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"Zeit für einen Protest": Wir dürfen die Erziehung unserer Kinder nicht dem Staat überlassen

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KITA PROTEST GERMANY
ullstein bild via Getty Images
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Die Erlebnisse unserer eigenen Kindheit bilden den elementaren Grundstein für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung von Morgen.

Demnach basieren unsere Persönlichkeit und die damit verbundenen Handlungen (Prinzip Ursache und Wirkung) auf der Summe unserer Erfahrungen und wirken sich direkt auf die kommende Generation aus.

Diese plausible Tatsache motiviert mich als Kita-Leiter und Familienvater mir folgende Frage zu stellen: Sind wir selbst in Kontakt gekommen mit Wertschätzung, Wohlwollen, Herzlichkeit, Sanftmut, Empathie, Verantwortung, Respekt und Hilfsbereitschaft? Bieten wir denn als Eltern unseren Kindern diese Erziehungswerte?

"Ich bin immer da, immer hier, immer ein Teil von dir"

Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass die oben genannten sozial/emotionale Grundwerte sowie die Fähigkeit zu lernen, zu forschen und Strategien zu entwickeln auf Bindung beruhen. Bindung zwischen Eltern und Kind!

Bindung entwickelt sich in dem wir uns Zeit nehmen, zuhören, Gefühle zeigen, wertschätzen, viel Körperkontakt haben, sprechen und das Wir vor das Ich stellen:

"Ich bin immer da, immer hier, immer ein Teil von dir und unserer Familie, ein Fels in der Brandung, ein Freund zum Pferde stehlen, ein Blutsbruder!"

Mehr zum Thema: Wir Erzieher stehen jeden Tag kurz vor dem Burnout

Stellen wir uns einmal vor, dass die Persönlichkeit unserer Kinder auf den Grundwerten unserer investierten Zeit, Energie und Liebe basiert! Stellen wir uns zudem vor, dass wir später in dem Wie unserer erwachsenen Kinder denken, fühlen und handeln, immer auch ein Stück von uns selbst sehen! Was für ein einzigartiges Geschenk wäre das?!

Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere erwünschten Erziehungswerte niemals gleichwertig von öffentlichen Bildungssystemen erfüllt werden können!

"Don't hate the player - hate the system!"

Wird es daher nicht Zeit, jenseits der endlosen Kritik an ErzieherInnen und LehrerInnen, die fragwürdigen Bildungsprogramme und Rahmenbedingungen unserer Politiker hinter sich zu lassen? Zu Gunsten der eigenen Erziehungswerte?

Sind es nicht letztendlich unsere eigenen Werte, die unsere Kinder zu unseren Kindern machen? Vielleicht ist die Zeit gekommen, materielle und finanzielle Abhängigkeiten zu reduzieren, Ich-Zeiten in Wir-Zeiten einzutauschen und gemeinsam mit unseren Kindern zu wachsen?

Oder klingt das viel zu einfach und komplett unrealistisch?

Ist es nicht unsere Entscheidung, wie unsere Kinder aufwachsen sollen? Befähigt uns das nicht dazu, sich gegen die vorherrschenden Systeme aufzulehnen anstatt in Wut und Trauer über die oft ungesunde Betreuungsqualität in Deutschland zu ertrinken?!

"Don't hate the player - hate the system!"

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Wenn Bildung- und Erziehungswerte auf Systemen basieren, deren Rahmenbedingungen zur Folge haben, dass Eltern (auf Grund existenzieller Notwendigkeiten) auf die Zeit mit den eigenen Kindern verzichten müssen, dann spüre ich ein deutliches NEIN in mir!

Wenn diese Systeme traumatische Prozesse in der kindlichen Entwicklung begünstigen können, dann spüre ich auch hier ein deutliches Nein in mir!

Kommt dann noch hinzu, dass dieses von der Politik frenetisch umjubelte Bildungspaket in der Wirklichkeit nicht ansatzweise umsetzbar ist, Fachkräfte dadurch ausbrennen und Eltern um echte Bildung und Erziehung betrogen werden, dann wird aus dem gefühlten Nein, ein gelebtes Nein! Ein Protest!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Facebookseite des Autors.

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(jz)