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An meinen Ex: Das wollte ich dir noch sagen

12/08/2015 11:45 CEST | Aktualisiert 12/08/2016 11:12 CEST
Thinkstock

In den letzten Tagen habe ich öfter mal an dich gedacht. Eigentlich denke ich immer an dich und unsere Beziehung, wenn mal wieder alles schief läuft, was nur schief laufen kann. Nicht, weil ich dich noch liebe. Das wäre ziemlich absurd nach all den Jahren.

Wir waren jung, Anfang 20 und wir haben uns getrennt, weil wir nicht zusammenpassten. Das passiert immer wieder. Gerade wenn man so jung und die erste Verliebtheit weg ist. Das ist ok und auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, die Welt geht unter, so wusste ich doch irgendwie, dass sie es nicht tut.

Ich weiß auch, dass du seit einigen Jahren eine neue Freundin hast und ich freue mich sehr für dich. Ich weiß das, weil es mir erzählt wurde. Ich selbst war nie mehr auf deinem Profil. Am Anfang, weil es mir weh tat und irgendwann, weil du nicht mehr Teil meines Lebens warst und ich damit abgeschlossen hatte.

Aber manchmal, da krame ich dich heraus. In meinen Gedanken.

Dann idealisiere ich dich und unsere Beziehung. Ich tue das immer dann, wenn ich mal wieder an der Männerwelt gescheitert bin. Dann krame ich dich heraus und danke dir dafür, dass du mal mein Freund warst, dass ich durch dich einmal in meinem Leben so etwas wie eine normale Beziehung hatte, dass du für kurze Zeit mal ein Teil meines Lebens warst.

Der letzte Typ, den ich kennen gelernt habe, hat sich seit über einer Woche nicht mehr gemeldet. Ohne Vorwarnung und mit dem Vermerk, dass er sich „gleich bei mir meldet". Ich glaube, er testet an mir dieses „Ghosting", von dem man jetzt überall lesen kann.

Also das, wo der Partner einfach so aus dem Leben des anderen verschwindet. Ohne ein Wort, ohne eine Erklärung. Davor hat er mir wochenlang erzählt, was ich für eine Traumfrau sei. Ich hab's ihm geglaubt, weil ich schon immer gutgläubig war, wenn es um so etwas ging. Jetzt ist er jedenfalls weg. Einfach so.

Nicht mal Sex hatten wir und ich frage mich wieder einmal, was mit mir nicht stimmt.

Du warst jedenfalls nicht einfach so weg. Als wir Schluss gemacht haben, bist du extra fast 100 Kilometer zu mir gefahren, obwohl wir beide schon wussten, dass Schluss sein wird. Aber du wusstest eben, was sich gehört in einer Zeit, wo es noch kein „ghosting" oder Schluss machen via Whatsapp gab.

Der Typ davor war nicht viel besser. Seine Euphorie war erst ganz groß und dann immer schwächer. Irgendwann hat er sich auch nicht mehr gemeldet. Wenigstens war er ehrlich und es war nicht ganz so unerwartet. Er müsse erst einmal sein Ding durchziehen, zu sich finden.

Seine Ex war wohl eine ziemliche Hexe. Ich muss bei so etwas immer an diesen einen Film mit Bradley Cooper denken. „Er steht einfach nicht auf dich" heißt der und zeigt, wie Frauen sich einfach immer alles schön reden, wobei der Typ einfach nicht auf sie steht.

Ich will nicht so eine Frau sein. Ich weiß, dass er einfach nicht auf mich stand. Dass ihm, hätte er mich wirklich gewollt, die scheiß Umstände egal gewesen wären. Ich bin jedenfalls ganz froh, dass er weg ist. Irgendwie war er ein Blender.

Und wieder habe ich an dich gedacht und dass du kein Blender warst. Dass du irgendwie in dir geruht hast und wusstest, was du kannst und wer du bist, ganz ohne auf dicke Hose machen zu müssen.

Mein letzter Exfreund hat mit mir Schluss gemacht als ich mit Weisheitszahnschmerzen im Bett lag. Bei Whatsapp. Kurz vor meinen wichtigen Prüfungen. Neulich hat er wieder geschrieben. Wie unerreichbar und toll ich wäre. Ich habe ihn gelöscht, auch wenn ich so etwas sonst nicht tue.

Dich habe ich nie gelöscht. Auf dich war ich nie sauer. Selbst als du dich kurzzeitig auf diese hohle Nuss eingelassen hast, die schon scharf auf dich war als wir zusammen waren. Du warst halt ein guter Typ und wir, wir haben eben nicht gepasst. Nichts, weshalb man sich hassen muss. Du hast dich nie unfair benommen und das habe ich dir immer hoch angerechnet.

Vor gut zwei Wochen habe ich mir Tinder heruntergeladen.

Ich las diesen Artikel über unsere verkorkste Generation und dachte, ich müsse das mal aus Spaß testen, wenn alle darüber reden. Ich glaube, das war so etwas die Bankrotterklärung gegenüber der Liebe. Getroffen habe ich mich mit niemandem und werde ich wohl auch nicht. Klar, da wollen eh alle nur Sex, aber irgendwie bin ich nach 1-2 Minuten meist schon so gelangweilt, dass ich keine Lust auf gar nichts habe.

Irgendwie will ich niemanden mehr kennen lernen. Alles endet immer scheiße und tut weh. Und es ist egal, ob ich ganz hübsch und intelligent bin. Es ist wirklich egal, denn am Ende bin ich wieder alleine und kriege meine Hausarbeit nicht geschrieben, weil ich darüber nachdenke, kein liebenswerter Mensch zu sein.

Aber von dir habe ich mich geliebt gefühlt.

Du warst der Erste zu dem ich das überhaupt gesagt habe und vielleicht der Letzte, bei dem ich es so gemeint habe. Du hast mir Karten zum Geburtstag und zu Weihnachten geschrieben und mich mit zu deiner Familie genommen und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich bei einem Mann das Gefühl, so sein zu können, wie ich bin.

Und wenn ich mich manchmal nicht liebenswert fühle, wenn ich schon wieder Pech mit irgendeinem Typen hatte, dann erinnere ich mich daran, dass du mal mein Freund warst und dass ich anscheinend doch liebenswert bin und es möglich ist, eine Beziehung mit mir zu führen, die gut ist. Ohne Eifersucht und mit viel Vertrauen.

Ob das gut ist, weiß ich nicht. Vielleicht wäre es sogar besser, sich damit abzufinden, dass es bei mir irgendwie nicht klappt mit den Männern und oft denke ich auch, dass ich alleine besser dran bin, dass ich irgendwie mehr ich selbst bin. Und ja, ich idealisiere dich ja auch nur.

Ich weiß, dass auch du nicht perfekt warst und ich würde nicht zurückwollen. Aber ich bin dir dankbar, dass du da warst - für eine gewisse Zeit und mich nicht vergessen lässt, dass sich der Glaube an die Liebe auch lohnen kann.

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