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Das Erste Deutsche Hochschulranking - Global Health in Deutschland Unterbesetzt?

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Wie misst man eigentlich globale Gesundheit?2017-05-07-1494199143-611785-HrtunszuwirwolleneinanderesForschungssystem.jpg

Globale Gesundheit oder international als "Global Health" gebräuchlich, beschäftigt sich mit Gesundheit auf allen Ebenen, einschließlich sozialer, ökonomischer, politischer, ökologischer und kultureller Determinanten.

Nun haben die studentische Initiative Universities Alllied of Essential Medicines (UAEM) e.V.in Kooperation mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) in einer mehrjährigen Recherche das Engagement von 36 medizinischen Fakultäten an staatlich finanzierten Universitäten in Deutschland zu genau diesem Thema untersucht. Dabei lag der Fokus des sogenannten "Global Health Hochschulrankings" auf den drei großen Teilbereichen: Die Forschung an armutsassoziierten und vernachlässigten Krankheiten, die Zugänglichkeit und sozial-gerechte Verwertung der Forschungsergebnisse sowie die Ausbildung von Studierenden hinsichtlich globaler Gesundheit.

Hierzu hat die Projektgruppe des Hochschulrankings Online-Fragebögen erstellt und bundesweit an die medizinischen Fakultäten geschickt. Zudem wurde in öffentlich zugänglichen Datenquellen wie z.B. der Datenbank der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) recherchiert und Befragungen von Studierenden hinsichtlich der Implementierung von "Global Health" im Curriculum durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einer pragmatischen Benotungsskala von A bis F festgehalten.

Soziale Verantwortung öffentlicher Institutionen

Das Ergebnis wirft kein allzu positives Licht auf die deutsche medizinische Hochschullandschaft. Der Gewinner des Rankings ist die Universität Heidelberg mit einer Note B. Das größte Uniklinikum Europas, die Charité, bleibt mit einer C minus als ein Standort internationaler medizinischen Spitzenforschung dagegen nur auf Platz 17 im unteren Mittelfeld des Hochschulrankings. Schlusslicht bilden die Universitäten Bochum und des Saarlandes mit jeweils einer D minus.

Die Studierenden kritisieren, dass die Universitäten als staatlich unterstützte und gemeinnützige Institutionen ihrer sozialen Rolle und Verantwortung der Gesellschaft gegenüber nicht gerecht werden. Forschung und ihre Ergebnisse seien nicht zugänglich. In der Regel wird die an den Universitäten durchgeführte Forschung an die Industrie verkauft, die diese unter dem 20jährigen Patentschutz weiterentwickeln und für viel Geld verkaufen kann.

Das Thema hohe Medikamentenpreise spielt auch in Deutschland eine große Rolle und wurde jüngst vor allem im Fall der 1000-Dollar-Pille Sofosbuvir immer wieder in den Medien diskutiert. "Das Thema Medikamentenpreise geht uns alle etwas an", sagt Dr. med. Peter Tinnemann, der den Projektbereich internationale Gesundheitswissenschaften der Charité Universitätsmedizin Berlin leitet."Bisher wissen aber wenige, dass auch Universitäten für die hohen Preise mitverantwortlich sind. Ein Drittel der Medikamente, die auf den Markt kommen, haben ihren Ursprung in universitärer Forschung. Das neue Hochschulranking fordert zurecht Transparenz auf dem Campus."

Auch in der Lehre gibt es noch viel zu tun. Als einzige der 36 medizinischen Fakultäten bietet die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg ein verpflichtendes Modul Global Health an.

Insgesamt verdeutlicht das Ranking die Position der Projektgruppe des Hochschulrankings, dass Global Health in Deutschland einen bisher eher unterrepräsentierter Bereich an Universitäten darstellt.

"Die Globalisierung macht nicht an Staatsgrenzen Halt"

Dies merkt Dr. med. Peter Tinnemann in dem von der Projektgruppe eigens für das Ranking erstellte Video an. Die internationale Berichterstattung der letzten Jahr hat uns die Augen geöffnet, dass eine Epidemie wie im Falle der Ebola keine Grenze kennt.

Global Health ist keine neue Erfindung. Doch findet sie erst in den letzten Jahren zunehmend an Beachtung. Im Jahre 2013 wurde das allererste Hochschulranking zu Global Health von der Studierendengruppe UAEM in den USA in der New York Times vorgestellt. Im Vereinigten Königreich wurde ein weiteres Ranking gar im Houses of Parliament vorgestellt. Nun wird der Status Quo der hiesigen 36 medizinischen Fakultäten an staatlich finanzierten Universitäten erhoben: Inwiefern sie ihre Forschung weltweit zugänglich machen, inwiefern Forschung zu armutsassoziierten und vernachlässigten Erkrankungen gefördert wird, inwiefern die zukünftigen Ärzte und Wissenschaftler von morgen im Bereich Global Health ausgebildet werden.

Engagierte Studierende mobilisieren Universitäten

Studierende an den Universitäten Münster und Leipzig haben vergangene Woche bereits Veranstaltungen zur Diskussion des Hochschulrankings an ihren Universitäten durchgeführt. Für alle, die neugierig geworden sind: An der Charité wird am 9. Mai 2017 ab 18 Uhr im Hertwig-Hörsaal in der Philippstrasse 11 über die Ergebnisse des Hochschulrankings diskutiert.

Die Ergebnisse der mehrere Jahre dauernden Recherche sind im Hochschulranking aufwww.globale-gesundheit.de veröffentlicht.

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