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Zum Anderssein - Ein Plädoyer für das Leben der Einzigartigkeit

26/02/2017 15:05 CET | Aktualisiert 26/02/2017 15:06 CET
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Der Essay ist ein Plädoyer für das Leben selbst und für den Mut, seine ureigenste Einzigartigkeit zu erkennen und zu leben, frei von Egoismen, frei von Narzismus. Es geht ausschließlich um das Erkennen und Leben der eigenen Wahrheit. Wahrlich nicht immer einfach, jedoch heute wichtiger denn je - denn - unsere Zeit hier in dieser Welt als Mensch ist begrenzt. Damit ist unsere Zeit des Erkenntnis, des Wählens, des Entscheidens und des Gestaltens als Mensch ebenfalls begrenzt.

Zum Anderssein und zur Einzigartigkeit

Das Anderssein ist ein Thema, das mich mein gesamtes Leben begleitet - vielleicht auch, weil ich mich immer anders als die Masse wahrgenommen und empfunden habe. Dieses Gefühl der Nichtzugehörigkeit, des Ausgegrenztseins und der Fremdheit war mir viele Jahre eine große Belastung. Dafür gibt es viele Gründe, die oft im nicht mit dem Verstand Erklärbaren zu finden sind und sich in meinen Empfindungen und Wahrnehmungen widerspiegeln.

Es ist daher oft nur mit dem Herzen ausdeutbar Empfundenes, Gefühltes, das mir das Anderssein so vertraut macht - und damit die sogenannte Normalität ist.

Für mich ist es nichts Besonderes, zwischen Daseinsebenen zu wechseln, alleine zu sein, vollkommen auf mich gestellt zu sein (intellektuell und physisch), mich für Dinge und Themen zu interessieren und zu bearbeiten, die kaum jemand auffallen - und wenn, dann mit einigen Jahren Zeitverzögerung. Dann hat es mich bereits ins nächste und übernächste Thema weitergespült.

Ich suche Themen nie - weder als Wissenschafterin noch als Schriftstellerin. Sie sind einfach da, wenn die Zeit dafür reif ist. Nach dem „wie" und dem „warum" frage ich nie. Es wäre so als ob ich ein fein gewobenes Spinnennetz mit den Fragen zerstörte.

Mit dieser verstandesmäßigen Unerklärbarkeit wirke ich auf viele Menschen interessant, ja - da ist so etwas wie eine Magie, jedoch bin ich - bei näherem Hinsehen - für viele wenig fassbar, da ich nicht ihrer Norm entspreche und dieser auch gar nicht entsprechen will. Vielleicht erschrecke ich sie sogar mit meiner Klarheit im Anderssein und dem teilweise provokanten Leben meiner Einzigartigkeit.

Zur Klärung: Einzigartigkeit ist nichts Besonders. Jede/r ist in ihrer bzw. seiner Weise einzigartig. Jedoch erkennen dies die wenigsten - und noch weniger haben den Mut und das Vertrauen, diese Erkenntnis zu leben. Vielmehr passen sich Menschen an, um dazu zu gehören. Dies ist jedoch das Wesen des kleinen Kindes, das die Zugehörigkeit für das eigene Überleben braucht. Der Erwachsene braucht dies nicht - nur wissen auch das die wenigsten.

Die Einzigartigkeit bezieht sich auf meine Gedanken, meine Sichtweisen, meine innere Haltung, meine Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und auszudeuten, die vielen verhüllt bleiben. Für mich sind diese Zusammenhänge sehr früh in einem Prozess erkennbar und die Ergebnisse zeigen sich unverhüllt. Daraus ziehe ich meine Schlüsse und forme meine Gedanken und meine Meinung.

Ich habe mich nie an der herrschenden Meinung gerieben. Sie hat mich nie interessiert, denn dies erschien mir als unsinniger Wettbewerb. Mich haben Fragen immer mehr interessiert als Antworten, denn diese kann man sich der Norm entsprechend zurechtbiegen.

Und ich konnte und kann durchaus unbequeme Fragen stellen ... Dort wo keiner hinblickt, dort blicke ich leidenschaftlich gerne hin und genau dort gehe ich hinein - natürlich oft, ja meistens alleine. Es geht mir dabei nie um das Kontra-Programm und nie um die Provokation. Vielmehr war und ist es eine unbändige Neugierde, die mich vorantreibt.

Normen, Regeln, Strukturen

Normen, Regeln und Strukturen ermöglichen ein gedeihliches Zusammenleben. Dabei wird oft vergessen, dass alle drei grundsätzlich neutral sind. Es ist immer eine Frage, was man aus Normen, Regeln und Strukturen macht, inwieweit und mit welcher Qualität man sie mit Leben erfüllt und sie anderen oktroyiert. Dann entsteht ein Zwang, der meistens fern jeglicher Harmonie ist und dem Einzelnen die Luft zum Atmen nimmt.

Ich sperre mich also nicht grundsätzlich gegen Normen, Regeln und Strukturen. Nein, denn alle drei haben auch mich viele Jahre immer wieder stückweise geleitet - und gleichzeitig haben sie mich fast innerlich zerrissen, vor allem wenn man versuchte, sie mir aufzuzwingen und mich in sie hinzupressen.

Das Entsprechen der Norm hat mir den anderen Pol, meinen Pol gezeigt. Es war ein Weg voll von Sehnsucht, der mich in das Unnennbare, das Ungreifbare zog. Es war der Wunsch, alles anders zu machen, ohne zu wissen, was dieses Andere, dieses Einzigartige ist.

Nein, dies war nicht der übliche jugendliche Wunsch, sich aus dem Vergangenheitsgeflecht zu lösen. Dies war ein tief in mir angelegter, wenn man so will, innerer Auftrag, nichts mehr zu wiederholen und mich auf meinen Weg zu machen, der so anders war als alles was bislang bekannt war und in dem ich meine Einzigartigkeit verkörperte.

Ich stellte alles und jedes in Frage und blicke sehr gerne hinter den Vorhang, den Schleier des angeblich Faktischen. Denn - was ist die Norm? Gibt es sie überhaupt? Äußere Fakten spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, denn was ist schon „die" Norm, die scheinbar allein selig Machende? Wer legt sie fest? Wer achtet ihre Einhaltung?

Oft sind es tradierte Verhaltensweisen, die einen Anpassungszwang auslösen. Oft ist es dieser dem Menschen so innewohnende Zwang, dazugehören zu wollen, anerkannt und geliebt werden zu wollen - dafür nimmt man einiges in Kauf. Es sind sog. Generationenfixierungen und kollektive Muster, Regeln und Strukturen, die der Masse ungefragt übergestülpt werden und so Haltungen formieren - ungefragt, unkritisch ... weil es immer so war.

Ich gebe zu, es verlangt viel, nicht mit dem Strom zu schwimmen ... und ich gebe zu, dass Menschen, die anders als die Norm sind (gleich in welcher Ausprägung), für das Kollektiv schwierig in der Handhabung sind, weil sie oft nicht integrierbar sind. Sie brauchen eine andere Behandlung als die Norm dies vorsieht. Und dann wird es für alle Beteiligten ungemütlich, weil anstrengend. Dann beginnen eine manches Mal subtile, öfter jedoch eine manifeste Ausgrenzung, eine Zurücklassung hinter dem Zug der Lemminge.

Dabei - in jungen Jahren lebt der Mensch das Ursprünglichste, ist seinem Kern seines Daseins am Nächsten - und gleichzeitig ist er unglaublich dazugehörigkeitsbedürftig, denn ohne diese Zugehörigkeit wäre sein Überleben nicht möglich.

In diesem Paradoxon aufgespannt entwickelt sich Leben - mit allen Ecken und Kanten, mit allen Aufbrüchen, Umbrüchen und auch mit allen Abbrüchen. Und darüber wird die Generalnorm der Entsprechung gelegt, unbewusst, ungefragt ... und zum Unglücklich Sein vieler beitragend.

Dabei geht es nur um einige wenige Jahre im Leben eines Menschen, wo diese Zugehörigkeit wichtig ist. Wenn diese sehr kurze Phase vorbei ist und die Eigenständigkeit mehr und mehr ruft und das Anderssein, die Differenzierung angezeigt wäre, geht die Anpassungsphase unbewusst und unkommentiert für viele weiter, weil sie nie ihre Eigenart kennen lernen konnten und von der Masse mitgeschwemmt werden.

Ausbruchsversuche werden niedergehalten. Was man alles nicht macht ... Es lebe der kollektive Anpassungszwang. ... Uniformität allover. ... Kaum einer hat ja auch eine Betriebsanleitung für den Moment der Eigenständigkeit erhalten, denn es ist ja nicht so, dass es sich dabei um einen klar eingrenzbaren Zeitpunkt handelt. Vielmehr ist es ein Prozess mit allen Höhen und Tiefen.

Was geschieht ... ?

Nun stelle ich mir seit vielen Jahren eine Reihe an Fragen zum Anderssein und wie man die Einzigartigkeit leben kann. Diese Fragen sind nicht erschöpfend, sondern exemplarisch und geben einen ersten Hinweis zur Richtung, wo die Reise hingeht. Denn: diese Reise hört ja nie auf ...

  • Was geschieht, wenn man von Beginn an anders als die Norm ist, wenn man unangepasst ist, wenn man außerhalb der kollektiven Toleranzbereiche deutlich lieber lebt und das Anderssein das eigentliche Lebenselixier ist?
  • Was geschieht, wenn man vom ersten Atemzug unangepasst ist, anders ist, sich das Leben immer wieder erkämpft, zurückerobert - um dann den nächsten Schritt zu tun?
  • Was geschieht, wenn man in diese Welt mit anderen Veranlagungen landet, als dies die Norm vorsieht und man nirgends einordenbar ist, wenn eine Rasterung unmöglich ist?
  • Was geschieht, wenn man nicht komplett und gesund in diese Welt hereinkommt und dafür so viele andere Vorzüge mitbringt, die jenseits der körperlichen und geistigen Vollkommenheit liegen?
  • Was geschieht, wenn man die Zugehörigkeit verweigert, weil man fühlt, dass man eben nicht dazugehört und jeglicher Schritt in die Gruppe mit dem Verlust des Eigenen, des Ursprünglichen verbunden ist - mehr gefühlt, denn intellektuell erfasst?
  • Wie ist das, wenn man in angestammte Domänen eindringt, mit Neuem daher kommt und keine Anerkennung benötigt, weil sie sich - unerklärlich - aus sich selbst sich ergibt? Kein Anerkennungsjunkie?
  • Wie lebt man seine Einzigartigkeit als Menschenwesen, das nach einiger Zeit feststellt, dass es ein Alleins-Sein gibt, jedoch keine Einsamkeit, weil ein tiefes Gefühl von Eingebunden Sein unausgesprochen und unerklärlich vorhanden ist?
  • Was tun wir mit den Ausbrechern aus Jahrhunderte alten Ordnungen, denen dieses System gleich-gültig ist, weil sie längst ihre eigene neue Ordnung geschaffen haben?
  • Was tun wir mit jenen Menschen, die anders zur Welt kamen, bewegungseingeschränkt sind, intellektuell andere Dimensionen als die Norm betretend, die ein Verhalten aufweisen, das untrüglich und unbetrügbar in seiner Einfachheit ist?
  • Was tun wir mit jenen Menschen, die nicht in unser traditionelles Weltbild passen, anders aussehen, anders leben, anders zusammenleben, sich anders kleiden, usw.?
  • Was tun wir mit all dem -scheinbar - Fremden, das uns immer wieder begegnet?

Ich schreibe nicht notwendigerweise über die Flüchtlinge, die uns begegnen. Meine Betrachtung geht weit darüber hinaus. Flüchtlinge sind nur eine Facette. Alles, was gegen den Mainstream, die kollektive Norm verstößt, fällt darunter. Das sind die gegen-den-Strom-Schwimmer, die scheinbar Behinderten, die Ausgegrenzten, die Verschwiegenen, die Kranken, die Unbequemen, die abseits der Norm lebenden, die Mundaufmacher, die Augenaufmacher, die nie Stillen, die Whistleblower, die Aufdecker, die Erkennenden, die Bewussten, die Genialen, die Alleinseienden, die Verdrängten, die Anti-Norm Seienden, die aus der Norm Herausgefallenen, die Zugereisten, die Abgereisten, die Unwillkommenen, die o.a. Flüchtlinge, die Gastarbeiter, die Kinder, die in ihrem Wesen so ganz anders als die Masse sind, die einem ein Lächeln schenken, eine Umarmung aus sich heraus geben - ohne irgendetwas zu erwarten und die meisten von uns am berühmten linken Fuß erwischen und uns zutiefst berühren.

Ich finde noch mehr Bezeichnungen für diese Anderen, diese Einzigartigen, die oft jene sind, die viel mehr Liebe in sich tragen und sie auch zeigen können, als die Angepassten, die der Norm Entsprechenden. Sie sind oft die Helden im Kleinen und im Großen. Sie widerstehen der Versuchung, sich um der Vereinnahmung willen vereinnahmen zu lassen. Sie stehen auf, sind ungemütlich, aufmüpfig und gegen den Strich gebürstet. Sie machen den Mund auf, überzeichnen, um gehört zu werden.

Sie legen den Finger immer und immer wieder in die Wunde des Kollektivs. Sie zwingen Autoritäten in die Knie und stellen unangenehme Fragen - gleich wie alt sie sein mögen. Sie sind oft einzigartig Wissende ...

Was für eine Anmaßung im Urteil, was Norm und was nicht Norm ist! Was für eine Anmaßung zu bestimmen, was lebenswert ist und was nicht dem Leben entspricht! Was für eine Anmaßung, über passend und nicht passend zu entscheiden.

Ja - ich bin aus der Norm gefallen - ich war nie Teil der Norm, auch wenn ich es manches Mal sehr gerne gewesen wäre, um nur irgendwie dazuzugehören - ohne letztlich zu wissen, wo ich dazugehören will. ... So lange - bis ich erkannte, dass bei den Normierten auch die Liebe in ihrer umfassenden Form zur Norm wird. Damit ist sie, der Schlüssel allen Seins, bereits tot, bevor sie überhaupt angefangen hat, zu leben. Diese Erkenntnis ließ mir meinen Platz finden und auch einnehmen.

Nichts ist unkonventioneller als die Liebe, denn ex definitione wertet sie nicht, sondern lässt alles und jedes einfach so sein, wie es gerade ist. Gerade das macht die Größe der Liebe in ihrer reinsten Form aus. Gerade das macht das Andere, das Einzigartige aus. Gerade darum sind mir die Anderen aller Art, die Einzigartigen so ans Herz gewachsen.

Ich könnte diese Aufzählung nahezu beliebig erweitern. Ich könnte die genialen MusikerInnen, die in ihrer eigenen Welt leben und schöpfen, die SchriftstellerInnen, die aus dem Alleinsein neue Welten erschaffen, jenseits jeglicher Grenzen aller Art, die Wissenschafter, denen kein Berg zu hoch und keine Wüste zu weit ist - um sie dann doch zu bereisen und die zeitweilige Erschöpfung als Teil des Weges zu erkennen, nennen. Menschen, die körperlich und geistig in einer anderen Dimension als die meine Dimension leben - sie ziehen mich an, weil sie unendlich viel jenseits der Norm geben und sich über die kleinste Kleinigkeit freuen können, die vielen anderen verschlossen bleiben, weil sie wahrnehmen, was vielen verhüllt bleibt.

Der Phantasie ist in der Welt der Anderen, der Einzigartigen keine Grenze gesetzt. Die Grenze setzt die Norm für sich - ansonsten wäre sie vermutlich nicht überlebensfähig. Überleben heißt jedoch nicht leben - das sind zwei grundlegend unterschiedliche Zugänge zum menschlichen Dasein.

Den Anderen ist es gleich-gültig, was schön, was hässlich, was schick, was hipp, was in und was aus der Mode geraten ist. Sie sind in ihrer reinsten Form - ohne Verklärung, denn diese brauchen sie gar nicht. Sie sind aus sich heraus, verstehen sich oft nicht, weil es in ihrem Leben gar nicht darum geht. Sie werden auch nicht verstanden - auch darum geht es nicht. Sie sind die Einzigartigkeit. Daher entziehen sie sich jeglicher normierter Wertung.

Am Weg zum Leben der Einzigartigkeit

Ich habe mich lange mit dem Thema des Andersseins und der Einzigartigkeit im Lebensalltag auseinander gesetzt, weil es mir in mir und aus mir auf Schritt und Tritt begegnete. Es hat mich verstört, solange ich die Norm als Maßstab meines Seins nahm. Daraus konnte nur Ablehnung entspringen - auf allen Ebenen meines Seins.

So lange ich die Einzigartigkeit und mein Anderssein ablehnte, lehnte ich mich selbst ab. So lange ich darüber hinweg blickte, war ich unendlich weit weg von mir. So lange ich mich anpasste, hatte ich Schmerzen aller Art, war krank an Körper und Seele - der Geist hat sich immer gewehrt, bewusst und unbewusst. So lange ich mein Anderssein verleugnete, verleugnete ich jegliches Strahlen in mir - meine Seele und alles, was mich ausmacht, inbegriffen.

In dem Moment - und es war ein langer Moment - in dem ich begriff, dass es ein Anderssein nicht gab, sondern nur die Einzigartigkeit, jenseits jeglicher Norm, die menschengeschaffen ist, oft unbewusst ist und eine kollektive Hypnose -„nur-so-und-nicht-anders-kann-es-gehen" auslöst. Einzigartigkeit ist immer mit dem eigenen Wesenskern verbunden. Diesen zu ent-decken, ist ein langer Prozess, oft schmerzhaft, oft voll von Dunkel und tiefster Nacht ohne Begleitung, oft von Rückschritten und Seitenschritten gekennzeichnet, oft von Ausgrenzung und Verleugnung begleitet.

Hinzu kommen Umwege, Intrigen und Neid aller Art, denn das Andere ist oft unbequem und stellt das Kollektiv in Frage. Es erschüttert das Selbstverständnis und das Bisherige in seinen Grundfesten. Es zwingt aus der Komfortzone hinaus und geht auf den Bruch mit dem bisher so Kommod-Bequemen zu und gibt dabei nicht auf. ...

Und was geschieht dann? - ... Es tritt Widerstand gegen das Andere und das Einzigartige ein. Es ist erstaunlich, wie rasch und kreativ Widerstand dann möglich ist, wenn sich das Kollektiv bedroht fühlt, in seiner angestammten Bequemlichkeit, seiner überheblichen Deutungshoheit, seiner scheinbaren Reinheit. Ich schreibe - fühlt, denn faktisch ist es oft das Gegenteil von Bedrohung.

Und dieses Kollektiv hat kein Interesse am eigenen Erkennen, an der eigenen Standortbestimmung, im Gegenteil. Es fühlt sich aus seiner Bequemlichkeit gerissen, an den Rand der vielzitierten Komfortzone gedrängt, aus dem gemütlichen Federbett des Seins geworfen. Jedes Mittel ist dann recht, um sich des Anderen zu entledigen. Das Vorgehen zur Legitimation dieser Entledigung ist oft sehr fantasievoll.

Gelegentlich gipfelt es in Hass und in der Auslöschung ... alles erlebt. ... Es bedarf einer anderen Sichtweise, um zu erkennen, was das Andere, das Einzigartige auch sein kann.

Ich mag die Anderen, diese Einzigartigen. Sie sind mir nahe - ob scheinbar gesund oder scheinbar krank, ob normal oder behindert. Denn Krankheit ist auch eine Kategorie der Norm, des Kollektivs. Was ist denn Verrücktheit außer eine Ver-Rückung der Wahrnehmung, des Standpunktes? Nur aus dieser Ver-Rückung entsteht echte, wahre Veränderung. Alles andere birgt den Stillstand in sich, und damit den Tod.

Warum fällt es dem Kollektiv so schwer, das Andere in seiner Einzigartigkeit als solches zu erkennen und anzunehmen? Warum wird das Andere derart oft als Bedrohung der Reinheit von Form und Inhalt gesehen? Gibt es eine absolute Schönheit, die das rechtfertigt, ein absolutes Maß aller Dinge, auch wenn es immer wieder verleugnet wird ...?!

Ich meine - nur das Unvollkommene, das Andere wird letztlich geliebt. Man sehe sich die geheime, oft versteckte Bewunderung für das Andere und das Einzigartige an. Das Vollkommene braucht die Liebe nicht. Gleichzeitig ist Vollkommenheit immer eine Form von Tod. Es ist auserzählt, ganz und rund. Was will man da noch dranhängen?

Das kann nur künstlich und eine Fortsatz sein, hat jedoch mit dem Eigentlichen nichts mehr zu tun. Es wirkt aufgesetzt und draufgesetzt, wackelt und passt - irgendwie - nicht richtig. Das war immer so - und es ist in dieser ver-rückten Zeit, in der wir leben, ganz besonders so.

Die Norm mag Sicherheit, Berechenbarkeit und Verbindlichkeit geben und viele mögen dies brauchen. Jedoch alleine das Suchen dessen, was ausschließlich im Innen vorhanden ist, bedeutet ein dauerhaftes Suchen und ein ebenso dauerhaftes Unglücklichsein. Die Suche im Außen ist das Programm für Dauermangel. Die Seele sitzt der Illusion des Egos grandios auf ...

Das Andere ist Einzigartigkeit im Impuls, in der Inspiration, Kreativität, Reinheit; der Narr, der reine Tor, die Kindlichkeit, das Risiko, Triumph und Niederlage - scheinbar - alles zugleich. Im Anderen liegt der eigentliche Fortschritt, sei er faktisch oder sei er emotional-seelisch; es ist der Ausdruck des Einzigartigen. Niemals findet der nächste Schritt im Sein im Normalen, im in der Norm liegenden statt.

Dort gibt es weder Veränderung noch Entwicklung. Es sind die Anderen, die frei und aus dem Herzen geben, weil sie in ihrer Welt alles haben und nichts zurückhalten. Sie sind oft frei von Angst und von Enge, denn ihr Anderssein kennt diese Gefühlszustände deutlich weniger als sogenannt Normale.

Wenn Leben Ausdruck von Energie ist und Energie immer schwingt und damit in Bewegung ist, dann ist das Andere die eigentliche Regel und die Norm die Ausnahme. Wenn wir Ausdruck der Schöpferkraft sind, dann ist das Andere der Fußabdruck des Seins, weil er die Einzigartigkeit darstellt.

Eigenartig-einzigartige Gedanken einer Anderen, die ihr Anderssein und ihre Einzigartigkeit liebt und lebt.

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