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3 Gründe, warum Großbritannien besonders stark vom islamistischen Terror bedroht ist

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MANCHESTER
Phil Noble / Reuters
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1. Historisch

Großbritannien und Frankreich haben mit dem sogenannten Sykes-Picot-Abkommen von 1916 den Regionen im Nahen Osten neue Landesgrenzen aufgezwungen. Das Abkommen ignoriert kulturelle und ethnische Grenzen, und hat der Region eine fremde politische Ordnung aufgezwungen.

Dschihadisten betrachten dieses Abkommen daher als illegitim und geben Großbritannien eine historische Mitschuld an den Konflikten in der Region.

Der IS und andere Islamistische Gruppen, haben in dieser Hinsicht durchaus ein starkes historisches Bewusstsein. Am Gipfel seiner Macht, im Sommer 2014, verkündetet der IS über Twitter das "Ende von Syke-Picot".

Zu diesem Zeitpunkt hatte der IS weite Teile der Irakisch und Syrischen grenzen unter seiner Kontrolle.

2. Außenpolitisch

In Syrien engagiert sich Großbritannien militärisch, z.B. mit Luftschlägen, gegen den IS. Der IS möchte diese militärischen Angriffe vergelten, und für die britische Regierung so kostspielig wie möglich machen.

Er will anderen Ländern damit zeigen: "Vorsicht! Ihr seid uns militärisch überlegen, aber verbrennt Euch trotzdem nicht die Finger im Kampf gegen uns".

3. sozial-kulturell

Der militante Islamismus hat eine sehr lebhafte Tradition in Großbritannien. in den 80'er und 90'er Jahren diente London als Exil und sicherer Rückzugsraum von dem aus Islamistische Gruppen wie al-Qaeda ihren Widerstand in Afghanistan und anderen Ländern koordinierten.

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Die britische Regierung hat das weitergehest geduldet solange sich die militärischen Aktionen der Islamisten nicht gegen die Interessen des Königreiches richteten. Ideologische Anführer, wie der inzwischen inhaftierte Anjem Choudary, hatten jahrelang freie Hand eine militant-salafistische Massenbewegung zu gründen.

Dabei haben sie unzählige Menschen radikalisiert.

Drei Dinge, die man gegen den Terror tun kann

1. Sicherheit durch Gefahrenabwehr

Die Sicherheitsbehörden müssen alle rechtstaatlichen Mittel ausschöpfen um Anschlagspläne frühzeitig aufzudecken. Das schützt demokratische Gesellschaften vor den immanenten Gefahren des Terrorismus.

Dieser Schutz wird aber nie perfekt sein, egal wieviele Befugnisse Polizei und Geheimdienste auch bekommen mögen.

Sicherheitsbehörden können auch nicht die politischen und sozialen Ursachen des Islamistischen Terrorismus beeinflussen. Hierzu ist eine andere Präventionsstrategie erforderlich.

2. Sicherheit durch Prävention

Der globale Dschihadismus bedroht unsere Gesellschaft seit über 15 Jahren und im Moment gibt es wenig Aussicht darauf, das sich das kurzfristig ändern wird. Wir müssen schon heute die zukünftigen Herausforderungen besser antizipieren.

Mehr zum Thema: Verwirrung, Wut und Angst: Wie die Menschen in London am Tag nach dem Anschlag reagieren

Das sind Fragen wie: wie gehen wir mit den hunderten inhaftierten Islamisten um? Wie können wir gefährdete Jugendliche davon überzeugen, dass der Islamismus keine wirklichen Lösungen für gesellschaftliche Probleme bietet? Welche der bereits bestehenden Präventionsansätze wirken überhaupt, und welche nicht?

3. Sicherheit durch Haltung

Terrorismus verbreitet sinnloses Leid bei Opfern und ihren Angehörigen. Jedes Toter und jeder Verletzter ist einer Zuviel. In seiner jetzigen Form kann der Islamistische Terrorismus unserer Gesellschaft aber keinen ernsthaften und dauerhaften Schaden zufügen.

Wenn wir die Bedrohung nicht überschätzen und angemessen auf sie reagieren, so wie es hunderttausende Menschen in Paris, London, Manchester und Berlin getan haben, dann wird der Terrorismus nie zu einem Erfolgsmodell in Europa.

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