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Zyklen, oder: Alles hat seine Zeit

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In Zeiten der erhöhten Taktierung, in einer als sehr rasch empfundenen Beschleunigung und in einer deutlich wahrgenommenen Verdichtung von Raum und Zeit (zwei ganz typisch menschliche Kategorien zur Orientierung in unserem Sein) kommt dem Zyklus eine besondere Bedeutung zu.
Es reicht dabei nicht aus, zu wissen, dass es Zyklen gibt. Nein - es ist erforderlich, die unterschiedlichen Zyklen als Ausdruck von Entwicklung und Ausweitung zu erkennen und in das persönliche Leben und auch in das Geschäfts- und Gesellschaftsleben zu integrieren. Dann kann ein natürliches Fließen eintreten. Und das ist auch vom Leben so beabsichtigt.

Wer mit Zyklen lebt und arbeitet, hat es deutlich leichter als der, der unbewusst und vor allem gegen Zyklen lebt und arbeitet. Das Erkennen des Zyklus nimmt einem die Arbeit nicht ab. Nein. Doch es macht einem das gesamte Sein schlicht fließender. Agiert man vor dem Zyklus, so ist man oft der Pionier, der zwar Abenteuer erlebt, der jedoch nicht die nötige Wahrnehmung des Kollektivs erfährt, damit die neue Idee auch breiter umgesetzt wird. Ist man hinter dem Zyklus, dann kann man die Trümmer aufklauben, doch man kann nie die reifen Früchte ernten. Der Korb des Lebens ist mehrheitlich voll von Verfaultem, Überkommenem, Veraltetem.
Es lohnt also einen Blick auf das, was menschliches Sein, das persönliche Erleben, die eigene Rolle im Kollektiv und die Möglichkeiten im Wirtschaftsleben und in der Gesellschaft ausmacht, auf die unterschiedlichen Zyklen, ihre Zusammenhänge und ihre Möglichkeiten - jenseits des Abstrakten, des Theoretischen. Individuum und Kollektiv sind dabei oft Spiegelbilder.

Ein paar Grundgedanken, um das Wesen von Zyklen zu begreifen und alltagstauglich zu machen

Wenn man über Zyklen schreibt, dann sind einige notwendige Voraussetzungen darzulegen, die das eigentliche Verständnis der Zyklen überhaupt ermöglichen.
Ich gehe in meinen Überlegungen davon aus, dass alles Energie und Schwingung und damit eine einzige Realität ist. Das mag ein wenig kryptisch klingen, doch wissen wir z.B. aus der Quantenphysik, dass dem so ist. Es reicht also nicht aus, Einstein zu zitieren. Man muss seine Gedanken auch versuchen zu begreifen - selbst wenn es nicht immer ganz einfach ist.
Gleichzeitig gilt, dass es nichts Ungeformtes gibt. Wir erkennen die Form vielleicht nicht mit unseren doch sehr beschränkten fünf herkömmlichen Sinnen. Das, was wir gerne als Materie bezeichnen, ist eine vorgehende Verdichtung von Energie. Ob es sich dabei um einen Stuhl, ein Auto, ein Flugzeug oder einen Schrank handelt - es ist vollkommen gleichgültig. Die Grundaussage bleibt immer gültig.
Ferner gehe ich davon aus, dass es Bewusstsein braucht, um zu erkennen. Ich meine damit auch, jedoch nicht primär unser Alltagsbewusstsein, sondern eine spezielle Form, das sog. Höhere Bewusstsein. Ganz vereinfacht und fachlich völlig verkürzt, jedoch zum besseren Verständnis - es handelt sich um die Blick von oben auf das, was sich unten abspielt. Es ist die innere Zustimmung, dass alles seinen Weg geht und jeder das umfassende Wissen des Kosmos in sich trägt. Damit sind wir weit jenseits der bekannten fünf Sinne. Auch hier hilft uns die Quantenphysik, die voraussetzt, dass es einen Beobachter gibt, der durch sein Bewusstsein ermöglicht, dass ein Objekt, also das Auto, das Flugzeug etc. pp Realität wird. Es gibt also einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Erkenner und Erkanntem. Dies mag auf den ersten Blick eigenartig sein, doch das Widersprüchliche ist das eigentlich Normale in unserem Sein. So wie wir der Tropfen sind, der alles vom Ozean in sich trägt, so sind wir gleichzeitig der Ozean selbst. Der Punkt enthält bereits alles, was das Ganze in seiner Vielfalt und Komplexität enthält. Es ist ein Paradoxon, das uns aus der scheinbaren Klemme hilft. Die Doppelnatur von Dingen (Welle-Teilchen) führt uns in die Einheit. Wir kommen aus der Einheit und gehen wieder in die Einheit. Wir kommen aus der Leere und gehen in die Leere, denn nur aus der Leere kann Bewusstsein entstehen, können wir Vibration, Frequenz, Energie und Schwingung als solche wahrnehmen. So unterschiedlich die Einzelheiten sein mögen, sie kommen alle aus der gleichen Quelle, aus der gleichen Wahrheit.

Nun mag dies ein wenig theoretisch klingen, doch bei näherem Hinsehen ist dies zutiefst praktisch und wir erleben es in unserem Lebensalltag dauernd - nur sind wir uns dessen sehr oft nicht bewusst. Was wir kennen, nehmen wir als selbstverständlich. Was wir nicht erkennen, löst bei der Begegnung Erstaunen, Verwunderung, Verärgerung, Angst, Freude etc. in uns aus. Wir heißen es herzlich willkommen oder wir lehnen es rundweg vehement ab. Und - es bleibt, denn nichts in diesem Universum geht verloren - denn: alles ist Energie und Energie kann nie verloren gehen. Sie verändert sich. Auch bei dieser Erkenntnis stützt uns die Quantenphysik.

Was hat dies nun mit Zyklen zu tun?

Energie ist ein Phänomen, das immer in Bewegung ist. Sie pulsiert und schwingt in unterschiedlichen Geschwindigkeiten; sie strömt horizontal und vertikal in einem ewigen Fluss wie in einer virtuellen Matrix. Daraus ergeben sich verschiedene Verdichtungszustände. Irgendwann nehmen wir etwas als konkret-materiell wahr - wenn wir das nötige Bewusstsein dafür haben - siehe oben, das mit der Doppelnatur und so.
Wer also annimmt, dass es Stillstand gibt, mag auf der groben Ebene durchaus recht haben. Für die beschränkte Wahrnehmungsmöglichkeit mit unseren fünf Sinnen trifft dies zu. Doch wissen wir, dass wir bloß 5 % dessen mit diesem bekannten und so überschätzten Sensorium wahrnehmen, was tatsächlich vorhanden ist. 95 % der Realität bleibt uns damit verhüllt. Nehmen wir hinzu, dass wir zu ca. 80 % durch unser Unbewusstes gesteuert sind, dann wird die Angelegenheit zusätzlich interessant. Dies zeigt, wie begrenzt unsere sogenannte Wahrnehmung ist und wie abhängig diese von anderen Facetten und Faktoren wie z.B. Bewusstsein ist. Und dieses Bewusstsein unterliegt keinen physikalischen Gesetzmäßigkeiten.
Auf der Quantenebene und in den weiteren feineren Granulationen ist Stillstand eine Fiktion. Energie, Schwingung und Bewegung - und damit Veränderung - sind konstitutive Bestandteile unseres Seins.
Wenn Veränderung seinsprägend ist, dann durchlaufen wir eine Reihe von Phasen, wie z.B. das Säen, Werden, Ernten und Vergehen; Tag und Nacht; die Jahreszeiten; Lebensalter, Produktzyklen; Marktzyklen; Gesellschaftszyklen in der Entwicklung; Zeitalter als Planet etc.
So wie Veränderung ein Dauerbestandteil unseres Seins ist, so sind unterschiedliche und oft sich überlagernde Zyklen auch prägender Bestandteil. Hintergrund ist die dauerhafte Ausweitung in unserem Sein.
Es ist also der große Zusammenhang zwischen:

  1. Alles ist Energie und Schwingung
  2. Energie ist in dauerhafter Bewegung
  3. Veränderung als Ausdruck von Schöpfung und Komposition ist ein natürlicher Bestandteil unseres Seins
  4. Energie weitet sich in ihrer Verdichtung dauerhaft nach bestimmten Mustern aus

Zyklen sind in diesem Verständnis eine Art von Verbindungsknoten entlang der Raum-Zeitachse. Sie erlauben, dass Ereignisse und Prozesse (verstanden als Ketten von Ereignissen) in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander in Beziehung gesetzt und in Räumen verortet werden. Es ist ein permanentes ‚Sich ausdehnen' und ‚Sich zusammenziehen'. Dies zeigen das Atmen ebenso wie der Lauf der Jahreszeiten und das Wechselspiel aus Erfolg und Misserfolg beispielhaft.

Zyklen in konkreten Beispielen

Die beiden natürlichsten Zyklen sind die Lebensphasen, die man durchläuft - und die Jahreszeiten, die vielen von uns, die in Städten leben, ein wenig abhandengekommen sind. Lebensphasen ergeben sich oft in unscheinbaren Jahresabschnitten, die scheinbar keine äußere, sondern eine innere Logik in sich bergen.
Ein anderer Zyklus sind die sieben fetten und die sieben mageren Jahre. Dieser Siebener-Zyklus findet auch in der Erneuerung des Körpers ebenso statt wie in auf der seelischen Stufe. Nach jedem Aufbau kommen eine Stabilisierungsphase im Sinne einer Leere, die die nächste Stufe der Ausweitung ermöglicht. Dies ist eine Form von innerer Erneuerung. Permanente Ausdehnung führte zur Überdehnung bis hin zum Platzen oder zum Zusammenfall einer Ordnung. Ruhephasen sind wesentlich, um die Grundstabilität zu halten und die Ausweitung überhaupt zu ermöglichen.
Den Neunerzyklus zeigt sich in der menschlichen Schwangerschaft. Neun gilt nach Pytagoras, dem großen griechischen Mathematiker und Mystiker, als Zahl der Vollendung. Sie ist auch das Ende des einstelligen Zahlenraumes. Für die Darstellung aller Zahlen braucht es nicht mehr als die neun Zahlen, gemeinsam mit der Null, die nicht als eigentliche Zahl gilt. Gleichwohl hilft sie uns in der unbegrenzten Zahlendarstellung.
Auch der Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreszyklus ist eine Form eines in sich verschlungenen Zyklus. Vieles davon ist durch den Lauf des Mondes und der Sonne beeinflusst, die so eine natürliche zyklische Strukturierung vorgeben. Man kann sich gegen alles stellen, doch ist es einfach, mit dem Lauf der Natur mitzugehen.
Konjunkturzyklen in den unterschiedlichsten Dauern zeigen auch das ebenso wie in der Wirtschaft und bei Produkt- und Leistungslebenszyklen. Es sind Phasen von Samenlegung, Keimung, Geburt, Wachstum, Reife und Tod, die den Zyklus strukturieren und Orientierung ermöglichen.
Der körperliche Zyklus des Menschen ist von einer Reihe von Teilzyklen, die fein aufeinander abgestimmt sind, charakterisiert. Herzschlag und das Muster der Gehirnwellen sind in uns verborgene Zyklen, mit denen man sich oft dann auseinandersetzt, wenn etwas unrund beginnt zu laufen und wir merken, dass etwas nicht mehr passt und wir stolpern und Kopfschmerzen bekommen.
Jedes Produkt und jeden Leistung hat einen innewohnenden Zyklus. Daher gibt es immer wieder Neues, das heute und morgen modern ist und übermorgen bereits wieder überholt ist und durch etwas Anderes abgelöst wird. Man denke an die Entwicklung des simplen Mobiltelefons hin zu einem Multifunktionsgeräts. Ähnlich sieht die Entwicklung des PCs aus, der auch nur mehr als mehrfach verwendbares Gerät Aufmerksamkeit erzielt. Die Kombination aus Mobiltelefon und PC in möglichst kleiner, handhabbarer Form zum Smartphone gilt als eine der aktuellen Entwicklungen - ein Tablet zum Telefonieren, Fotografieren, Spielen, ... und ich weiß nicht was noch alles - ein neues Etwas ist geboren - aus dem Zyklus von Ideen, geschaffen aus einem gefühlten und tatsächlichen Bedarf und vielem mehr.
Auch im long count, der sehr langen historischen Betrachtung, gibt es nachvollziehbare Zyklen wie z.B. den Renaissancezyklus, der sich über 500 Jahre erstreckt. Dieser Zyklus der Ausweitung umfasst sowohl den Kunstbereich (z.B. durch die räumliche Darstellung in Form perspektivischer Linien; sie veränderten die Wahrnehmung der Welt und führten zu den bewegten Bildern, d.h. zum Film und zum Fernsehen) als auch den Finanzbereich (z.B. durch Aufkommen des Bank- und Geldwesens, das besonders durch die Aufhebung des Zinsverbotes für verliehenes Geld einen rasanten Aufschwung nahm) und die Gesellschaft als solche (z.B. durch die Veränderung von familiären und sozialen Strukturen, von Eigenverantwortung, Solidarität und Subsidiarität).
Krisenzyklen sind auch ein sehr interessantes Phänomen. Hier brechen Sollbruchstellen, aus denen oft eine bemerkenswerte Schubkraft für Veränderung resultiert. Wenn die Krise mit einer hohen Dynamik, Komplexität, Beschleunigung und Verdichtung von Ereignissen und Prozessen zusammenfällt, dann führt dies oft zu Zusammenbrüchen, die in vielen Fällen der einzige Weg zu einem Neubeginn sind. Die Finanzkrise 2008 hatte ein solches Potenzial, das jedoch viel zu wenig genutzt wurde. Die Gier als Phänomen dieser Krise brach schubweise hervor durch die diversen Papers. Der aktuelle Schub kam im November 2017 zutage. Dies ist auch ein Ausdruck, gegen einen Großzyklus zu arbeiten. Man könnte ihn überschreiben mit „Was macht man mit Geld jenseits der Gier?". Geld, das unproduktiv und nur auf Rendite und Zins aus ist, ist bereits aus dem Zyklus dessen gefallen, was unsere Gesellschaft braucht. Daher zeigen sich verzerrte Formen und kommen ungeschönt ans Licht. ... auch als Ausdruck, gegen einen Zyklus gearbeitet zu haben.
Was es auch noch gibt, sind Zeitalter. Rund um 2012 wurde in verschiedenen Kreisen das Ende eines langen Zeitalters thematisiert. Die Präzession der Erdachse ist seit Jahrtausenden integraler Bestandteil von Beobachtungen und Berechnungen. Die Beobachtung der Veränderungen am Firmament wurden Jahrtausende gepflegt und beeinflussten Mensch und Natur. Manches ist ein wenig in den Hintergrund getreten. Manches erlebt eine Wiederentdeckung mit modernen Mitteln. Das sich über ca. 26000 Jahre erstreckende sog. Platonische Jahr, also jener Zeitraum, den die Erdachse in der Präzession einmal zur Umschreitung benötigt, ist mittlerweile auch jenen bekannt, die nichts vom Wassermannzeitalter halten. Astronomie und Astrologie gelten noch immer als zwei völlig unterschiedliche Geschwister ... und doch gibt es vielerlei interessante Zusammenhänge, vor allem wenn es um derart langfristige Entwicklungen geht, die oft mehrere Generationen umspannen.

Zyklen sind damit Ausdruck des Werdens und Vergehens. Sie markieren gleichzeitig Ende und Neubeginn als natürliche Entwicklungsphänomene. Dagegen arbeiten kann einige Zeit funktionieren, doch am Ende kommt auch hier die Rechnung - ganz natürlich.

Warum kommen wir mit aktuell auslaufenden und neu beginnenden Zyklen zurzeit so schlecht klar?

Seit einigen Jahren haben sich die Bedingungen im Sein verändert. Sie äußern sich in einer wahrgenommenen Beschleunigung, in einer deutlichen und nachhaltigen Erhöhung von Komplexität im Sinne einer Mehrschichtigkeit und Vielfältigkeit in den Kombinationen und Ergebnissen und in einer erhöhten Verbundenheit, die oft mehr gefühlt denn faktisch ist. Die Gründe dafür sind vielfältig und sind z.B. in der voranschreitenden Globalisierung und der damit einhergehenden Digitalisierung zu finden. Was früher die sich entwickelnden Verkehrsmittel waren, sind heute Datenhighways. Verbindungen werden möglich und damit erfahren Raum und Zeit eine veränderte Bedeutungszuschreibung und Wahrnehmung.
Die Ursachen für Veränderung - der Trieb zur Ausweitung mit all seiner Neugierde und Gier - haben sich NICHT verändert, denn Energie als Basis unseres Seins bleibt immer Energie. Es kommt auch keine Energie dazu. Sie verändert sich bloß, wie wir sie wahrnehmen und wie sie sich konkret in Materie zeigt.

Gekoppelt mit dem Umstand, dass sich seit ca. 10 Jahren gehäuft größere und mittlere Zyklen dem Ende nähern und die neu beginnenden Zyklen in ihrer Anfangsphase sind, lässt eine Phase in Erscheinung treten, wo viel Altes nicht mehr wirkt und das Neue noch nicht wirkt. Wir leben in einer Art „kosmischen Spalte", und zwar in vielerlei Bereichen unseres Seins - persönlich und kollektiv, regional und global. Das macht es besonders interessant. Wir werden dabei nicht herausgefordert, sondern vielmehr hereingefordert und auf unseren Kern hin geführt. Das ist relativ neu und entspricht auch dem Prinzip der Ausweitung, verstanden als Polierung des Kerns und nicht als schrankenlose Erweiterung des Kerns im Sinne von quantitativem Wachstum.

In diesen bewegten Zeiten werden viele durch - scheinbar - äußere Effekte gezwungen, sich aus ihrer geliebten Komfortzone des Bekannten und angeblich Wohlverdienten zu begeben. Das geschieht oft nicht freiwillig, denn wer verlässt denn schon gerne sein wohlbekanntes, warmes Nest, das man in- und auswendig kennt? Das Leben ist ja nicht so, dass es nicht zeitgerecht Hinweise schenkt. Es liegt jedoch am Einzelnen, diese Hinweise anzunehmen und etwas daraus zu machen. Als passionierter Lusterweiterer und Schmerzvermeider ist der Mensch so gestrickt, dass kaum einer diese Hinweise erkennen will und umsetzt. Zu kompliziert, zu umständlich, nicht anwendbar und vieles mehr höre ich immer wieder.
Vielmehr schläft das Gros des Kollektivs nach wie vor, d.h. es erkennt die großen Zusammenhänge und möglichen Konsequenzen zu wenig bzw. gar nicht. Es fehlt dabei an echtem Wissen und an schlichtem Interesse. Es dominiert eine kollektive Hypnose. Am Alten hängt's, zum Alten drängt's. Das Neue hat gar keine Chance - oder doch...?

Im Fluss sein

Panta rhei (alles fließt) wird gerne schick zitiert, klingt es doch auch dynamisch und damit hochgradig zeitgeistig. Und da sind viele dann doch sehr gerne dabei - wer will denn als altmodisch und zurückgeblieben erscheinen?!.
Doch was ist der Fluss und wie kommt man in Fluss? Ich behaupte, es ist eine ganz bewusste Entscheidung, fließen zu wollen und gleichzeitig im Fluss des Lebens zu sein. Wie vieles Grundlegendes ist es einfach und verlangt nach konsequenter Umsetzung. Und es verlangt auch nach Vertrauen und Geduld. Denn in der Stille und der Ruhe erkennt man das Fließen - nicht in der Hektik und im Getöse, nicht im Lauten, nicht im Brachialen.
Das Fließen ist Ausdruck von Veränderung und damit auch Ausdruck von Leben. Simpel: Leben will fließen. Sehr deutlich zeigt sich dies im menschlichen Körper - Blut will fließen. Stockt es, gibt es den Schlaganfall und den Herzinfarkt.
Der Fluss stockt dann, wenn sich Bedingungen verändern und man alten Mustern dagegen arbeitet. Dann zeigen sich Blockaden ganz besonders drastisch, weil die Bedingungen dies begünstigen.
Blockaden haben wir durch unser Unbewusstsein erschaffen - individuell und kollektiv. Das geht über Jahrzehnte und Jahrhunderte zurück. Nur wurde sogar das Unbewusstsein vergessen. Und nun...nun zeigt sich vieles ... in einem interessanten, oft schmerzhaften Panoptikum. Es ist ein Kaleidoskop an scheinbaren Katastrophen aller Art, schlicht weil gegen Grundprinzipien unseres Seins verstoßen wurde und wird.

Wie kommt man heraus aus der Nummer?

Sehr einfach, durch Bewusstsein. Wir sind also wieder am Urgrund, am Anfang der Anfänge. Bewusstsein ist die allgegenwärtige und schöpferische Kraft. Erkennen und benennen sind dabei wesentliche Schritte. Ein kraftvolles Ja zu dem, was ist. Und dann der vertrauensvolle Einstieg ins Neue, in den neuen Zyklus, der einen weiterträgt und weiterträgt und weiterträgt.
So wie der Herzschlag und der Atem uns von Moment zu Moment tragen - am Ende gibt es dann eine Perlenkette an Jetzt-Momenten, die wir herkömmlich als Leben bezeichnen - so tragen uns auch länger dauernde Zyklen in unserem Sein weiter.

Nutzen wir diesen Fluss, auch wenn im Moment eine Reihe an größeren und kleineren Verbindungspunkten zusammenkommen und sich überlagern. Vertrauen trägt im Fluss des Seins.