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So beschwert sich eine Geschäftsreisende bei den Hoteliers

29/09/2015 16:36 CEST | Aktualisiert 29/09/2016 11:12 CEST
kadmy via Getty Images

Glas statt Licht - ein offener Brief

Liebe Hoteliers,

ich weiß eure Bemühungen zu schätzen, ehrlich. Ihr wollt, dass eure Zimmer schön aussehen, edel, gemütlich, modern. Das finde ich gut. Designerzimmer sind toll. Aber ich nutze eure Zimmer nicht, um Inspirationen für meine eigene Wohnungseinrichtung zu kriegen, sondern um darin zu schlafen.

Als Seminarleiterin komme ich meist spät abends an, da ist es eh schon dunkel. Und nachts, da hab ich die Augen zu und kann den Hirnschmalz, den ihr in die Zimmergestaltung gesteckt habt, sowieso nicht genießen.

Morgens nutze ich das Zimmer dann aber, um mich für den Tag bereit zu machen und meine Haare zu richten. Dabei sind mir andere Dinge wichtiger als das überdimensionale, mit LED-Lampen versehene Schwarzweiß-Foto oder die durchsichtige Glasdusche. Und die Augen auf habe ich da sowieso noch nicht ganz.

Einmal Rundumansicht, bitte

2015-09-28-1443437090-3795816-Dusche.jpg Wissen Sie was? Ich bin Frau, und die meisten Frauen gucken sich morgens nicht im Spiegel an und sagen: „Chaka! Was seh ich wieder toll aus!" Nein, vor so viel Selbstbewusstsein strotzen die wenigsten. Ganz im Gegenteil, sie finden an sich hier eine neue Falte und da eine weitere Delle. Und da ist es doch arg deprimierend, nackt in eurer Glasdusche zu stehen und sich von zwei (!) Seiten im Spiegel betrachten zu können, ja, müssen.

Ich weiß nicht, welcher „Muckibuden, ich guck mir meine Oberarmweite im Spiegel an und find mich total geil"-Typ die Idee hatte, einen Ganzkörperspiegel gegenüber der Glasdusche aufzuhängen. Ich möchte mich morgens unter der Dusche nicht gleich von mehreren Seiten ansehen müssen. Aber das haben Sie ja schon bedacht. Schließlich haben Sie als Faltenretusche extra das Licht gedimmt.

Mit Taschenlampe ins Bad

Liebe Hoteliers, mit gedimmten Licht im Bad kann ich meine Augenbrauen nicht zupfen. Die Pinzette greift ins Leere - oder ich zwicke mich und das tut weh. Ich möchte gerne, wenn ihr schon so nett seid und mir einen Vergrößerungsspiegel in die Ecke des Bades hängt, nicht eine Taschenlampe mitnehmen müssen, um mich darin sehen zu können.

Ja, etwas mehr Licht im Zimmer wäre schon toll. Dann würde ich morgens in meinem Koffer auch erkennen, ob das nun blaue oder schwarze Socken sind, die ich in der Hand habe.

Und sollte ich abends noch wach genug sein, ein paar Zeilen im Buch zu lesen, wäre auch hier eine Leselampe toll, die berücksichtigt, dass ich 46 Jahre alt bin und demnächst eine Lesebrille brauche. Ich bin aus dem Alter heraus, in der ich bei Dunkelheit unter der Bettdecke Bücher lesen kann. Und Ihren Zimmerpreis hätte ich mir mit zwölf Jahren sowieso nicht leisten können.

Herrlich finde ich auch die Kunststoffteppiche, die Sie verlegen. Sehen schon toll aus, das gebe ich gerne zu. Nur darf ich barfuß nicht darauf laufen. „Sollten Sie eh nicht, wegen der Bakterien", werden Sie vielleicht sagen. Aber Ihr Hotel ist so sauber, da denke ich, ein bisschen barfuß tut ja gut.

Leider hat sich dann das Thema „Haare richten" erledigt, da sie so elektrifiziert sind, dass ich damit eine Glühbirne zum Leuchten bringen könnte. Ha! Das ist überhaupt die Idee! Sagen Sie Ihren Gästen einfach: „Laden Sie sich elektrisch am Teppich auf, fassen Sie den Kosmetikspiegel an und Bingo! Sie haben Licht." Soll ich mir das für Sie mal patentieren lassen?

Ich bin weder kleptomanisch noch taub

Apropos patentieren: Ich weiß, Sie stehen voll auf diese patentierten Kleiderbügel, die im Schrank in einen Haken eingehängt und die vermutlich nicht geklaut werden, weil sie ohne besagter Aufhängevorrichtung eh niemand nirgendwo sonst aufhängen kann. Aber, liebe Hoteliers, genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Manchmal möchte ich gerne eine Bluse im Bad aufhängen. Das ist nämlich ein alter Trick der Vielreisenden: Der Dampf aus der Dusche schafft es, dass eine aufgehängte Bluse etwas weniger Falten hat als vorher.

Nebenbei: Es wäre schön, wenn das bei meinen Falten auch klappen würde, tut es aber nicht. Und so hätte ich gerne wenigstens die Bluse faltenfrei, wenn ich es schon nicht bin. Da sich Ihre Kleiderbügel aber nicht anderswo aufhängen lassen als im Schrank, gehen wir beide morgens faltig aus dem Hotel. Ehrlich, mir reicht ein Drahtbügel, den klaut doch keiner! Die gibt's beim Reinigungsservice fast umsonst.

Ein Thema noch, ich bin fast fertig: Das Fremdschämen. Es gibt Menschen, denen ist es egal, was die Nachbarn oder die Putzkraft sagen. Mir nicht. Ich hätte daher gerne zwei Dinge: Erstens, eine Klobürste, damit ich dem Zimmerservice den Job nicht noch unangenehmer mache, als er es vielleicht sowieso schon ist.

Zweitens wäre es schön, dass der Fernseher, wenn ich ihn anschalte, nicht standardmäßig auf „für taube Gäste" eingestellt ist, sondern ganz leise. Wenn ich morgens um 06:30 Uhr das Morgenmagazin einschalte, dröhnt mir die Moderatorin entgegen. Und das erschreckt nicht nur meine morgens noch empfindlichen Ohren, sondern ich wecke damit den halben Flur auf. Das ist mir peinlich. Bestimmt lässt sich das irgendwo voreinstellen, aber ich bin kein Technikprofi.

Ja, ich habe gut geschlafen, aber ...

Ich habe das alles in euren Feedbackbogen geschrieben, den ihr vermutlich nicht lest, denn eine Reaktion darauf kriege ich ja nie. Die Klobürste werde ich übrigens nicht extra mitschleppen, es reicht schon, dass ich mir zukünftig einen Kleiderbügel einpacke und eine Taschenlampe noch dazu.

Einen Gratis-Kommunikationstipp habe ich übrigens für Sie, liebe Hoteliers: Ganz generell kann es von Vorteil sein (neben dem Verarbeiten der Feedbackbögen), beim Auschecken nicht zu fragen „haben Sie gut geschlafen", denn das habe ich, oder „hat es Ihnen gefallen", denn das ist eine geschlossene Ja/Nein-Frage, und für ein „Nein" hat es dann doch nicht gereicht.

Als Verfechter der offenen Fragen rate ich euch, eine solche zu stellen. Zum Beispiel: „Wie können wir noch besser werden?" Nutzt doch die Ideen der Kunden - so günstig kriegt ihr Verbesserungsvorschläge nie wieder! Und glücklich, weil sie sich ernst genommen fühlen, sind eure Kunden dabei auch!

Ja, es ist wirklich ganz einfach, eine Geschäftsreisende Frau glücklich zu machen. Bin gespannt auf das nächste Hotel.

Hochachtungsvoll,

Anabel Schröder

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