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Neue Führungsfiguren sind gefragt - Bitte wo haben sich die denn versteckt?

09/11/2015 10:04 CET | Aktualisiert 09/11/2016 11:12 CET
thinkstock

Leadership gilt mittlerweile als eines der großen Schlagworte des Jahres 2015, zeigte sich doch die aktuelle Flüchtlingskrise besonders klar, dass alte Verhaltensweisen und Rezepte nur mehr sehr unzulänglich funktionieren.

Die Gestaltung einer Situation, ein wesentliches Element von Führung, ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Manche sprechen bereits von Chaos und Apokalypse. Nun denn, auch diese Lage lässt sich lösen, vielleicht nicht alles zur gleichen Zeit, jedoch in Schritten, mit viel Bewusstsein und Kreativität. Weder das Dauerjammern noch das kollektive Opfergehabe inklusive Wut bringen eine Lösung.

Denn: Führung heute, morgen und übermorgen findet in einem wahrhaft komplexen, d.h. vielschichtigen und mehrlagigen Spiel- und Umfeld statt, das flüssig, rasch veränderlich, vermischt und hochdynamisch ist. Sich vor der Lage zu bewegen, ist die Ausnahme. In vielen Fällen reagieren Entscheidungsträger und betreiben lediglich Schadensbegrenzung. Und Gewalt hat ja bekanntermaßen noch nie zu einer verträglichen Lösung geführt.

Auswege, Abzweigungen, Nebengeleise?

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma oder ist es nur ein scheinbares Dilemma, das Führungsfiguren auf neue, andere Wege bringen will - wenn sie es nur zuließen, wenn sie bereit wären, aus der vielzitierten Komfortzone auszusteigen? Welche Rolle kommt der Einzelperson in diesen bewegten Zeiten zu - oder sprechen wir über etwas Neues, das wir mit unserem herkömmlichen Wortschatz noch gar nicht benennen können?

Es lohnt sich jedenfalls, Gedanken darüber zu machen, was Führung in dieser doch anderen Lage bedeuten kann und wohin die Reise gehen könnte. Denn: Führung betrifft uns alle, wollen wir doch ein Leben führen - im besten Sinn des Wortes.

Ein etwas weiterer Zugang ist dabei hilfreich, weil er auch die Komplexität der zu gestaltenden Lagen gegenspiegelt. Diese Komplexität gilt für Einzelpersonen, Unternehmen, Organisationen und Regierungen gleichermaßen.

Auf Anfang

Ganz simpel begonnen - und doch so fordernd: Selbstführung bildet die Basis, um überhaupt andere Menschen führen zu können. Ohne sich selbst zu erkennen und zu führen, ist sinnstiftende Führung von Teams nicht möglich. Hier scheitern bereits viele sogenannter Führenden, auch wenn sie es ungern zugeben. Wer will denn schon von sich sagen, dass er bzw. sie sich selbst nicht im Griff hat und nicht weiß, wo die eigene Reise hingeht? Zugegeben - Selbstführung ist weder einfach noch immer angenehm. Sie ist jedoch unabdingbar. Und - Selbstführung bezieht sich auf das Führen des Lebens des einzelnen.

Der nächste Takt

Strategie erhält auch einen neuen inhaltlichen Drall und ist viel umfassender anzusetzen als man es in vielen Fachbüchern findet, weil sie sowohl den kreativen Prozess des Erschaffens, des Schöpfens von Strategien und Methoden als auch deren Umsetzung beinhaltet. Gleichwohl - nicht überall wo Strategie draufsteht, ist auch Strategie drinnen. Hier darf ein Umdenken stattfinden, sowohl hinsichtlich der Fristigkeit als auch hinsichtlich des Inhalts dessen, was das Strategische ausmacht.

Selbstführung und Strategie bedürfen des Managements (Zahlen, Daten, Fakten) und der Teamführung. Geführtsein umfasst ergänzend dazu das Vertrauen, dass es jenseits des bisher Erwähnten eine Form von nicht in Worte fassbare Führung gibt. Manche nennen es Zufall. Wiederum andere benennen es mit Flow. Auch hier gilt: es ist immer und überall anwendbar. Die Ausprägung und der Umfang mögen variieren. Die Grundbotschaft jedoch ist universell für diesen Takt.

Führung als Kunst

All das zusammen genommen ergibt einen Bogen, den man sowohl fürs Leben als auch für jegliche Organisation anwenden kann. Natürlich wird es Nuancen, unterschiedliche Gewichtungen und Ausformungen geben. Das Grundprinzip in der Struktur jedoch bleibt. Führung wird in dieser Symbiose zur Kunst, die in einem kreativen Akt Neues, Anderes und vor allem Sinnstiftendes hervorbringt.

Wie kann man dieses Netz mit Leben befüllen?

Der Einzelne ist dabei mehr denn je gefordert - auch wenn es keine Betriebsanleitung für das eigene Leben und Er-Leben und für das Führungs-Leben und Führungs-Erleben gibt und ohne Gelinggarantie, ohne scheinbares Sicherheitsnetz und ohne Zuneigungsbekundungen durch die Öffentlichkeit und vor allem ohne Applaus durch die Medien zu agieren ist. Das erfordert ein gerüttelt Maß an Bewusstsein und Bewusstheit.

Im Strategischen ist es unabdingbar, die Punkte zu erkennen und zu verbinden, das symbiotisch-verschränkte Darstellen und Umsetzen, das sich laufend der Lage Anpassen, um sie damit gleichzeitig auch gestalten zu können.

Teamführung ist somit etwas zutiefst Persönliches, Dynamisches, eine Art Reise, bei der andere zu begeistern und mitzunehmen sind. Das gilt für die Familie, das soziale Umfeld, in dem man lebt genauso wie für ein Unternehmen. Wir sind Teil einer Gemeinschaft und bringen uns als Einzelwesen in diese ein - mal mehr, mal weniger.

Diese „Reise" verlangt Offenheit im Umgang mit den Herausforderungen, die Bereitschaft, eigene Grenzen zu erkennen und laufend hinauszuschieben und sich immer wieder neu zu erfinden. Gleichzeitig wird auch das Mitnehmen anderer Menschen, das Einnehmen für eine Idee und das gestaltende Umsetzen dieser Idee davon berührt. Wesentlich ist, dass Handwerk im Sinne einer intellektuellen und spirituellen Kompositions- und Orchesterarbeit die wesentliche Grundlage bildet, um überhaupt das Niveau von Kunst im Sinne des oft nicht Fassbaren und doch Existenten, des jenseits der Worte Reichenden, erzielen zu können. Wahre Führung ist zwingend und harmonisch zugleich - ein immer wieder anzustrebender Zustand.

Ach ja - Apokalypse bedeutet im Übrigen Enthüllung bzw. Offenbarung ... kann, muss jedoch nicht schlimm sein. Und - Chaos ist auch immer ein Nährboden für viel Kreativität. Und die braucht es in diesen Veränderungszeiten ganz besonders - in der rechten Mischung mit Stetigkeit - eben zwingend und harmonisch zugleich.

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