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5 Fehler, die Eltern machen, wenn sie ihre Kinder in den Himmel loben (und was man stattdessen tun sollte)

14/08/2015 15:22 CEST | Aktualisiert 14/08/2016 11:12 CEST
Image Source via Getty Images

Es gibts nichts, was süßer in den Ohren unser Kinder klingt, als Du bist so schlau! und Gutes Mädchen!, Belobigungen, die wir allzu gern hinausposaunen, ob sie nun die E=mc2 Formel gelöst oder ihrem kleinen Bruder erlaubt haben, ihr Zimmer zu betreten. Manchmal sagen wir es, ohne darüber nachzudenken und fast immer hoffen wir, dass sie in Zukunft ähnlich gutes Benehmen an den Tag legen werden. Wir hören ähnliche Sprüche überall in der Stadt - ob nun von Lehrern und Erziehern oder der Mutter hinter uns in der Supermarktschlange.

Trotz all der süßen, kleinen Sätze, die unsere Kinder überall hinbegleiten, warum oh warum benehmen sie sich dann hilfloser, rücksichtsloser und anspruchsvoller, als je zuvor? Wir haben alle schon Einblicke in die hässlichen Symptome der Anspruchs-Epidemie - Gejammer, Verhandeln und Kämpfe - in unserem eigenen Zuhause oder bei anderen bekommen. Wir lieben unsere Kinder und wir sind stolz auf die tollen Dinge, die sie tun - aber könnte es sein, dass die Botschaft, die wir aussenden, tatsächlich ein klebriges Anspruchsproblem bei unseren Kinder auslöst?

Eltern beabsichtigen nie anspruchsvolle Kinder heranzuziehen; dennoch könnten unsere wohlgemeinten Lobhudeleien unsere Kinder tatsächlich davon abhalten, das Beste aus sich zu machen. Falls eine der folgenden fünf klebrigen Lobes-Fallen den Weg in ihre Familie gefunden hat, wird es vielleicht Zeit, die Speisekammer des Lobes zuzusperren und stattdessen eine ausgewogene Diät aufmunternder Worte zu servieren:

1. Süße Worte ohne Substanz .

Ihr Sohn versenkt einen entscheidenden Freistoß. Niemand erwartet da von ihnen zu rufen "All das Üben in der Einfahrt zahlt sich jetzt aus!" während Sie ihm vor seinen Mitspielern gratulieren. "Das war klaaaaaasse!" wäre da angebrachter. Aber wenn Sie sich danach nicht darum kümmern, auch einmal die langen Stunden harter Arbeit und Übens zu erwähnen, geben sie ihm quasi M&Ms zum Abendessen ("du bist klasse") statt Hühnchen in Parmesankruste ("deine harte Arbeit hat sich ausgezahlt"), von dem Sie wissen, dass es sein Körper eigentlich braucht. Auch wenn es nicht immer leicht ist, das mit den aufmunternden Worten durchzuziehen, die unsere Kinder brauchen, wenn wir sie weglassen, verpassen wir eine Möglichkeit, unseren Kinder dabei zu helfen, jene positiven Verhaltensweisen zu entwickeln, die zu langfristigem Erfolg beitragen werden.

Ein Fallbeispiel: Wissenschaftlerin Carol Dweck zeigte, dass Kinder, denen leere Phrasen des Lobes wie "du bist du so schlau" gesagt wurden, beim nächsten mal mehr Schwierigkeiten damit hatten, schwierigere Herausforderungen zu meistern, als Kinder, denen gesagt wurde, "Du musst dich wirklich angestrengt haben." Dennoch verteilen wohlmeinende Eltern diese Art leeren Lobes, vor dem Dweck warnt, wie Kaugummi aus einem Automaten. Überall, die ganze Zeit hören Kinder "Du bist klasse!" und "das ist beste Bild eines Baumes, das ich je gesehen habe!" Es ist kein Wunder, dass Kinder sich berechtigt fühlen, für jede Leistung, ob groß oder klein, Applaus zu bekommen.

Das Gegengift: Eine tägliche Dosis (oder zwei oder zehn) wohl überlegter Ermutigung zu harter Arbeit, Ausdauer, Übung, Zeit zum lernen oder die paar Meter extra gegangen zu sein, wird unsere Kinder viel weiter bringen, als jedes zuckrige "Gut gemacht!" Und ein Blick in das Gesicht Ihres Kindes, das vor Stolz aufstrahlt, weil Ihnen seine positiven Bemühungen oder Verhalten aufgefallen sind, statt einfach einen vorgefertigten, gehaltlosen Satz auszuplappern, wird sie fesseln.

2. Natürliche Fähigkeiten loben.

Es ist normal, super aufgeregt darüber zu sein, dass die fünfjährige Lily mehr Tore, als jeder andere in ihrer Fußballmannschaft geschossen hat, oder dass der siebenjährige Carlos über musikalische Fähigkeiten, die sein Alter weit übersteigen, verfügt. Wir sind dazu hingerissen, mit unserem Lob dick aufzutragen: "Du bist ein Star!" und "Du bist die Beste!" gehen uns allzu leicht über die Lippen. Aber wir konzentrieren uns auf die falschen Dinge. Auch wenn Kinder ihre natürlichen Fähigkeiten genießen mögen - sie haben nichts dafür getan, sie zu besitzen - es liegt außerhalb ihrer Kontrolle. Im Jugendsport zum Beispiel gibt es immer wieder Kinder, die, als sie jung waren, immer für ihre natürlichen Fähigkeiten gelobt wurden jedoch nie die Fähigkeit, ausdauernd zu sein, sich anzustrengen und im Team zu arbeiten, entwickelt haben und die Jahre so verstreichen ließen. Sie fühlen sich für den Platz in der ersten Reihe und die Aufmerksamkeit von College Recruitern berechtigt. In der Highschool haben jedoch alle an Größe und Fähigkeiten aufgeholt und plötzlich kann der "Natur-Athlet" nicht mehr mithalten. Diese Kinder werden hilflos frustriert von der Aktivität, die sie einmal geliebt haben, weil andere Kinder besser darin sind und noch schlimmer, sie nicht die Mittel besitzen, ihre Situation zu verändern.

Das Gegengift: Kinder jeden Alters werden mehr davon profitieren, wenn Sie ihre Taten ermutigen, statt ihre Fähigkeiten. Fokussieren Sie sich auf positive Dinge, wie Mühe und Verbesserung, die Kinder kontrollieren können, statt auf irgendein vermeintliches Naturtalent, über das sie keine Kontrolle haben. Selbst wenn Jayden den Matheunterricht rockt, wird ihr Erfolg noch größer sein, wenn sie auch das Know-How dazu hat, eine Herausforderung zu meistern oder ihren Kameraden zu helfen, statt sich auf ihrer "natürlichen Fähigkeit" auszuruhen. Ersetzen Sie zuckriges Lob mit einer Anerkennung und Ihre Kinder werden jahrelang in der Zukunft besser dran sein.

3. Aus Lob "Labels" machen.

Lob - genauso wie Zucker - ist eine schwierige Angelegenheit. Und oft taucht es dort auf, wo wir es gar nicht beabsichtigen. Zum Beispiel, indem wir unsere Kinder in Schubladen stecken oder vergleichen, loben wir sie oder noch schlimmer - machen sie runter, ohne es zu bemerken. Indem wir jemanden als "Der Sportliche" oder "Der Lustige" oder "Der Schüchterne" betiteln, betonen wir ihre Fähigkeiten (oder Unfähigkeiten) indem wir sie vergleichen und packen alle unsere Kinder in ordentliche kleine Schubladen. Noch subtiler ist die Betitelung der "Geh-zu-Kinder". Wir haben alle eins - das Kind, dem wir anvertrauen, die volle Salatschüssel zum Tisch zu tragen. Es ist dasjenige, "zu dem wir gehen" wenn wir wollen, dass etwas schnell und ohne Getue erledigt werden soll. Sich auf das "Geh-zu-Kind" zu verlassen, ist eine Form des Lobes, die genauso schädlich sein kann, wie sein Gegenstück - nicht nur, weil Kinder alles mitbekommen (sogar die Tatsache, dass Javier immer die coolen Aufgaben bekommt), sondern auch, weil wir ihnen damit unwissentlich mitteilen, dass sie ihr "Label" sind und nicht kontrollieren können, wer sie sind oder was sie machen. Autsch.

Das Gegengift: Selbst wenn Sie wissen, dass Molly als Model Karriere machen könnte oder Charlie sich lieber selbst nach Sibirien senden würde, als vor anderen Leuten zu reden, widerstehen Sie dem Drang, Molly als "Die Hübsche" zu labeln und mit Charlie, "Ihrem Schüchternen", zu vergleichen. Wenn Sie Aufgaben in der Familie verteilen, teilen Sie sie altersgerecht und fair auf, damit jeder die Chance kriegt die Salatschüssel fallen zu lassen (oder erfolgreich zu transportieren) - eine aus Plastik, falls Sie sich wirklich Sorgen machen. Und wer weiß? Vielleicht wird Charlie mit etwas Ermutigung einmal auf einer Bühne stehen und zu tausenden Menschen sprechen, ohne sie sich in Unterwäsche vorstellen zu müssen.

4. All die guten Dinge vor den Geschwistern preisen.

Kinder lieben es zu hören, was sie gut gemacht haben - aber wenn wir von ihren Geschwistern schwärmen? Nicht so sehr. Manchmal wollen wir ein Kind einfach ermutigen und sein Selbstbewusstsein stärken, aber manchmal hoffen wir insgeheim, dass ein Geschwister in Hörweite sich aufgrund unserer Worte ein Beispiel nimmt und das wissen sie auch. Leider werden jedoch selbst die aufbauendsten Worte der Ermutigung die Botschaft versenden, ein Bruder oder eine Schwester sei überlegen, was zu Geschwisterkonkurrenz und Rivalität führt - nicht unbedingt das, was wir uns erhofft hatten.

Das Gegengift: Ermutigung, genauso wie Verbesserung, wird am besten ehrlich und privat überliefert, um dem Kind zu erlauben, in einem Moment wahren Stolzes über seine Leistung oder Tat zu schwelgen. Und Sie werden auch dafür sorgen, dass die anderen Geschwister sich nicht entmutigt oder minderwertig fühlen. Außerdem wird ihrem Kind das Gewicht Ihrer Worte richtig bewusst sein, da Sie sich die Zeit genommen haben, ihn beiseite zu nehmen.

5. Loben mit einem Hauch Kritik.

Nichts gibt Ermutigung einen bitteren Beigeschmack, wie eine extra Portion Kritik, um gleich alles wieder zunichte zu machen. Hier ist ein Beispiel: "Es ist so schön, in dein Zimmer zu kommen. Du musst viel Zeit gebraucht haben, alles so gut zu organisieren! Siehst du, ist es nicht viel schöner, wenn man den Boden sehen kann?" Was wie ein süßes Kompliment beginnt, schmeckt im Mund eines Kindes schnell wie Gift. Ein "Ich hab's dir doch gesagt" anzufügen, stiehlt einem Kind all die positiven Gefühle, die wir gehofft haben, hervorzurufen.

Das Gegengift: Übermitteln Sie die positiven Worte und ziehen Sie sich dann zurück. Sie müssen es nicht unmissverständlich klarmachen. Kinder werden nur defensiv werden, wenn eine Ermutigung von Kritik getrübt wird und sie werden die Botschaft viel schneller verstehen, wenn die positiven Worte zurückbleiben und nacharbeiten können.

Eltern finden, all die süße Lobhudelei unserer Kinder ist wie Süßigkeiten - in kleinen Dosen in Ordnung. Aber wenn man ihnen zu viel gibt, bleiben sie hungrig nach dem zurück, was sie wirklich brauchen: Nahrung, gut ausformulierte Dosen Ermutigung, die sich auf positive Vorgänge, (Lernen vor einem großen Test) statt auf das Ergebnis (eine Note 1) fokussieren. Kinder, denen ständig leere Worte gefüttert werden, fühlen sich eines gewissen Status berechtigt, aber Kinder, die für ihre harte Arbeit, Hingabe, Zusammenarbeit, Geduld und viele andere positive Eigenschaften gelobt werden, lernen, dass jene besondere Auszeichnungen und Erfolg haben, die sich anstrengen, gut mit anderen zusammenarbeiten und herausstechen.

Da die Anspruchs-Epidemie in vollem Gang ist, ist es wichtiger denn je, den Charakter unserer Kinder mit positivem Lob zu nähren, das ihr noch wachsender Geist braucht. Sätze wie "Du musst so stolz auf all deine harte Arbeit sein" und "Ich weiß deine Hilfe heute sehr zu schätzen" werden sich für unsere Kinder sehr viel süßer anhören, als es ein leeres "Gut gemacht!" je könnte - und wird sie im Leben viel weiter bringen.

Amy McCready ist Gründerin von PositiveParentingSolutions.com und Autorin von The "Me, Me, Me" Epidemic: A Step-by-Step Guide to Raising Capable, Grateful Kids in an Over-Entitled World, erschienen am 11. August.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Nina Damsch übersetzt.

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