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Nach-Gedanken zum Internationalen Frauentag 2017

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMENS DAY
Lucy Nicholson / Reuters
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Jedes Jahr aufs Neue nehme ich die teilweise enthusiastischen WĂŒnsche an „uns" Frauen am 8. MĂ€rz wahr.

Keiner kann sich ausnehmen, Bundeskanzler, Außenminister, Startenor, Steuerberater, Schauspieler, Friseur, Mann von der Straße usw. - alle erscheinen mit BlumengrĂŒĂŸen auf den diversen sozialen Medien. Es ist eine regelrechte GlĂŒckwunschprostitution, die da alljĂ€hrlich stattfindet.

Nun - damit gleich klar ist - ich zĂ€hle mich nicht zu den Feministinnen, auch wenn mich diese ob meiner ungewöhnlichen Biografie sehr gerne immer wieder in ihren Kreis aufgenommen hĂ€tten und von mir fordern, ich möge doch ihren Ideen „als einzige Frau ĂŒber so viele Jahre in MĂ€nnerdomĂ€nen" mehr Gehör verschaffen. Sorry - girls - no way.

Ich hatte nie „dazu gehört" - zu anders, zu eigenwillig, zu eigensinnig, zu unangepasst. ... und jetzt, jetzt ist es zu spĂ€t, um in den erlauchten Zirkel aufgenommen werden ... ich will es nicht mehr.

Was ich jedoch bin, ist eine Wahrnehmende und Fragende. Vorsicht, die nachstehenden Fragen, natĂŒrlich ohne Antworten, denn ein wenig Denkleistung darf und soll ja sein ... jenseits der opulenten alljĂ€hrlichen BlumengrĂŒĂŸe ... also Vorsicht, die nachstehenden Fragen können entrĂŒsten, können zum Aufbrausen verleiten, können sogar zum Stillwerden und zum Nachdenken verleiten.

Nebenwirkungen sind also jedenfalls garantiert. ... Und - fĂŒr die kritischer Leserinnen und Leser ... selbstverstĂ€ndlich habe ich Fragen, die Sie aus persönlicher Betroffenheit gestellt hĂ€tten, nicht gestellt ... ja - man hĂ€tte können, habe ich jedoch nicht ... und bevor Sie "ja, aber" denken oder sagen ... einfach mal weiterlesen. ... es könnte etwas Anregendes dabei sein ... Vorsicht, gefĂ€hrlich ...

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Ich frage, was an den restlichen 364 Tagen (beim Schaltjahr 365) mit Anliegen von Frauen geschieht, jenseits suffragettenhafter Auftritte und politischer SchaumschlĂ€gereien, weil es sich halt gut macht, fĂŒr Frauen und ihre Anliegen einzutreten (im Regelfall sind ja 50 % der Wahlberechtigen Frauen - also ein markanter, und keinesfalls zu unterschĂ€tzender Anteil).

Und ich frage als Frau, die von Frauen sehr oft ignoriert und kaltgestellt wurde, weil ich ihre sogenannte "Sache" nicht ungeteilt vertrat, sondern mir meinen eigenen Standpunkt und die höhere Sicht der Dinge gerne bewahre.

Also - ich frage...

  • Was geschieht mit jenen MĂ€dchen, die sich von klein an nicht anpassen, daher isoliert und geprĂŒgelt werden?
  • Was geschieht mit jenen MĂ€dchen, die andere Wege als die bislang bekannten Wege gehen wollen?
  • Was geschieht mit jenen MĂ€dchen, die ihren Traum erkennen und leben wollen?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die in sogenannten MĂ€nnerdomĂ€nen arbeiten wollen und keine Möglichkeit dafĂŒr geboten bekommen?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die genau dafĂŒr belĂ€chelt, ausgelacht und wieder an den Rand gestellt werden?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die doch den Sprung schaffen - aus eigener Kraft - und dann im Haifischbecken ĂŒber Jahre schwimmen und trotz aller Bisse ĂŒberleben und weiterziehen?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die sich bewĂ€hren und zur Mann-Frau abgestempelt werden?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die mutig sind, die sich nicht um Konventionen scheren?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die von den Eltern und der Familie in eine Ehe gezwungen werden, da sie ansonsten keine Chance auf ein Überleben haben?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die von ihrer Familien geĂ€chtet werden, weil sie „nein" sagen?
  • Was geschieht mit jenen jungen Frauen, die von ihren Partnern immer und immer wieder tĂ€tlich angegriffen werden, weil sie ihren Traum leben wollen
  • Was geschieht mit jenen jungen Frauen, die derart von ihren Partnern psychisch unter Druck gesetzt werden, weil sie ihren Weg gehen wollen?
  • Was geschieht mit jungen Frauen, die von ihrer Familien geĂ€chtet werden, weil sie „nein" sagen?
  • Was geschieht mit den Tausenden und Abertausenden Alleinerzieherinnen, die tĂ€glich umso Überleben kĂ€mpfen?
  • Was geschieht mit Frauen, die aus Lust am Neuen in MĂ€nnerdomĂ€nen eindringen und erfolgreicher sind als die MĂ€nner selbst?
  • Was geschieht mit Frauen, die um ihrer Leistung willen an den öffentlichen Pranger gestellt werden?
  • Was geschieht mit Frauen, die FĂ€cher studieren, in Mindestzeit als Beste abschließen und erfolgreich ihren Weg gehen?
  • Was geschieht mit Frauen, die noch weiter im Studium gehen, sich habilitieren - als einzige z.B. im deutschsprachigen Raum?
  • Was geschieht mit Frauen, die als erste eine FĂŒhrungsaufgabe in einer reinen MĂ€nnerdomĂ€ne ĂŒbernehmen?
  • Was geschieht mit Frauen, die ob ihrer Persönlichkeit und ihrer Leistung durch den Dreck des medialen Boulevards gezogen werden?
  • Was geschieht mit Frauen, die von ihren Vorgesetzten genau in dieser Situation „zum Abschuss frei gegeben werden" und die man(n) „ausbrennen" lĂ€sst, fĂŒr die man „keinen Finger rĂŒhrt, weil sie eh nicht zu uns gehört"?
  • Was geschieht mit Frauen, die sich in einem anderen Land komplett neu erfinden und sich eine neue Existenz aufbauen - ohne Hilfe?
  • Was geschieht mit Frauen, die im Neuen Fuß fassen und sich und ihr Sein jeden Tag aufs Neue erfinden?
  • Was geschieht mit all den Heldinnen und Rebellinnen, die nicht der VerfĂŒhrung aufsitzen?
  • Was geschieht mit den Mutigen und Vertrauensvollen, die schlicht ihren Weg gehen, ohne dabei in den Egoismus zu verfallen?

Ich kann die Reihe der Fragen noch gerne weiter fortsetzen. Mir geht es um eine Anregung zum Denken, denn dort findet VerĂ€nderung statt. Die Blumen und GlĂŒckwĂŒnsche im Außen, durch die Existenz sozialer Medien erleichtert, sind nett, gehen jedoch völlig an den restlichen 364 Tagen vorbei. So wie der Feminismus die Neupositionierung der Frau im außen durchaus gefördert hat und natĂŒrlich seine Meriten hat.

Wo aber hat sich die Frau ĂŒber Jahrhunderte im eigenen innen gewandelt?

Jenseits schĂ€tzenswerter feministischer Parolen, jenseits der vieldiskutierten Frauenquote, jenseits der Bevorzugung von Frauen bei der Besetzung von FĂŒhrungsaufgaben, jenseits der Beachtung der menschlichen und fachlichen Qualifikation der Bewerberin, die das gar nicht gebraucht hĂ€tte und die Bevorzugung als schlechten Dienst an ihr selbst ansah, als eigentliche Diskriminierung, weil ihre Leistung und Qualifikation nicht anerkannt wurden - sondern das Frausein als Etikette missbraucht wurde, und ... jenseits der glĂ€sernen Decken. ...

Soweit meine Nach-Gedanken zum Frauentag 2017 ... und ich könnte dazu aus eigener Erfahrung als Mensch und als Frau mit 20 Jahren FĂŒhrungserfahrung in Wissenschaft und MilitĂ€r noch deutlich mehr und deutlich drastischer schreiben.

Die Zeilen sollen jedoch „nur" zum Nachdenken anregen, vor dem nĂ€chsten Frauentag und - vielleicht - in den 364 Tagen dazwischen (bei einem Schaltjahr 365 Tage).

Lesenswert:

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