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Sind wir nicht alle ein bisschen fremdenfeindlich?

02/09/2015 10:46 CEST | Aktualisiert 02/09/2016 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sich in ganz Mitteleuropa ausbreiten", sagte der Direktor der Zoologischen Staatssammlung München, Gerhard Haszrpunar.

Was bitte??? Noch so einer aus Bayern mit rechtem Gedankengut???

Nein, gemeint war das Grauhörnchen, welches das rote Eichhörnchen verdrängen könnte. Die Angst war groß.

Auch anderen Fremdlingen stehen Menschen feindlich gegenüber: „Damwild muss Urlaubsinsel Borkum verlassen" hieß es kürzlich in der Zeitung. „Wild lebende Papageien erobern Deutschland - bedrohen Halsbandsittiche etwa Specht, Kleiber und Co?" Oder „Invasion der Pflanzen - Gefahr für Mensch und Umwelt?"

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Menschen sind nun einmal skeptisch, wenn es darum geht, dass sich in ihrem gemütlichen Nest etwas verändert. Es soll doch bitte alles so bleiben, wie es ist. Nur wenn die Eindringlinge süß sind, dürfen sie bleiben - so wie die putzigen, frei herum hüpfenden Kängurus in Mecklenburg!

Tatsache ist:

Die Angst vor Neuem oder vor Veränderung ist uralt und eine der vier Grundängste. „Die Sehnsucht nach Dauer und Beständigkeit ist eine sehr frühe und tiefe in uns", schrieb Fritz Riemann. Denn Misstrauen gegenüber allem, was fremd ist, hat schon die Höhlenmenschen geschützt. Fremde Clans könnten ja feindlich sein, fremdes Essen oder unbekannte Beeren giftig. „Was der Bauer nicht kennt...", na, Sie wissen schon.

Es ist ein uraltes, lebenserhaltendes, in uns fest verankertes Bedürfnis nach Vertrautem. Alles Neue fühlt sich zunächst einmal bedrohlich an (beim einen mehr, beim anderen weniger), sei es das neue Computerprogramm, der Umzug in eine andere Stadt, Trennung, Wohnungskündigung, ein neuer Kollege oder auch nur ein anderes Büro.

Das Fazit daraus: Es ist völlig normal, wenn Sie nicht gleich mit Begeisterung HURRA schreien, wenn sich etwas in Ihrem Umfeld verändert. Sie dürfen durchaus Vorbehalte haben oder skeptisch sein, denn Sie können ja Ihr uraltes Bedürfnis nach Beständigkeit nicht einfach ablegen. Es ist menschlich.

Wichtig!

Berücksichtigen Sie aber eine weitere Tatsache:

Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung", sagte schon Heraklit von Ephesus, ca. 540 - 480 vor Christus. Und die Veränderung ist nicht aufzuhalten:

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„Die Ausbreitung von Arten in neue Lebensräume ist ein natürlicher Vorgang. Gemäß der Evolutionstheorie ist Natur etwas Dynamisches, das sich ständig verändert", so steht es in Wikipedia.

Asiatische Marienkäfer verdrängen die einheimischen, der Kamberkrebs verdrängt den europäischen Flusskrebs. Und, ja, auch Menschen suchen sich neue, schönere Plätze und wollen dort ihre Zeit verbringen - was vor Ort nicht immer auf Gegenliebe stößt. Mallorca beispielsweise will jetzt ein Limit für Urlauber im Sommer, da die Invasion der Touristen überhandnimmt.

Barcelona klagt, dass der Urlauberandrang in der Altstadt und anderen Vierteln zu groß ist. Venedig findet, dass die Rollkoffer der Touristen zu laut sind und rund 300 000 Deutsche leben zurzeit in der Schweiz, von denen viele von Beleidigungen, Diskriminierungen und Ablehnung im Alltag berichten.

Darum:

Finden Sie sich damit ab, dass Veränderungen sich nicht aufhalten lassen! Weder global, noch in der Firma, noch zu Hause. Sie werden diesen Prozess nicht aufhalten können, egal, welche Mittel Sie einsetzen.

Nehmen Sie es sich zu Herzen

Leichter für Sie wird es aber, wenn Sie sich Folgendes zu Herzen nehmen:

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Bestimmt haben Sie das auch schon einmal gehört: „Mein Nachbar, der kommt aus Land XY, das ist 'n Netter, mit dem haben wir schon gegrillt. Aber der ist anders als die anderen".

Denn: Wenn Sie sich mit einem fremden Menschen, mit seiner Vergangenheit und seiner Kultur beschäftigen und ihn verstehen wollen, dann bauen Sie langsam eine Beziehung auf. Und plötzlich - Sie wissen meist gar nicht so genau, wann der Zeitpunkt war - ist der Fremde Ihnen plötzlich nicht mehr fremd, sondern vertraut. Und damit schwindet auch Ihre Skepsis.

Ja, Sie fangen sogar an, ihn zu mögen, entdecken Gemeinsamkeiten, sympathische Charakterzüge, Menschlichkeit! Und die Angst davor, dass dieser Fremde ein Schmarotzer, Verbrecher, Vollhonk oder Ausnutzer des Systems sein könnte, ist wie weggeblasen.

„die Fremden"

Das gilt für neue Teamkollegen oder neue Chefs ebenso wie für neue Nachbarn. Irgendwann kommt es Ihnen sogar so vor, als hätten „die Fremden" schon immer da gewohnt oder gearbeitet. Denn: Sie haben sich an sie gewöhnt und gemerkt, dass sie „doch eigentlich ganz okay sind".

Oder wussten Sie, um auf die Tier- und Pflanzenwelt zurückzukommen, dass der Fasan, das Wildkaninchen, die Regenbogenforelle sowie Kamille, Weizen oder Birnen eingewanderte oder eingeführte Arten sind? Sehen Sie? Nach einer Weile erschient es, als wären sie schon immer da gewesen. Und an diesem Zustand möchten Sie dann auch nichts mehr ändern.

Machen Sie sich das Leben leichter

Mein Fazit und Tipp an Sie ist also:

Machen Sie sich das Leben leichter - befassen Sie sich mit dem Fremden, mit dem Neuen, seien Sie neugierig und offen. Und Sie werden sehen: Skepsis und Vorbehalte schwinden ganz schnell.

Anabel Schröder - for a better understanding

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