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Ich muss gar nix

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
EINWANDERUNG
Anabel Schunke
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ÔÇ×Syrer k├Ânnten 500.000 Familienangeh├Ârige nachholen" titelt die FAZ heute. Nach neuesten Berechnungen des Bundesamtes f├╝r Migration und Fl├╝chtlinge (BAMF) m├╝sse Deutschland aufgrund des Familiennachzugs mit Hunderttausenden weiteren Fl├╝chtlingen rechnen.

Damit widerspricht die BAMF-Analyse jenen Prognosen, die in den letzten Monaten von deutlich h├Âheren Zahlen ausgegangen waren. Es bleibt also fraglich, ob die vom BAMF errechnete Zahl wirklich zutreffend ist. Und ich muss nix glauben, nur weil es amtlich sein soll.

Viel interessanter als die Zahl selbst ist jedoch die an den Tag gelegte Rhetorik. Deutschland MUSS. Und ja, auch nach Monaten der Asylkrise werde ich nicht m├╝de zu fragen: Weshalb MUSS Deutschland eigentlich? Wieso scheinen Menschen, die de facto zu Hunderttausenden illegal die deutsche Grenze ├╝bertreten haben, mehr Rechte haben als ich und jeder andere Deutsche?

Wieso scheinen wir in dieser ganzen Krise nur Pflichten und dennoch keinerlei Mitsprache zu haben? Wieso hat mich immer noch keiner gefragt, ob ich das M├╝ssen ├╝berhaupt will und ob ich das M├╝ssen ├╝berhaupt als Muss ansehen muss?

Ich wollte genau genommen schon nicht, dass Angela Merkel alle mit Selfies und offenen Grenzen nach Deutschland einl├Ądt. Wieso sollte ich also jetzt wollen, dass diese Menschen noch ihre ganzen Familien nachholen? Und noch einmal:

Wieso m├╝ssen wir und wieso m├╝ssen die anderen gar nichts?

Seit Monaten h├Âre ich nichts anderes, als dass wir m├╝ssen, obwohl im Artikel 16a keine Rede davon ist, dass wir Menschen, die ├╝ber sichere Drittl├Ąnder eingereist sind, Asyl gew├Ąhren m├╝ssen. Davon ab, dass unser Asyl eigentlich auch nur f├╝r politisch und religi├Âs Verfolgte gilt.

An dieser Stelle kommt dann die Genfer Fl├╝chtlingskonvention ins Spiel. Wenn wir nicht aufgrund unseres Grundgesetzes m├╝ssen, dann wegen der Genfer Fl├╝chtlingskonvention. Aber auch was die angeht, m├╝ssen anscheinend nur wir unbegrenzt und unkontrolliert Fl├╝chtlinge aufnehmen, w├Ąhrend sich andere L├Ąnder l├Ąngst Obergrenzen gesetzt haben.

Die Wahrheit ist, dass es keine rechtliche Grundlage f├╝r mein M├╝ssen gibt. Und dennoch muss ich, bin entrechtet worden von meiner eigenen Regierung. Genau wie all die anderen, die nicht gefragt worden sind. Bezahlen muss ich all das. Mit Steuergeld. Bezahlen vielleicht auch noch mit ganz anderen Dingen.

Mit Einschr├Ąnkungen unserer liberalen, westlichen Werte durch den Zuzug von Millionen Muslimen. Mit der Ver├Ąnderung unserer Kultur, die ich eigentlich ziemlich gut so fand, wie sie war. Mit meinen Rechten und meiner Sicherheit als Frau, deren Gef├Ąhrdung so manch eine im Zuge dieses Jahres schon bitterlich zu sp├╝ren bekommen hat. Und am Ende vielleicht sogar mit der Sicherheit und Stabilit├Ąt eines ganzes Landes, in dem ich mich bis vor ein paar Monaten noch so wohl und sicher gef├╝hlt habe.

Achtzig Prozent der im Fr├╝hjahr 2016 nach Deutschland gekommenen Einwanderer verf├╝gten nicht ├╝ber die erforderlichen Passdokumente. Mich verfolgt man hingegen schon bis auf's Blut, wenn ich meinen Strafzettel nicht rechtzeitig bezahlt habe.

Mindestens 500.000 Unregistrierte bewegen sich vollkommen unbehelligt durch Deutschland.

Ich wei├č nicht, wer sie sind, wo sie herkommen und wer von ihnen vielleicht ein Terrorist ist und einen Anschlag plant. Fakt ist, dass deutlich mehr Terroristen unter den Fl├╝chtlingen sein sollen, als man mir noch vor Monaten wei├č machen wollte. Doch den Politikern, die ich gew├Ąhlt habe, ist meine Sicherheit egal. Der Leviathan ist l├Ąngst nicht mehr existent.

Und genau hier liegt der Ausweg aus dem M├╝ssen. Wenn der Staat den Gesellschaftsvertrag aufk├╝ndigt, indem er seinen Verpflichtungen mir gegen├╝ber nicht mehr nachkommt, mich nicht einmal mehr zu sch├╝tzen vermag, dann kann ich ihm meine Gefolgschaft entziehen. Und das tue ich hiermit.

Ich muss nicht einfach mitansehen, wie mein Land sich in eine Richtung ver├Ąndert, die ich aus tiefster, liberaler ├ťberzeugung ablehne. Ich muss keine fremde Kultur bedingungslos tolerieren und respektieren, die meine nicht achtet und die eine Gefahr f├╝r die Freiheit und Toleranz an sich darstellt. Ich muss nicht f├╝r Millionen illegal Eingereister aufkommen, die, w├Ąre es nach mir gegangen, gar nicht da w├Ąren. Erst Recht, wenn mir niemand erkl├Ąren kann, auf welcher rechtlichen Grundlage dies geschieht.

Stattdessen MUSS man endlich damit beginnen, mich zu fragen, was ich will

Denn genau wie ein Gro├čteil der anderen Deutschen bin ich daf├╝r, dass man den Schw├Ąchsten hilft. Dass man vor allem Frauen und Kinder vor Krieg und Verfolgung besch├╝tzt. Ich bin f├╝r Solidarit├Ąt und ich habe kein Problem damit, zu geben. Aber nicht bedingungslos und nicht unendlich.

Vor allem nicht an jene, die sich nicht an die Regeln halten, die wir uns einmal gegeben haben und die f├╝r alle gelten m├╝ssen, wenn ein Staat funktionieren soll. Asyl ist eine Sache, Einwanderung eine andere. Asyl kann und sollte nach gegebenen Regeln gew├Ąhrt werden. ├ťber Einwanderung m├╝ssen wir verhandeln und unsere Regeln, nach der wir diese gestalten wollen, gemeinsam festsetzen. Als Nation, Regierung und Gesellschaft.

So lange dies nicht geschieht, f├╝hle ich mich entrechtet. So lange ich mich entrechtet f├╝hle, gibt es keinen Gesellschaftsvertrag und damit de facto keine Grundlage mehr, weshalb ich irgendetwas muss. Und dennoch darf ich, wenn es nach der politischen Kaste geht, nur hinnehmen und f├╝r den Schaden aufkommen. Aber so funktioniert das nicht. Ich bin 27. Ich muss hier noch eine Weile mit den Folgen dieser Politik leben, sofern ich nicht auswandere.

Ich muss gar nix.

Hier geht es zum Beitrag Doch, denken m├╝ssen Sie! - Meine Antwort auf Frau Schunkes Beitrag ÔÇ×Ich muss gar nix", von Peter Kastschajew, Mitglied des Landesvorstands der FDP in Berlin.

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Foto: Maik W├Âll

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Zuerst erschienen bei Tichy's Einblick.

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