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Alles verbunden? Vernetztes Denken in komplexen Lagen

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Als jemand, dessen Lebensmotto "Welten verbinden" ist, liegt es auf der Hand, sich mit der oft locker dahin gesagten These "Durch das Internet sind wir alle miteinander verbunden" auseinander zu setzen. Damit unmittelbar zusammenhängend ist die zweite These "Wir leben in einer Phase an hoher Komplexität". Ich habe mich seit 1992 in meinen Arbeiten vor allem mit Komplexität und ihren Auswirkungen auf das Entscheidungsverhalten und die Entscheidungsfindung von Führungskräften auseinander gesetzt. Dabei sind mir bemerkenswerte Fälle in die eine und in die andere Richtung untergekommen. Da gab es Mensch, die einen Instinkt für Komplexität und Verbundenheit hatten. Da gab es auch Menschen, die dies schlicht ignorierten. Dann musste alles mögliche für Fehlschläge herhalten.

Gerne blicke ich hinter bekannte Horizonte, denn dort liegen die Lösung für morgen und übermorgen. Das sind dann meistens anspruchsvolle Antworten und Vorschläge, die man nicht einfach so nehmen und umsetzen kann - zugegebenerweise. Doch Komplexität, Verbundenheit und Simplifizierung vertragen sich nicht. Es geht nicht darum, kompliziert zu sein. Es geht um etwas Anderes. Gerne blicke ich in die Tiefe von Begriffen, besonders wenn diese unspezifisch, inflationär und substanzlos verwendet werden. Dann wird es für mich so richtig interessant.
Der Sprache kommt in meinem Leben und auch generell eine besondere Rolle zu. Da Sprache Bewusstschein schafft und diese wiederum das, was wir als Realität bezeichnen, ist dieser eingehende Blick noch spannender.

So frage ich mich beispielhaft

  1. Was heißt „alles verbunden"?
  2. Was heißt „komplexe Lage"?
  3. Wie bewegen wir uns jeden Tag durch die Informationsflut?
  4. Surfen wir oder ertrinken wird doch eher?

Meine Gedanken haben keinen ausschließlichen Charakter. Sie haben auch nicht den Anspruch "richtig" zu sein. Ich lege meine Erfahrungen dar, die ich 25 Jahren als Wissenschafterin und als Schriftstellerin mit Komplexität und Verbundenheit gemacht habe.
Es ist ein Angebot einer etwas anderen Sichtweise. Sie soll das Gesamtbild bereichern. Nicht mehr, nicht weniger.

Wir sind alle miteinander verbunden, oder: Verwirrung komplett?

Die Frage nach der Verbundenheit an sich und der Allverbundenheit ist zuerst eine Frage der Betrachtungsebene. In meiner Welt wird gemeinhin auf der Energieebene angesetzt. Dem geht die Annahme voraus, dass alles Energie ist. Dies lässt sich physikalisch und quantentheoretisch seit vielen Jahren belegen.
Die Darlegung der Betrachtungsebene ist wesentlich, weil man ansonsten das Prinzip der Verbundenheit nicht verstehen kann, ja, es bleibt dem bloßen Augen unverständlich. Es ist eine sehr fein ausgestattete, mikrokleine Ebene, die Ebene der Quanten.
Ich werde an dieser Stelle keine quantentheoretische Abhandlung geben. Vielmehr stelle ich die Behauptung auf, dass auf Quantenebene alles mit allem verbunden ist. Und Einsteins Arbeiten sind Ausweis für die Behauptung genug. Dem ist vorläufig nichts hinzuzufügen.

Diese Form der Allverbundenheit bedeutet nicht Beliebigkeit, Erwartungserfüllung und Anpassung, sondern umfassende Verbundenheit und gegenseitige Beeinflussung und gilt auf Gegenseitigkeit auf der bewussten und unbewussten Ebene des Seins - ob man dies bewusst will oder nicht.
Was man über sich selbst denkt, wirkt auf den anderen und umgekehrt. Es ist wie ein unsichtbares Netz, das verbindet - eine virtuelle Matrix. Es sind Schwingungen, Gefühle, Energien.
Jeder kennt dies und hat es immer wieder erfahren. Vor allem in Gruppen sind diese Beobachtungen deutlich sichtbar und vor allem fühlbar. Oft ist man nicht in der Lage zu sagen, warum und wer nun welchen Teil in dem Verbindungsnetz beiträgt. Unausgesprochen und ausgesprochen ist die Verbindung vorhanden.
Ängste, Zweifel, Minderwertigkeit sind die stumme Sprache und beeinflussen andere. Gleiches gilt für Zuwendung, Aufmerksamkeit, Zuneigung und Motivation. Gleichzeitig ermöglicht dies bei hoher Achtsamkeit unglaubliche Potenziale. Dies äußert sich in scheinbar magischen Begegnungen - sei es mit Menschen oder Orten; oder im Zu-fallen von Dingen - weil diese jetzt fällig sind. Man erkennt einander am Blick und weiß innerlich und scheinbar unerklärbar, dass ‚es' jetzt passt - was immer das ‚es' nun sein mag - es ist sowieso mit Worten nicht erfassbar.
Manches Mal ist einem die Verbindung mit all ihren Konsequenzen gar nicht bewusst. Wenn man hier etwas tut, hat das Folgen an einem Ort, dessen man sich gar nicht bewusst ist - und ein Blick auf die Folgen lässt einen schaudern.
Dies zeigt sich z.B. bei dem allseits geschätzten Handy und dem Laptop. Keines der modernen Geräte funktioniert ohne Coltan, das im Kongo unter höchst fragwürdigen, jedoch sehr kostengünstigen Umständen abgebaut wird. Die Folgen - Kinderarbeit, Ausbeutung, Naturzerstörung - bleiben oft ausgeklammert. Sie lassen sich ob des Kostenfaktors auch nur schwer in Griff bekommen. Ein wenig mehr Bewusstsein würde schon helfen. ... dieses Beispiel habe ich zu-fällig aus einem Topf an Beispielen gewählt und ich spreche hier nicht über den vielzitierten Schmetterlingseffekt (kleine Ursache-große Auswirkung, sehr verkürzt und auf den Punkt gebracht).
Die sogenannten ‚unbeabsichtigten Konsequenzen' und ‚Kollateralschäden' sind weitere Beispiele für die gesamthafte Verbundenheit. Der mitschwingende Zynismus zeigt auch, wie wenig hier bewusst gearbeitet wird.
Die umfassende Verbindung ist wohl eine der großen Herausforderungen im geistigen Erfassen - und dennoch ist das Phänomen vorhanden.

Komplexität - kompliziert, schwierig, auch verbunden?

Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort ‚plektós' [verdreht; lateinisch ‚complexus'] ab, und ist auch eng mit dem lateinischen Begriff ‚simplexus' verwandt [einmal gefaltet]. Dies bedeutet, dass man sowohl mit Komplexität als auch mit Simplexität gleichzeitig konfrontiert ist.
Komplexität bedeutet daher weder schwierig, noch kompliziert. Komplexität verweist auf vielfältige und vielschichtige Beziehungen, wobei es zusätzlich noch eine Vielzahl an Kombinationen und Möglichkeiten gibt. Je vielschichtiger eine Ordnung ist, desto schwerer ist es, Folgen von Aktivitäten und Nicht-Aktivitäten abzuschätzen und in die Kategorien ‚harmlos bis riskant' einzuordnen. Die Ordnung ist kein ‚homogener Block', sondern weist eine Reihe von Schichtungen auf, z.B. Individuum, Gruppe und Organisation. Komplexität ist kein Phänomen an sich, sondern stellt sich innerhalb einer bestimmten Ordnungskonstellation.
Komplexität resultiert aus der Kommunikation zwischen den einzelnen Elementen. Dabei ist nicht die Ordnung an sich komplex, sondern ihr Verhalten. Komplexität führt dazu, dass die einzelnen Teile der Ordnung nicht nebeneinander existieren, sondern dass sie miteinander in Beziehung stehen. Man bezeichnet diesen Zustand als ‚Beziehungsnetzwerk'. Es handelt sich also nicht um etwas Additives, sondern um etwas Interagierendes und Adaptives. Die Beziehungen zwischen den Teilen sind in vielen Fällen nicht klar ersichtlich, sondern verschwommen (Fuzziness).
Die Faktoren, die zu Wechselwirkungen führen, sind ebenso schwer zuordenbar wie die Interaktionen selbst. Ursache und Wirkung (Konsequenzen) sind verwischt und fließen ineinander. Damit lassen sich Schlüsselfaktoren in vielen Fällen nicht mit herkömmlichen Instrumenten messen - und dennoch gibt es sie!

Komplexität impliziert auch immer Nichtlinearität. Nichtlinearität bedeutet, dass, wenn das Spielfeld Gesetzmäßigkeiten folgt und, wenn man die Gesetze genau kennt, es noch nicht bedeutet, dass man das Ordnungsverhalten beliebig prognostizieren kann. Wissen führt nicht automatisch zu Erkenntnis. Nichtlinearität umfasst somit gleichzeitig Möglichkeiten und Bedrohungen. Sie generieren Instabilitäten, Diskontinuitäten, Synergien und Unvorhersagbarkeiten. Ferner unterstützt und fordert sie Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, dynamische Veränderungen, Innovationen und Reaktionen. Eine Fortschreibung der Vergangenheit ist nicht möglich. Kleine Ursachen haben - nach Überschreiten eines kritischen Punktes - oft große Wirkungen (z.B. ein AKW-Unfall wie Tschernobyl; ein Vulkanausbruch; der Bankrott einer Bank wie Lehmann Brothers). Ähnliche Ursachen haben ‚un-ähnliche' Wirkungen (z.B. bei Umweltkatastrophen, in die mehr als zwei Auslöser involviert sind, z.B. die Explosion der Deep Water Horizon, die sich technisch monatelang nicht unter Kontrolle bringen ließ, weil alle vorhandene Möglichkeiten für ähnliche Katastrophen versagten; gleiches gilt für die Strategien zur Beherrschung der Lage im Irak, in Afghanistan, in Syrien etc. wo man oft auf Wissen aus den 1960er Jahren zugriff und feststellte, dass die aktuelle Lage ‚un-ähnlich' ist und die Analogiebildung daher nur sehr eingeschränkt möglich ist).
Effekte folgen nicht mehr den Absichten, wobei diese Effekte aber nicht unbedingt unerwünscht sein müssen. Dieses Faktum resultiert aus der Empfindlichkeit der Anfangsbedingungen. Man findet nie eine Entscheidungssituation mit exakt der gleichen Ausgangslage vor - dies ist in sozialen Ordnungen aufgrund der Parametervielzahl und -vielfalt nicht möglich.
Unordnung im herkömmlichen Sinn ist viel eher die Regel. Chaotische Fluktuationen, Bewegungen der sozialen Dynamik nach Grenzzyklen, turbulente Entwicklungsabschnitte und katastrophenähnlichen Vorgänge sind die empirische Realität.

Hinzu kommen in komplexen Lagen Rückkopplungen. Man unterscheidet mehrere Typen von Rückkoppelungen, nämlich positive oder verstärkende Rückkoppelungen (Destabilisierer) und negative oder abschwächende Rückkoppelungen (Stabilisierer).

Positive Rückkopplungen können symmetrisch oder komplementär in seiner Richtung sein. Sie bewirken eine Vergrößerung und Ausweitung mit nichtlinearem Verhalten. Dieses hängt vom Gesamtordnungszustand ab. Positive Rückkoppelungen werden normalerweise durch das Zusammenspiel aus Information, Erfahrungen und Erwartungen (z.B. sich selbst erfüllende Prophezeiungen), tipping (d.h. wenn mehrere Akteure an der Entscheidungsfindung teilnehmen, kann eine kleine Ursache zu großen Wirkungen führen; ähnliches gilt für Annahmen, Präferenzen, Ideen, Wahlmöglichkeiten); Konsens (Akteure imitieren andere Akteure [Bandwagoning] oder nehmen eine noch extremere Haltung ein als jene des Gegenspielers); Wettbewerb (ein Akteur versucht den anderen zu übertrumpfen); und Machtspiele (ein Akteur bedroht den anderen um die eigene Position zu festigen).
Die Gründe für positive Rückkoppelungen sind vielfältig. Sie reichen von Informationen, Erwartungen, Konsens und/oder Wettbewerb zwischen Akteuren bis zu Machtkonstellationen. Dies zeigt sich z.B. beim Verhältnis zwischen der Mehrheit und einer religiösen und/oder ethnischen Minderheit in einem Staat.

Negative Rückkoppelungen hingegen haben einen Stabilisierungseffekt und demnach eine Regelungsfunktion - sie sind für das Gleichgewicht in der Ordnung verantwortlich. Die Wirkung hemmt die Ursache. Es kommt zu einem ‚Selektionsprozess'. Rückkoppelungen sind nicht immer sofort die ‚Antwort auf die Frage'. Sie finden oft mit erheblicher Zeitverzögerung (time lag), unter Zuhilfenahme von Mittlern und höchst indirekt statt. Wo man keinen Zusammenhang vermutet hat, stellt sich ‚plötzlich und unerwartet' doch ein Konnex heraus. Die Zeitverzögerung, die Mittelbarkeit und Indirektheit von Effekten sind eine der größten Herausforderungen bei der Modellierung von sozialen Ordnungen.
Das Beobachter-Beobachteten-Paradoxon ist ebenfalls eine Eigenschaft des strategischen Spielfelds. Dieses besagt, dass der Beobachter Kraft seiner Präsenz bereits das Beobachtete in seiner Entwicklung und Ausprägung beeinflusst. Dies lässt sich quantentheoretisch belegen.

In diesem Begriffverbund agieren wir, oft unbewusst, oft wissen wir gar nicht, wo wir herummarschieren.
Die vorangegangenen Zeilen machen also das sichtbar, worin die Masse unbewusst täglich, stündlich, minütlich agiert - ohne oft zu wissen, welche Chancen und Möglichkeiten sich zeigen. Diese flutschen über den Wahrnehmungsfilter hinaus.
Denn: es wird nur wahrgenommen, was man kennt.
Man nennt das das Magellan-Phänomen. Was man nicht kennt, kann man auch nicht erkennen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es das Phänomen per se nicht gibt. Nicht kennen ist nicht gleichbedeutend mit nicht existieren. Es ist folgendermaßen umschreibbar: Magellan näherte sich mit seinen Schiffen der Inselküste und wurde nur vom Medizinmann erkannt, der Schiffe als solche kannte. Die Inselbewohner kannten keine Schiffe und konnten sie daher nicht als Schiffe erkennen - und dennoch existierte die Flotte. So können wir heute noch etwas von alten Seefahrern für unseren Lebensalltag lernen ...

Daten, Informationen - Highways, Faked News ... und dann?

Überlagert wird dieser Begriffverbund mit all seinem Nichtwahrgenommenen durch einen nicht mehr bezifferbaren Umfang an Daten, die durch Bewertung und Inbeziehungssetzung zu Informationen werden. Da tun sich weitere Fragen auf, die beantwortet werden wollen - und das ist eine weitere Herausforderung. Nun geht es mir vor allem um Bewusstmachung, welche Potenziale gegeben sind.

  • Wie findet man als heraus, welche Substanz Daten und Informationen haben, d.h. was ist nun dran am Geschriebenen und am Gesagten?
  • Wie stellt man fest, was nun "richtig" oder "nicht richtig" ist, außer das berühmte Bauchgefühl, das ja grundsätzlich sehr brauchbar ist, wenn es gepflegt ist?
  • Gibt es
einen Maßstab für Richtigkeit und wer legt den fest?

Und schnell sind wir bei den faked news. Es gibt viel mehr verdrehte, gedrehte, erlogenen Daten als wir auf den ersten Blick für möglich halten. Das liegt daran, dass es sogenannte absolut objektive Daten nicht gibt. Sie müssen immer bewertet und in Beziehung gesetzt werden, ansonsten erlangen sie keinen Sinn. Und hier sind der Verdrehung Tür und Tor geöffnet - frei nach dem Motto: Wissen ist Macht - Daten sind Macht.

Ich will mir ein paar Gedanken zu den viel zitierten faked news machen. Was ist das? Nun - es handelt sich um bewusst in die Welt gesetzte Lügen. Ich meine also nicht die irrtümlichen Fehlinterpretationen. Nein. Ich meine die bewusste Lüge, um absichtsvoll etwas weiterzugeben und damit die öffentliche Meinung ebenso absichtsvoll zu beeinflussen.

Warum wird bewusst gelogen, dass sich die berühmten Balken biegen?

  • Sind es Neid, Machtgier, pures Spiel, um zu sehen, wie die Öffentlichkeit reagiert, Ehrabschneidung, um selbst besser dazustehen?
  • Geht es darum, Unbequeme in ihrer Karrieren und Biografien zerstören?
  • Geht es darum, mit Dreck zu werfen, um selbst als Guter und als Saubermann dazustehen?
  • Geht es darum, im schlimmsten Fall das Objekt der Begierde in den Selbstmord treiben, um jemanden auszuradieren?
  • Ist der Spaß an der Freude, Teil einer Vendetta der besonderen Art zu sein?
  • Geht es um die Durchsetzung von eigenen Interessen, um an der Macht zu bleiben?
  • Geht es darum, Veränderung zu verhindern, um bequem in der Komfortzone zu surfen (was ja schon ein Widerspruch ist, ist das Verbleiben ja keine Bewegung indiziert)?

Die Fragen mögen zum Nachdenken anregen, denn man ist schneller im Strudel an bewusst erlogenen Nachrichten und Informationen als einem lieb ist.

Neue Medien als Plattform für die rasche Verbreitung - Fluch oder Segen?

Smartphones und Soziale Medien sind ja durchaus brauchbare Erfindungen. Doch sie gaukeln uns eine Allverbundenheit vor, die mit der vorab angeführten Allverbundenheit nur sehr entfernt zu vergleichen ist. Und doch meinen wir - wir seien verbunden.
Es ist meistens eine sehr oberflächliche, digitale Verbundenheit. Und dann sind wir furchtbar enttäuscht, wenn so manche Maske bei so manchem Star fällt ... und der Mensch dahinter zum Vorschein kommt, der einem doch ähnlicher ist als einem lieb ist.

Natürlich ermöglicht diese Verbundenheit das, was uns früher Telegramme, Briefe und das Telefon ermöglichten. Manche kennen diese Verbindungsmöglichkeiten gar nicht mehr.
Das persönliche Gespräch bereitet ihnen Schwierigkeiten. Einen Blick von Angesicht zu Angesicht halten sie nicht mehr aus. ... das Smartphone vibriert gerade und sie sind online-süchtig. Der Schein und die Hohlheit, die Selbstpräsentationswut, das permanente sich zeigen und präsent sein müssen, die Sucht nach Likes ... auch Ausdrücke der medialen Allverbundenheit, frei von Substanz, frei von Gefühl, frei von vielem, was für den Menschen wesentlich ist, damit er/sie sich wohl fühlt und nicht von Fiktionen getrieben ist.

Ein weiteres Phänomen der Allverbundenheit ist die Allzeitverfügbarkeit. Wenn schon allverbunden, dann bitteschön auch allzeit verfügbar. Diese Haltung führt zu einem oft unmenschlichen Druck. Darüber hinaus geht jegliche Privatheit verloren. Wie soll die mittlerweile oft geforderte Ruhe einkehren können, wenn Angst vor dem Smartphone den Schlaf, so er überhaupt möglich ist, dominiert?!
Wobei - das Smartphone ist bloß Instrument. Es sind Verhaltensweise und überzogene Ansprüche im menschlichen Verhalten, die den Hintergrund für die Allverfügbarkeit bilden. Das Smartphone ist bloß Diener dieser Ansprüche. Machen wir also den Diener nicht zum Meister!

Manche machen bereits den Schritt weg davon und gehen in mediale Karenz oder Diät. Das klingt schon wieder zeitgeistig. Und da habe ich meine Vorbehalte. Alles was schick ist, hat auch eine gewisse Hohlheit. Doch - in einer Zeit, wo Substanz mehr denn je gefordert ist, verlangt es schlicht konsequentes Bewusstsein, sich dem Druck zu entziehen, immer und überall erreichbar sein zu müssen. Das Können wurde verdreht zu einem Müssen. ... alles ein Frage von Bewusstsein und Bewusstheit. Es reicht nicht aus, es zu wissen. Man muss (!) es auch leben.

Gedanken auf den Weg

Ich habe in diesem Essay unterschiedliche Formen von Allverbundenheit und damit zusammenhängende Begriffe und Konzepte in einen aktuellen Zusammenhang gestellt.
Damit will ich Bewusstsein schaffen. Bewusstsein für etwas Daseiendes, die Allverbundenheit aus energetischer und quantentheoretischer Sicht, die Verbundenheit durch digitale Medien und Phänomene, die damit in unserem Alltagsleben Platz gegriffen haben und es nachhaltig beeinflussten.

Surfen wir oder ertrinken wir bereits? Nun, der Befund wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Ich halte die Mehrheit für überinformiert und unterwissend, d.h. sie wird von Daten beschallt, macht Instant-Infos daraus und meint, die Lage zu kennen und treffen Entscheidungen, die ihr Leben und das anderer Menschen im großen wie im kleinen nachhaltig beeinflussen. Ein Leben ohne Smartphone ist möglich, jedoch nicht sinnvoll ... Nietzsche möge mir bitte verzeihen.

Surfer kenne ich nur wenige. Nun will ich nicht behaupten, dass es einfach wäre, die Informationswelle zu surfen. Es kommt auf einen Versuch an ... ich mache es sehr gerne und finde neben wesentlichen Hinweisen für mein Leben auch noch Freude daran. Es ist eben alles eine Frage von Bewusstsein und Bewusstheit ... dann verbinden sich Welten.