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Dennis Schröder: Der neue Basketball-Star nach Dirk Nowitzki

11/09/2015 13:49 CEST | Aktualisiert 11/09/2016 11:12 CEST

Dennis Schröder hat hart gearbeitet, um dort zu sein, wo er jetzt ist. Dass er es einmal in die beste Basketball-Liga der Welt schaffen würde, war nicht immer klar. Umso stolzer ist er darauf, als Point Guard bei den Atlanta Hawks zu spielen und als Nationalspieler bei der EM neben Dirk Nowitzki die Führungsrolle zu übernehmen.

Eine Zeit lang sah es sogar so aus, als würde sich der 21-Jährige selbst im Weg stehen. Disziplinlosigkeit und Arroganz lautete das Urteil von Trainern und Presse. Schröder selbst hat sich nie als arrogant empfunden, eher als selbstbewusst. Und vielleicht passt er wirklich besser nach Amerika, wo Leistung anders honoriert und der hart erarbeitete Lifestyle nicht als neureich, sondern als erfüllter Traum aufgefasst wird.

Überhaupt hört sich die Geschichte von Dennis Schröder an, als handele es sich dabei um ein Skript für eine All-American-Erfolgsgeschichte: Im Prinzenpark in Braunschweig zockt er mit seinen Freunden Basketball. Irgendwann wird er von Liviu Calin entdeckt. Schröder hat Talent, arbeitet aber nicht genug.

Dann der alles verändernde Moment, als sein Vater und größter Unterstützer ganz unerwartet stirbt. Dennis hat nur noch ein Ziel, das er für sich, aber vor allem für seinen Vater erreichen möchte: Er will in die NBA.

Zwar liegen auf dem Weg ins Team der Atlanta Hawks noch einige Hindernisse, aber Dennis hat sich verändert, geht mit Niederlagen besser um, lernt, weiterzumachen. Er will der beste auf dem Spielfeld werden.

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Der echte Dennis Schröder

Als Schröder am vergangenen Donnerstag in Köln bei einem Pressetermin sitzt und die Fragen der Reporter beantwortet, merkt man, dass seine Antworten auf sportliche Fragen routiniert und professionell sind. Aber dann gibt es immer wieder Momente, in denen man den privaten Dennis zu erkennen glaubt.

Zum Beispiel wenn er erzählt, dass er rund 250 Paar Schuhe besitzt oder ein Social-Media-Battle gegen Jerome Boateng geführt hat. Dann umspielt ein kleines Grinsen sein Gesicht, und er wirkt plötzlich nicht wie der nächste Shooting-Star, sondern wie Dennis aus Braunschweig, der später mit seinen Freunden auf dem Weg ins Trainingslager nach Straßburg im Auto abhängt.

Irgendwie lauter, frecher. Wenn die Kameraobjektive auf ihn zielen, macht er einen fast schüchternen Eindruck.

Während der NBA-Spieler die Fragen der Presse beantwortet, warten seine Freunde und sein Bruder Che im Hintergrund auf ihn. Sie machen Selfies mit lebensgroßen Dennis-Schröder-Plakaten und suchen immer wieder Augenkontakt mit dem echten Schröder.

Ohne Freunde und Familie wäre er nicht da, wo er ist, sagt Schröder selbst. Er braucht seine Vertrauten um sich, die ihn wieder runterholen oder mal den Kopf gerade rücken. Dass die Familie für ihn das Wichtigste im Leben ist, zeigt Dennis nicht nur auf seinen Social-Media-Kanälen.

Aussehen ist alles

Er hat es auch auf seinem Körper festgehalten. Es gibt kaum einen Zentimeter Haut, auf dem kein Tattoo zu sehen ist. Momentan trennen ihn und seine Familie noch über 7.000 Kilometer, langfristig soll Familie Schröder aber wieder zusammen sein. Das wäre auch gut fürs Geschäft - denn bei Schröder sind Freunde und Familie Teil des Business.

Zusammen mit seinen Freunden aus Braunschweig hat er vor zwei Jahren das Mode-Label Flex Gang gegründet, das für den Zusammenhalt der Jungs und ihren Style steht. Seit kurzem ist Dennis auch das Gesicht des deutschen Streetstyle-Händlers Snipes und steht damit in einer Reihe mit Stars wie dem US-Rapper Whiz Khalifa.

Das mache ihn stolz, sagt er beim Pressetermin, auch weil er noch wisse, wie es war, als er sich Klamotten von seinen Idolen gekauft hat. Mode ist bei Dennis Schröder neben dem Basketball vielleicht sogar das größte Thema. Seinen besonderen Style lebt er - privat, auf Instagram und auf dem Spielfeld.

Auch weil er weiß, dass man in der NBA etwas haben muss, das einen von anderen abhebt. Seine Markenzeichnen hat er zu Beginn seiner Karriere geschickt ausgewählt und profitiert nun davon.

Der blonde Fleck auf seinen Haaren, den er selbst „The Golden Patch" nennt, war allerdings eine Idee von seiner Mutter, die in Braunschweig einen Frisörsalon betreibt. Sie schlug ihm vor, die Haare komplett blond zu färben. Das erschien Schröder zu krass, und er entschied sich für einen blonden Fleck, der heute unauflöslich mit ihm verbunden ist. Sogar die Kinder von Basketball-Superstar LeBron James tragen den „Golden Patch".

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Der neue Dirk Nowitzki?

Auch wenn Dennis Schröder ein Star der amerikanischen Sportwelt ist, ist das mediale Interesse in Deutschland an ihm groß. Denn deutsche Spieler sind in der NBA selten. Kein Wunder also, dass die Presse Schröder mit der deutschen Basketball-Legende Dirk Nowitzki vergleicht.

Auf den ersten Blick sind ein paar blonde Haare das Einzige, was die beiden verbindet. Und obwohl die Sportler unterschiedlicher nicht sein könnten, ist der Vergleich zu Nowitzki omnipräsent. Ob den 21-Jährigen die immer gleichen Fragen über sein Verhältnis und die Unterschiede zu Nowitzki nerven?

Im Gegenteil, es schmeichelt Schröder, mit dem Idol seiner Kindheit verglichen zu werden. Und es macht deutlich, wie weit er in seiner jungen Karriere schon gekommen ist. Der Vergleich mit Nowitzki weckt aber auch hohe Erwartungen und drückt den Wunsch der medialen Öffentlichkeit nach einem neuen deutschen Superstar in der NBA aus.

Die Zeichen stehen gut, denn neben seinem Talent und der harten Arbeit, die seinen Weg zu den Atlanta Hawks geebnet haben, könnte auch das Timing für Schröder nicht besser sein. Mit 37 Jahren und einer einzigartigen Karriere im Gepäck ist das Ende der Ära Nowitzki auf dem Spielfeld absehbar. Und der 2,13 Meter große Spieler hinterlässt eine Lücke, die Dennis einnehmen und neu gestalten kann.

Die erste Möglichkeit, sich zu beweisen, bekommt Schröder am 5. September, wenn das deutsche Nationalteam in seinem ersten EM-Spiel gegen Island antritt. Die Generalprobe gegen den amtierenden Europameister Frankreich verlief für ihn trotz Niederlage gut - in der ausverkauften Köln Arena war er mit 16 Punkten der beste deutsche Werfer.

Fotos: Janosch Geiger

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