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"Leider existieren sie trotzdem" - unterschätzen wir die aktuelle politische Lage?

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"No Islam. Moslem Go Home"

Wenn du auf dem Nachhauseweg an der Bushaltestelle plötzlich solch einen Satz auf dem Sitz gekritzelt siehst, wunderst du dich schon.

Wir befinden uns in der Nähe der Osloer Straße an der Grenze zwischen Wedding und Reinickendorf. Letzterer traditionell ein konservativerer Bezirk, der Ortsteil Wedding dagegen mit einem Ausländeranteil von über 30% ist als Arbeiterbezirk bekannt geworden und seit Jahren ziemlich bunt.

Türkische Supermärkte reihen sich an afrikanische Restaurants, ein echter Berliner Multi-Kulti- Bezirk eben, an dem man während diverser Wahlperioden selten NPD-oder AfD-Plakaten begegnet; diese werden sofort abgerissen. Interessant also, dass sich auf der Reginhardstraße, wo sich die beiden Bezirke treffen, nun solch eine Aufschrift findet.

Eine Frage, die uns alle betrifft

"Ach, die Realität hat diese Menschen doch schon seit 50 Jahren überholt", kommentiert dazu ein Freund von mir meinen empörten Beitrag dazu. Meine Antwort lautet simpel: Leider existieren diese Menschen trotzdem immer noch in der Realität.

Was, wenn Marine Le Pen wirklich Frankreichs Präsidentin wird? Das ist eine Frage, die sich nicht nur unsere lieben Nachbarn stellen sollten, sondern die uns mehr betrifft, als wir wahrhaben möchten.

Man kann Emmanuel Macron sicher nicht mit Hillary Clinton vergleichen, doch
kann man sich einreden, dass die politische Figur, die man einfach am wenigsten mag, nicht gewinnen kann. Es geht hier nicht um eine Frage von Gefühl, doch eher von Verstand. Ein Jane- Austen-Roman mag keine Politik-Fibel sein, doch steckt wohl ein Körnchen Weisheit in diesem Titel.

Mehr zum Thema: Faschisten auf dem Weg zur Machtergreifung: Wie Petry, Le Pen und Co. noch aufzuhalten sind

Wir müssen endlich weg aus unserem Gutdünken, den liberalen Haltungsvorstellungen, an die wir uns aus Selbstverständlichkeit klammern, und uns der Wahrheit stellen. Ja, das Unterhaus hat für Brexit gestimmt, auch wenn sich das House of Lords (noch) querstellt, und ein Mensch mit orangenem Gesicht und blondem Toupet regiert die Vereinigten Staaten von Amerika. Und in Schweden wurde übrigens die Wehrpflicht wieder eingeführt.

AfD in Umfragen auf Platz 3

Am 24. September 2017 ist die 19. Bundestagswahl. Merkel vs. Schulz ist angekündigt, die ersten Sprüche zu Wählerthemen wie das Arbeitslosengeld und zur Solidarrente sind geklopft. Doch was viel interessanter ist, dass die AfD in Umfragen zur Wahl momentan den dritten Platz gleich nach den beiden traditionellen Volksparteien einnimmt.

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Mein Vater, Anfang der 70er nach Deutschland gekommen, sieht das Ganze entspannt. Er habe hier schließlich alles bereits erlebt, mal sei die eine Seite der Politik laut, mal die andere.

Dagegen kommentiert meine Mutter besorgt, die erst in den 80ern nach Deutschland eingewandert ist, welche Parallelen das Ganze zum Dritten Reich zu haben scheint, auch wenn sie als Iranerin sicher einen anderen Blick haben mag, als Menschen, deren Familien entweder mit am 2.Weltkrieg beteiligt waren oder zumindest darunter litten.

Beide Perspektiven mögen extrem klingen, doch mögen sie wie Liebesromane aus dem 19. Jahrhundert einen Funken Wahrheit beinhalten. Wer am Ende wohl Recht behält?

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