurs, der die eigenen Erfahrungswerte sichtbar macht und zeitgleich die gewünschten Erziehungskompetenzen fördert!

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In dieser Welt freuen sich Eltern über die intensive Beziehung zu Ihren Kindern, erfahren Wertschätzung von Politik und Wirtschaft für die Hingabe und das Engagement ein Kind großzuziehen und erleben sich somit als selbstwirksam und bedeutend.

Die spürbare Entspannung auf Grund der existenziellen Sicherheit, der möglichen Selbstverwirklichung und dem geschulten Bewusstsein für die kindlichen Entwicklungsprozesse bietet unseren Kindern genau die Lebensatmosphäre, die wir uns doch alle für einander wünschen!

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